Raphael Brandmiller möchte Generation Aux zur Fraktionsstärke führen
Helmut Wiedemann tritt in die Fußstapfen von Peter Grab
Thorsten Frank will Volt erstmals in den Stadtrat bringen
Christian Pettinger ist das Gesicht der ÖDP
Von den 14 Parteien, die am 8. März in den Stadtrat wollen, haben nur zehn einen Oberbürgermeister-Kandidaten. Generation Aux, ÖDP, Volt und WSA setzen auf Spitzenkandidaten als Zugpferde für den Einzug in den Stadtrat. Die Überlegungen sind unterschiedlich – dabei geht es nicht immer nur darum, dass kleinere Parteien ohnehin wenig Chancen auf den OB-Sessel haben.
Dass Generation Aux keinen eigenen OB-Kandidaten hat, liegt nicht daran, dass man keinen gefunden hätte, sondern daran, dass es Teil des Programms ist: „Keiner, der bei uns auf der Liste steht, strebt ein politisches Hauptamt an“, sagt Spitzenkandidat Raphael Brandmiller, der seit sechs Jahren im Stadtrat sitzt. Im klassischen Links-Rechts-Schema ist Generation Aux nicht klar einzuordnen. Anfangs war Brandmiller an die Grünen-Fraktion angedockt, dann wurde Brandmiller zu einem der schärfsten Kritiker von Schwarz-Grün.
„Die letzten Jahre im Stadtrat waren frustrierend. Es geht um Machterhalt, neue Ideen werden nicht zugelassen“, so Brandmiller, der beruflich das Sozialunternehmen Lehmbaugruppe leitet. Weitere sechs Jahre halte die Stadt so etwas nicht aus. Darum mache man weiter. Generation Aux hatte zuletzt eine Liste von Leuchtturmprojekten wie eine umgebaute Maximilianstraße oder eine S-Bahn zur Uniklinik präsentiert. Nötig sei auch eine klare Förderung des Wohnungsbaus mit möglichst wenig Vorschriften. Ziel von Generation Aux ist es, diesmal in Fraktionsstärke mit mindestens vier Stadtratsmitglieder einzuziehen.
Mit Politik hatte Helmut Wiedemann lange nichts zu tun. Stattdessen ist er als Unternehmer in Augsburg vielseitig tätig, unter anderem als Betreiber des „Winterlandes“ vor der City-Galerie. Nun tritt bei der Kommunalwahl 2026 als Spitzenkandidat für den Verein „Wir sind Augsburg“ (WSA) an und löst damit Peter Grab ab, der das Gesicht von WSA war und sich nun schrittweise zurückzieht. Er selbst bezeichnet sich als „Problemlöser“. Sollte er in den Stadtrat einziehen, möchte er vorrangig wirtschaftliche Themen voranbringen.
Er spricht mehrere Probleme an, die er im Stadtrat gerne angehen würde. „Seit 2018 haben wir in Augsburg einen Wohnungsnotstand. Es wird aktuell leider eine Chance nach der anderen verpasst, neuen Wohnraum zu schaffen“, findet er. Das Baurecht werde nicht ausreichend genutzt und Entscheidungen würden zu lang dauern. Ebenso relevant sei eine Nachverdichtung sowie die Senkung der Grundsteuer. Maßgeblich ist laut ihm zudem die Attraktivität für Unternehmen. „Der Gewerbesteuersatz muss runter. Augsburg muss Anreize schaffen, um Unternehmen zu sich zu holen“, findet der 62-Jährige. Ein Versprechen gibt er im Bereich sanierungsbedürftiger Schulen: „Wenn ich in den Stadtrat komme, spende ich meine Aufwandsentschädigung jeden Monat an Schulen, damit sie ihre Räumlichkeiten erneuern können.“
Thorsten Frank ist derzeit in bester Stimmung. Erst im vergangenen Herbst Volt beigetreten, führt der Diplom-Geograf die pro-europäische Partei im März als Spitzenkandidat in die Kommunalwahl. „Wir wollen mit ein bis zwei Kandidaten in den Stadtrat einziehen“, gibt Frank als Ziel vor. Bisher ist Volt dort nicht vertreten. Deshalb musste die junge Partei 470 Unterstützerunterschriften sammeln. Das BSW und die Werte-Union scheiterten, Volt nahm die Hürde.
„Wir wollen mehr Augsburg in Europa und mehr Europa in Augsburg“, sagt Frank. Konkret bedeute das, die Bedeutung von Europa über Veranstaltungen wie das Europa-Fest sichtbar zu machen. Zudem wolle er sich dafür einsetzen, die von der EU geförderten Projekte herauszustellen. Ein weiterer Schwerpunkt von Frank, der sich viele Jahre im Stadtmauerverein und bei der Europa-Union ehrenamtlich engagierte, ist die Mobilität. „Wir setzen die Priorität auf den Ausbau der Radwege und die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.“ Zudem wolle er seine Expertise in die Stadtteilentwicklung einbringen. Um die Prozesse bei der Digitalisierung in Augsburg weiter voranzutreiben, fordert Frank die Etablierung einer Taskforce.
Christian Pettinger sitzt seit 2014 im Stadtrat. Dieses Jahr ist er erneut Spitzenkandidat der ÖPD, die aktuell mit einem Sitz vertreten ist. „Wir streben diesmal die Fraktionsstärke mit vier Kandidaten im Stadtrat an.“ Auf einen OB-Kandidaten hat die ÖDP verzichtet. Das Amt sei anspruchsvoll, man halte insgesamt nur die wenigsten Kandidaten für geeignet. Die ÖDP hat eine Empfehlung für SPD-OB-Kandidat Florian Freund abgegeben.
Die ÖDP und Pettinger, 62, wollen sich für eine Begrünung der Stadt einsetzen. „Ich möchte Bäume in der Stadt erhalten und neue Plätze für sie schaffen“, sagt Pettinger. „Im Sommer heizt sich die Stadt sehr auf. Bäume sind da die beste Abkühlung“, meint er. Bisher gehe das Thema nur schleppend voran. Die ÖPD hat ein Bürgerbegehren gestartet, um bis 2030 rund 7000 neue Bäume zu pflanzen. Zum anderen möchte der Elektroingenieur den ÖPNV stärken. „Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert, der Takt von Bussen und Straßenbahnen wird immer wieder ausgedünnt.“ Damit erreiche man nur, dass die Menschen häufiger mit dem Auto fahren. „ÖPNV gehört zur Basisversorgung einer Gemeinde. Das müssen wir uns leisten und im Zweifel an anderer Stelle sparen“, findet er.
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