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Kommentar: Der veränderte Arbeitsmarkt erfordert Kompromisse von beiden Seiten

Kommentar

Auf dem Arbeitsmarkt weht ein anderer Wind: Zeit, Kompromisse einzugehen

Sophia Krotter
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    Auf dem Arbeitsmarkt haben es junge Studienabgänger aktuell schwer.
    Auf dem Arbeitsmarkt haben es junge Studienabgänger aktuell schwer. Foto: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

    Bewerberinnen und Bewerber befanden sich in den vergangenen Jahren in einer recht komfortablen Situation: Die geburtenstarken Jahrgänge verschwanden allmählich vom Arbeitsmarkt und hinterließen zahlreiche offene Stellen, für die es nicht genügend qualifizierte Fachkräfte gab. Wer gut ausgebildet war, konnte sich in Sicherheit wiegen. Durch die angespannte Wirtschaftslage hat sich der Wind auf dem Arbeitsmarkt nun ein wenig gedreht. Das stärkt zwar die Position der Arbeitgeber, erfordert für eine zukunftsfähige Wirtschaft aber Kompromisse von beiden Seiten.

    Vor zwei, drei Jahren war es keine Seltenheit, dass Studierende noch vor ihrem Bachelorabschluss ein Jobangebot in Aussicht hatten. Inzwischen müssen sich junge Akademikerinnen und Akademiker auf eine Bewerbungsphase von mehreren Monaten, meist mehr als 50 Bewerbungen und zahlreiche Mitbewerber einstellen, die über die gleichen Qualifikationen verfügen. Viele von ihnen gehen deshalb Kompromisse ein: bei der Arbeitszeit, beim Arbeitsort, beim Gehalt. Gleichzeitig schrauben Arbeitgeber ihre Ansprüche nach oben.

    Dass Unternehmen ihre gestärkte Position auf dem Arbeitsmarkt zu ihren Gunsten nutzen, ist verständlich. Dass Menschen, die während der Pandemie erwachsen geworden sind, die sich an Ausgangssperren halten mussten und deshalb weniger soziale Kontakte hatten, jetzt von Arbeitgebern für mangelnde Sozialkompetenzen abgestraft werden, ist allerdings nicht nur unfair, sondern auch fahrlässig. Denn durch den demografischen Wandel wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in den kommenden Jahren weiter sinken – unabhängig davon, wie es der Wirtschaft gerade geht. Mehr Miteinander als Gegeneinander täte also nicht nur den Arbeitnehmern gut, sondern langfristig auch den Arbeitgebern.

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