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Augsburg

06.01.2021

375. Todestag: So hat sich Elias Holl mit Bauwerken in Augsburg verewigt

Imposant erhebt sich die östliche Giebelfassade des neuen Rathauses von Elias Holl an der Hangkante.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Elias Holl (1573–1646) hat Augsburg zu einer glänzenden Stadt gemacht. Er lebte in einer unsicheren Epoche und schuf doch architektonische Meisterwerke.

Vor 375 Jahren, am 6. Januar 1646, ist Elias Holl gestorben. Das Datum bietet Anlass nicht nur einen bedeutenden Architekten zu würdigen, sondern auch in eine Zeit zurückzuschauen, die natürlich anders war als die unsrige, heutige – die aber doch gewisse Parallelen aufweist. Unsicherheit, berufliche Rückschläge, soziale Not, eine Epidemie – das hatten auch Elias Holl und seine Zeitgenossen auszuhalten. Anders als wir Heutigen, deren Leben derzeit von der Corona-Pandemie geprägt wird, hatten die Menschen im mittleren 17. Jahrhundert aber zusätzlich den Dreißigjährigen Krieg zu ertragen, der auch Augsburg schwer heimsuchte.

Die Freie Reichsstadt, neben Köln und Nürnberg eine der drei größten des Reiches und durch Handwerk (Textilweber, Gold- und Silberschmiede) sowie durch Handel und Geldwirtschaft (Fugger und Welser) reich geworden, war nach ihrer Glanzzeit des 16. Jahrhunderts zunehmend von Problemen gekennzeichnet. Schlechte Ernten, Geldentwertung und die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken ließen die Bürger ängstlich in die Zukunft schauen. Der Stadtbibliothekar Elias Ehinger wertete einen Kometen, der am Himmel gesichtet wurde, als schlimmes Zeichen: Blutvergießen im Krieg, Teuerung und Pest, drei der vier apokalyptischen Reiter würden sich ankündigen, schrieb er in einem astrologischen Gutachten.

An der Pest starben Tausende Augsburger

Tatsächlich weitete sich der 1618 begonnene Kampf um Glauben und Macht auf ganz Europa aus und kam auch Augsburg immer näher. Dort hatte eine Inflation die Wirtschaft weiter geschwächt, Bankenzusammenbrüche und Firmenpleiten folgten. Und 1627/28 kam auch noch die Pest in die Stadt, vermutlich durch einquartierte Soldaten. Tausende Augsburger starben, vor allem die armen Leute in den Handwerkerquartieren.

 

Elias Holl war zu dieser Zeit bereits seit 25 Jahren Augsburger Stadtwerkmeister. 1602 war der Sohn des Hans Holl, der von seinem Vater das Maurerhandwerk gelernt hatte, auf die Position berufen worden. Mit dem Wohnhaus des reichen Kaufmanns Anton Garb in der Maximilianstraße und dem Bäckerzunfthaus am Perlachberg hatte er sich qualifiziert als einer, der für die Oberschicht der Patrizier bauen konnte. Das modische Baudesign „in welscher Manier“ und „nach der Anticen“ hatte er sich auf einer Studienreise nach Venedig und durch das Studium von Architekturschriften angeeignet. Weit überstieg er damit den Horizont des Handwerkers, wie Historiker Bernd Roeck in seiner Holl-Biografie schreibt.

Heute wäre Elias Holl wohl kommunaler Baureferent

Als Stadtwerkmeister war Elias Holl das, was man heute den kommunalen Baureferenten nennt, und er sollte das große Projekt der Stadterneuerung betreiben – Baumaßnahmen einerseits zur Schaffung von Arbeitsplätzen für die in Not geratene Bevölkerung, andererseits zur Profilierung der Stadt in der frühneuzeitlichen Welt. Große öffentliche Bauten entstanden: Gießhaus, Siegelhaus, Zeughaus, Stadtmetzg, Annagymnasium, Wasser- und Perlachturm, Wertachbrucker und Rotes Tor, Heilig-Geist-Spital und als wichtigster Bau das neue Rathaus. Zwischen 1615 und 1620 wurde es erbaut, eine Architektur der Macht und der Pracht in einem durch seine Kraft und Einfachheit sprechenden Stil der Spätrenaissance. Elias Holl war damals auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung, er verdiente gut und konnte mit seiner zweiten Frau Rosina und seinen Kindern in einem Haus in der Kapuzinergasse, also in der vornehmen Oberstadt wohnen.

Auch die Augsburger Stadtmetzg wurde von Elias Holl erbaut.
Bild: Jan-luc Treumann

Doch dann kam der Krieg auch zu ihm. Die kaiserlich-katholischen Truppen siegten über die protestantischen Armeen, in Augsburg wurde kräftig re-katholisiert, protestantische Prediger und Bedienstete entlassen, wenn sie nicht zum Katholizismus übertreten wollten. Elias Holl weigerte sich, im Januar 1630 wurde er beurlaubt. Immerhin konnte er eine Ehrenerklärung erwirken, dass er der Stadt „redlich, fleißig und willig gedient“ und „ansehnliche Gebäude“ errichtet habe. Holl arbeitete wieder als einfacher Maurer. Das Blatt wendete sich, als 1632 der siegreiche Schwedenkönig Gustav Adolf die Stadt besetzte. Jetzt waren die Protestanten obenauf, Holl wurde wieder in sein Amt eingesetzt. Zufrieden war er jedoch nicht, denn er musste wie andere Bürger für die schwedischen Besatzer Schanz- und Befestigungsarbeiten leisten.

Doch bald wurde es noch viel schlimmer: Die Schweden verloren 1634 die Schlacht von Nördlingen, kaiserliche und bayerische Truppen belagerten Augsburg. Die „Hauptstadt des protestantischen Glaubens“ (Roeck) sollte unbedingt gehalten werden und so waren die Einwohner im Winter 1634/35 am Verhungern, bevor der Rat die Stadt im März 1635 dann doch übergab. Und Elias Holl war wieder „draußen“ aus dem städtischen Dienst.

Augsburg ist reich an Holl-Denkmalen

In seinem letzten Lebensjahrzehnt befasste er sich mit der Aufzeichnung seiner Erfahrungen und Empfehlungen als Baumeister und mit der Ordnung seiner Unterlagen. Pläne und Risse, Zeichnungen und Vermessungen, Kostenplanungen und Rezepturen für Leim oder Mörtel fasste er als sein Vermächtnis zusammen. Die Kunsthistorikerin Eva Haberstock hat erst vor wenigen Jahren sein Werkverzeichnis neu herausgegeben, auch die Hollsche „Hauschronik“ ist in dem dicken Band enthalten. Neben den gedruckten „Denkmalen“ erinnern nach wie vor die gebauten an den Baumeister Holl.

Auf einem Stadtspaziergang (in dieser Zeit der geschlossenen Kultureinrichtungen eine lohnende Unternehmung, die beste Baukunst zum Anschauen bietet) lassen sie sich erwandern: Vom Rathaus zum Perlachturm (1614–1616) und zum Neuen Bau (1614), den Holl als Kulisse für den Augustusbrunnen plante, von dem aber nach der Kriegszerstörung nur die Westwand stehen blieb. Oder man geht nach Westen zum alten Annagymnasium (1612–1616), wirft dabei einen Blick auf den Turm von St. Anna (1602) und wendet sich nach Osten zum Zeughaus (1600–1607). In der Maximilianstraße kann man das Haus Garb (Nr. 79) und das Haus Harter (Nr. 39) sehen, von Holl noch vor seinem Amtsantritt erbaut. Im Norden entdeckt man das Wertachbrucker Tor (1605) und das Gießhaus am Katzenstadel (1601/02), in der Vorstadt den St. Jakobswasserturm nahe der Kahnfahrt (1609). Oder man geht vom Rathaus den Perlachberg hinunter zur Stadtmetzg (1606 –1609) und dann weiter durch das Lech- und Ulrichsviertel zum Roten Tor (1622) und zum Heilig-Geist-Spital (1625–1631), Elias Holls letzte Arbeit für die Stadt.

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