Porträt

10.07.2019

Ala Cyas Schatzsuche

Alicja Rzedkowska will keine Kompromisse machen. Seit drei Jahren lebt sie mit und von ihrer Musik. Das sei ein harter Weg, der viele Abstriche mit sich bringe. Aber die Augsburger Musikerin hat sich bewusst dafür entschieden.
Bild: Hagaff Fotografie

Die Musikerin Alicja Rzedkowska hat den Pop-Preis Roy als Newcomer erhalten. Für die 25-Jährige die Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sie hat viele Pläne.

Die Augsburger Sängerin Ala Cya strahlt Ruhe aus. Die zierliche Frau mit dem Wuschelkopf scheint auf dem Weg angekommen zu sein, den sie gehen will: Sie will Musik machen und das ohne Kompromiss und Hintertürchen. Vor wenigen Wochen hat sie den Augsburger Pop-Preis Roy in den Händen gehalten, den die 25-Jährige als Newcomerin bekommen hat. Für sie war es eine Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, der Kraft und Mut kostete.

In der Einöde Portugals hat Ala Cya an ihren Songs gearbeitet

Für sie war es aber auch das überschäumende Glücksgefühl, endlich gehört und registriert worden zu sein – hier in ihrer Heimatstadt, wo sie diesen Weg einschlug. „Eigentlich habe ich schon immer Musik gemacht. Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen“, erzählt Alicja Rzedkowska, deren Künstlername eine Abwandlung ihres Vornamens ist. Sie nimmt Klavierunterricht, singt einfach so vor sich hin. „Für mich war das eine Alltagsbegleitung. Es war mir damals gar nicht klar, dass das etwas für die Öffentlichkeit sein könnte.“ Sie absolviert die Wirtschaftsschule und besucht später das Bayernkolleg, das sie abbricht. Zu dem Zeitpunkt macht sie bereits ihre eigene Musik, will das Engagement intensivieren. „Ich wollte einfach mehr Zeit dafür haben“, sagt sie. Zunächst jobbt sie in Teilzeit im Verkauf und versucht in der Freizeit ihre Musik voranzutreiben. „Aber so läuft es bei einem kreativen Prozess nun einmal nicht. Wenn mir gerade eine Melodie durch den Kopf ging, stand ich hinter der Kasse und habe sie dort auf einem Zettel notiert.“ Für Alicja Rzedkowska war das ein quälender Prozess. Auf der einen Seite kam sie mit ihrem Job musikalisch wenig voran, auf der anderen Seite bot er ihr finanzielle Sicherheit. Lange überlegte sie, was sie machen wollte und fasste vor drei Jahren einen radikalen Entschluss: Sie kündigte ihren Job mit dem Ziel, von ihrer Musik leben zu können.

„Damals bin ich in den Flieger gestiegen und für zwei Wochen nach Portugal geflogen. Dort habe ich mich in der Einöde zurückgezogen und an meinen Songs gearbeitet“, erzählt sie. Sie habe viel Zeit gehabt, nachzudenken, in welche Richtung ihr Leben aber auch ihre Musik gehen sollen. In dieser Zeit lebte sie in einem einfachen Pferdebauwagen und arbeitete an den Liedern, die 2017 auf ihrer Debüt-EP „Treasurehunt“ erschienen. Diese Schatzsuche ist der Weg, den sie geht, der Schatz ihre Musik – emotionale, authentische Pop-Musik, wie sie sie selber beschreibt. „Mit ein bisschen klassischen Einflüssen“, ergänzt sie. Die neueren Songs werden elektronisch unterstrichen. Diese Beats wären etwas ganz anderes, ein Experiment.

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Die junge Augsburgerin mit polnischen Wurzeln ist experimentierfreudig und offen für Neues. Damit sie mit ihrer Musik und Debüt-EP auf Tour gehen konnte, startete sie eine Crowdfunding-Kampagne, um sich einen Tourbus finanzieren zu können. Über 4500 Euro kamen dort im Oktober 2018 zusammen. Mit dem Geld konnte sie sich einen alten VW LT 28 kaufen, mit dem sie jetzt schon über 30000 Kilometer zurückgelegt hat. „Offiziell ist das mein Transportmittel. Aber eigentlich bin ich mehr im Bus als in meiner Wohnung.“

Ala Cya fährt viel damit herum, mal in Spanien und Portugal, mal in Italien oder Polen. Überall gibt sie Konzerte. Zum Jahreswechsel war sie drei Monate unterwegs, im Anschluss ging sie in Italien auf Tour. 20 Konzerte waren geplant. Nach der Hälfte brach sie die Tour ab – die Veranstalter hatten ihr richtige Konzertbühnen versprochen, doch teilweise fand sie sich in einem verrauchten Zelt wider. „Das war eine schwere Entscheidung, aber sie hat mir viel gebracht – für mich selbst.“ Ehrlichkeit ist ihr wichtig – vor sich selbst aber auch im Umgang mit den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet. Alicja Rzedkowska will nichts machen, was sie nicht für gut befindet. „Die Einstellung hat einen stolzen Preis, aber ich fühle mich gut dabei“, betont sie. Ihr Einkommen bestreitet sie Großteils von ihrer Musik. „In den vergangenen Jahren habe ich aber auch bei dem Projekt ‘Unsere Show’ mitgearbeitet oder Privatunterricht gegeben.“

2020 soll es ein neues Album geben

Finanziell müsse sie zurückstecken, aber sie habe festgestellt, dass sie auf viele Dinge verzichten kann. „Ich kaufe zum Beispiel keine neue Kleidung mehr, sondern nur noch Second-Hand-Klamotten.“ Der Verzicht sei ein sehr „harter Weg“ aber löse auch ein sehr befreiendes Gefühl aus. So kann sich Ala Cya fallen lassen, arbeitet an einem Album, das 2020 erscheinen soll.

Die Solo-Künstlerin öffnet sich auch für neue Projekte. Derzeit ist sie auf der Suche nach anderen Musikern, um mit ihnen gemeinsam auf Festivals zu spielen. Der Pop-Preis Roy habe sie sehr gefreut und auf ihrem Weg einen Schritt weiter gebracht. Nun hat sie sich um den Musikförderpreis des Bezirks Schwabens beworben. „Vielleicht klappt das. Auf diesem Weg passiert immer etwas Unerwartetes.“

Konzert Ala Cya gibt am Samstag, 10. August, ihr nächstes Konzert in Augsburg. Der Veranstaltungsort ist geheim. Wer ihr Konzert besuchen will, muss eine Mail an mail@alacya.com schicken und bekommt auf diesem Weg den Ort kurzfristig mitgeteilt.

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