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„Eine kostenlose Autoinspektion würde keiner ausschlagen“: Uniklinik Augsburg sucht Teilnehmer für Krebs-Studie

Uniklinik Augsburg

„Eine kostenlose Autoinspektion würde keiner ausschlagen“: Uniklinik sucht Teilnehmer für Krebs-Studie

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    Dr. David Roser (links) und Professor Helmut Messmann vom Augsburger Universitätsklinikum entwickeln eine Methode zur Früherkennung von Magen- und Speiseröhrenkrebs.
    Dr. David Roser (links) und Professor Helmut Messmann vom Augsburger Universitätsklinikum entwickeln eine Methode zur Früherkennung von Magen- und Speiseröhrenkrebs. Foto: Annette Zoepf

    Mit einer Ehefrau verlängert sich die Lebenserwartung, sagt Harald Pohl. Was sich scherzhaft anhört, meint der 63-Jährige ernst. Seine Frau bestand bei ihm auf eine Magenspiegelung. Ihre Hartnäckigkeit rettete sein Leben. Bei dem Diedorfer wurde Speiseröhrenkrebs im frühen Stadium entdeckt. Inzwischen gilt Pohl als geheilt. Weil er selbst am besten weiß, wie wichtig Früherkennung ist, beteiligt er sich als Patientenvertreter an einer aktuellen Studie, die medizinisch federführend an der Uniklinik Augsburg geleitet wird.

    Professor Helmut Messmann, Experte für Magen-Darm-Krebs und Direktor der III. Medizinischen Klinik an der Uniklinik, entwickelt mit seinem Team und Professor Jakob Linseisen, Direktor des Lehrstuhls für Epidemiologie, eine neue Methode, wie Speiseröhren- und Magenkrebs und deren Vorstufen frühzeitig erkannt werden können. Allerdings fehlen noch Probanden.

    Professor Helmut Messmann ist ein freundlicher, humorvoller Mensch. Aber er hat einen Gegner, den er bekämpft: den Krebs. Messmann, der eine internationale Reputation bei der Erforschung und Behandlung von Magen-Darm-Krebs genießt, kritisiert, dass in Deutschland zu wenig für Prävention und Früherkennung getan wird. Das möchte er ändern. Auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Im Verbund mit Medizinern, Arztpraxen, Ethikern und Patientenvertretern entwickelt er derzeit ein Screening-Verfahren, bei dem Hochrisikopersonen identifiziert werden. Teilnehmende müssen sich dabei ehrlich machen.

    Ursachen für Krebsentstehung: An der Augsburger Uniklinik wird geforscht

    Es geht um Angaben zu Alter, Gewicht und Körpergröße und darum, ob man Säurehemmer einnimmt, regelmäßig raucht oder Alkohol konsumiert. „Anhand eines erhöhten Risiko-Scores können wir eine Magenspiegelung als Vorsorgeuntersuchung nahelegen“, erklärt Messmanns Kollege, Facharzt David Roser, der die Studie mitentwickelt. Die Studienergebnisse sollen dazu beitragen, die KI-gestützte Erkennung von Schleimhautveränderungen zu verbessern und die Ursachen für die Entstehung von Magen- und Speiseröhrenkrebs näher zu erforschen. Messmann spricht von jährlich rund 40.000 Neuerkrankungen, die man mit einer Vorsorgegastroskopie in Deutschland finden könnte. Dass Magenspiegelungen bislang nur bei Beschwerden durchgeführt werden, findet der Mediziner ein Unding.

    „Bislang wird nur die Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren angeboten, das ist zu wenig. Wir geben viel Geld für Chemotherapie und für lebensverlängernde Maßnahmen aus, investieren aber zu wenig in die Prävention und Früherkennung.“ In Asien, wo die Menschen in manchen Ländern im Schnitt zehn Jahre länger lebten, sei das anders, so der Professor. „In Japan lernen Kinder schon in der Schule gesunde Ernährung.“ Denn fettiges Essen, Alkohol, Nikotin und zu wenig Bewegung erhöhten das Krebsrisiko. Sein Kollege David Roser nickt bestätigend: „In Ländern wie Japan und Südkorea wird die Magenspiegelung ab 40 Jahren als Vorsorge angeboten.“ 500 Probanden brauchen die Augsburger Forscher für die Entwicklung ihrer neuen Methode. Bislang haben etwa 150 Interessierte teilgenommen. Die Frage, warum sich eine Teilnahme lohne, beantwortet Helmut Messmann schnell.

    Professor Helmut Messmann: „Es geht hier um die eigene Gesundheit“

    „Wenn eine Autowerkstatt kostenlose Inspektionen anbieten würde, würde das kein Autofahrer ausschlagen. So kann man unsere Studie sehen, nur, dass es hier um die eigene Gesundheit geht.“ Aus Erfahrung weiß Messmann, dass Studien-Teilnehmer meist Menschen sind, die ohnehin gesundheitsbewusst leben. „Dabei profitieren gerade diejenigen mit langjährigem Alkohol-, Zigarettenkonsum oder Übergewicht am meisten davon. Sie erhalten quasi eine Rundum-Versorgung.“ Für die Studie, die RISC-GAP heißt und die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird, wurde ein bayernweites Netzwerk geschaffen. Laut den beiden Medizinern soll die neue Methode in einem zweiten Schritt für eine Implementierung in Deutschland vorbereitet werden.

    Patientenvertreter Harald Pohl sagt, er habe bei seiner Krebserkrankung Glück im Unglück gehabt. Das Karzinom war rechtzeitig erkannt worden. Immer wieder mal hatte er mit Reflux zu tun, das Problem mit der aufsteigenden Magensäure aber gut im Griff gehabt. „Wenn die Studie fertig ist, kann man vielleicht künftig anhand von Urin-, Stuhl- und Blutproben feststellen, ob man gefährdet ist.“ Das wäre wunderbar.

    Der Risikoscore kann nur berechnet werden, wenn der oder die Teilnehmende zwischen 50 und 70 Jahre alt ist und in den vergangenen drei Jahren keine Magenspiegelung hatte. Kontakt und Infos unter RISC-VAL@uk-augsburg.de, Telefon 0821/400-165900 oder www.uk-augsburg.de/RISC-VAL.

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