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Kommunalwahl 2026 in Augsburg: OB-Kandidat Andreas Jurca von der AfD ist kein Normalo

Augsburg

Reizfigur, Täter, Opfer? AfD-Kandidat Jurca gibt sich als Normalo – doch das ist er nicht

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    Andreas Jurca ist Stadtrat in Augsburg, sitzt für die AfD aber auch im bayerischen Landtag. Seit seiner Jugend verbringt der 38-Jährige gerne Zeit an der Wertach.
    Andreas Jurca ist Stadtrat in Augsburg, sitzt für die AfD aber auch im bayerischen Landtag. Seit seiner Jugend verbringt der 38-Jährige gerne Zeit an der Wertach. Foto: Marcus Merk

    Ein Samstagvormittag im Februar, Wahlkampf in der Annastraße. Andreas Jurca trägt keinen Mantel, keinen Anzug, sondern Anorak. Als er vor sechs Jahren erstmals OB-Kandidat für die AfD war, legte er Wert auf formelles Auftreten, er trug Krawatte. Für seinen zweiten Anlauf hält er es schlichter: Den Passanten in der Annastraße tritt er im knallblauen Anorak gegenüber, für Foto- und Interviewtermine wählt er eine schlichte schwarze Jacke. Und das auch aus Kalkül. Vor allem bei Arbeitern, die man als Wählerschaft im Blick habe, komme schlichteres Auftreten gut an, sagt Jurca. Es wirke weniger abgehoben, „normaler“. Doch ein Normalo, das ist Jurca nicht.

    Jurca gilt nicht als Charismatiker – selbst Gegner sagen ihm aber nach, ausgeprägte politische Instinkte und ein gutes Gespür für seine Partei zu besitzen. Er ist Strippenzieher; nach außen oft niederschwellig im Umgang, geradeheraus und impulsiv, bei Bedarf aber berechnend und strategisch, notfalls hinterrücks. Er ist mal angriffslustiger Provokateur und Polemiker, um sich dann immer wieder in eine Opferrolle zurückzuziehen; er ist Beschuldigter unter Betrugsverdacht, wurde Ziel einer Gewalttat. Ein einst Geflüchteter, der für eine Partei antritt, die der Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ einstuft.

    AfD-Politiker Andreas Jurca kam als Flüchtling nach Deutschland

    Jurca, 38 Jahre alt, wurde als Teil einer deutschstämmigen Minderheit in Rumänien geboren und kam mit vier Jahren in die Bundesrepublik. Die Familie lebte knapp ein Jahr in einem Asylheim. Später machte Jurca auf zweitem Bildungsweg Abitur und schloss ein Chemie-Studium ab. Schritte einer Integrations- und Aufstiegsbiografie, ermöglicht durch Bildung.

    Nach dem Studium orientierte sich Jurca um. Eine Rechtspfleger-Ausbildung brach er ab, um für die AfD zu arbeiten. Heute, nach einem rasanten Aufstieg, ist er Landtagsabgeordneter mit viel Einfluss in der AfD – als zentrale Figur auf kommunaler Ebene, über Bezirks- und Landesgremien aber auch darüber hinaus. Der Vater zweier Kinder ist viel am Smartphone, viel unterwegs.

    Nun also die Kommunalwahl. Fragt man ihn nach den wichtigsten Themen, nennt er aus dem Bauch heraus: Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit, dann auch Kitaplätze, Verkehr und Schulen. Besonderheiten im Wahlprogramm der AfD: Straßennamen zu erhalten, eine dezidierte Pro-Auto-Politik sowie die Eindämmung von Rattenbefall.

    OB-Kandidat verbreitet irreführende Behauptungen über Migration

    Einen Bereich nennt Jurca nicht: Asyl und Migration, eigentlich Kernthema der AfD. Jurca weiß, dass dies vor allem Bund- und Ländersache ist. Und doch bringen er und die Augsburger AfD immer wieder Aussagen in den Umlauf, deren Inhalt mindestens irreführend oder unbelegt ist. Auf einem Flyer zum AfD-Wahlprogramm steht unter „Asyl und Migration“ etwa: „Weitere Aufnahmen verhindern.“ Dabei können Kommunen die Aufnahme von Geflüchteten de facto nicht „verhindern“.

    Und mehr noch. In einem Wahlvideo sagt Jurca, es gebe „immer mehr Berichte über Messerstechereien und Vergewaltigungen in unserer Stadt. Und immer mehr Flüchtlingsunterkünfte in Deinem Wohngebiet, während viele Bürger kaum noch wissen, wo sie selbst bleiben sollen.“ Abgesehen davon, dass er damit Kriminalität und Geflüchtete direkt in Zusammenhang bringt, Geflüchtete gegen Ortsansässige ausspielt: Weder gibt es derzeit gehäuft Berichte über Vergewaltigungen in Augsburg, noch nimmt die Zahl der Flüchtlingsunterkünfte zu. Im Gegenteil: Weil zuletzt weniger Geflüchtete ankamen, wurden und werden Unterkünfte derzeit geschlossen.

    Warum solche Scharfmacherei? Jurca, der sich als gläubiger Christ bezeichnet, weist dies zurück. Ja, als Kommune könne man Aufnahmen nicht verhindern. Aber dann müsse man eben „kreativ“ werden – etwa potenzielle Unterkünfte unter Denkmalschutz stellen (was nicht ohne Weiteres geht), Standorte im Umland prüfen (womit man dort wohl nicht einverstanden wäre) oder es in bestehenden Unterkünften „unbequemer machen“.

    Ermittlungen wegen Betrugsvorwürfen: Jurca sieht sich auch als Opfer

    Zu den teils faktisch falschen Behauptungen sagt Jurca, er spiele eher auf ein „Gefühl“ an, das bei vielen herrsche. Kritik an der Wortwahl bezeichnet er als „Wortklauberei“. Er habe vielleicht „ein bisschen ungeschickt formuliert“, ein Wahlkampfvideo sei aber „keine wissenschaftliche Arbeit“. Man wolle Probleme mit Migration adressieren und setze dabei auf „einfache Botschaften“, da diese „verständlicher“ seien. Er habe „überhaupt kein pauschales Problem mit Menschen mit Migrationshintergrund – wie auch?“. Es gebe „gute Erfahrungen mit legaler Migration“, aber eben auch „Probleme mit vielen Einzelnen“.

    Auch wenn er einst Sympathien für den rechtsextremen AfD-Politiker Björn Höcke erkennen ließ: Es gibt nur wenige, die Jurca für einen Ideologen halten. Im Wesentlichen steht er für das, was auch die Partei inhaltlich propagiert, darunter etwa Nähe zu Russland. Für eine Reise als „Wahlbeobachter“ dorthin handelte er sich 2024 heftige Kritik ein.

    Wobei sich Jurca mit Gegenwind auskennt. Vorwürfe, Anfeindungen und juristische Auseinandersetzungen prägen seine Karriere. Mit seinem ehemaligen Chef, dem Ex-Landtagsabgeordneten Markus Bayerbach, lieferte er sich über Jahre eine Schlammschlacht, auch vor Gericht. Dann eine körperliche Attacke im August 2023, bei der Jurca verletzt wurde. Er war damals Kandidat zur Landtagswahl, seine Schilderungen legten eine politische Motivation nahe. Die Hintergründe blieben unklar.

    AfD-Politiker geht auf Konfrontation mit der Staatsanwaltschaft

    Ganz anderen Hintergrund haben Ermittlungen, die aktuell gegen Jurca und andere Beschuldigte aus dem AfD-Umfeld laufen. Es geht um öffentliche Gelder, die die AfD-Stadtratsfraktion 2022 und 2023 zweckentfremdet haben soll. Jurca bestreitet die Vorwürfe. Er vermutet eine Art Kampagne der Staatsanwaltschaft. Schon zum dritten Mal laufe in Wahlkampfzeiten ein Verfahren, in dessen Mittelpunkt er stehe. Das sei „kein Zufall mehr“. Die Behörde weist dies zurück.

    Jurca sieht sich und seine Partei auch von anderen Stellen angegriffen. Tatsächlich wird keine Partei in Augsburg so häufig zum Ziel von Straftaten wie die AfD. Auch im Stadtrat, sagt Jurca, seien „eigentlich alle gegen uns“. In Redebeiträgen werde er regelmäßig harsch unterbrochen – Wortgefechte, etwa mit OB Eva Weber, seien auch „Schutzreaktion“.

    Widerstand gab es zuletzt auch aus eigenen Reihen. Jurca verhinderte, dass parteiinterne Widersacher auf der AfD-Liste zur Kommunalwahl landeten – allen voran Fraktionskollege Friedrich Baur, einer von aktuell vier AfD-Stadträten. Stattdessen stehen vor allem Kandidaten zur Wahl, die als Jurca-Getreue gelten. Auch dies ein Werk des Strippenziehers.

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