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Ausstellung im Glaspalast

08.01.2020

Alles in Bewegung in der Galerie Noah

International bekannt und gefeiert ist der Künstler Helge Leiberg.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Szenen des Tanzes herrschen in der Helge Leibergs Bildern und Skulpturen vor. Dabei geraten seine Strichmännchen manchmal auch außer Kontrolle.

Eine „Apotheose des Tanzes“ – diese Benennung kennt man schon länger aus einem anderen Feld der Künste. Richard Wagner bezeichnete so die 7. Sinfonie von Beethoven, dieses (Mani)Fest der Bewegung, das bis in archaische Ausdrucksbereiche vordringt. Heute trifft diese Bezeichnung den Kern in den Werken von Helge Leiberg, auch bei ihm scheint alles in Bewegung. Auch wenn seine Ausstellung in der Galerie Noah paradoxerweise „Felsenschwer und federleicht“ betitelt ist, so dominieren doch die Szenen des Tanzes, der sich seit je von der Schwerkraft der Erde erheben, neidvoll gestimmt oder ästhetisch inspiriert ein Vogel sein will.

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Das Thema durchzieht fast das gesamte – inzwischen international bekannte und gefeierte – Oeuvre des 65-jährigen Dresdners, der frühe Prägung als Student von Gerhard Kettner an der Hochschule der Bildender Künste seiner Heimatstadt erfuhr. Neben Malerei und Plastik begleiten aber auch Filme, Projekte und Performances, die mit Musik und Tanz zu tun haben, permanent seine künstlerische Laufbahn. Es entstanden Zusammenarbeiten mit außergewöhnlichen Musikern (Komponist und Posaunist Vinko Globokar), und auch mit A. R. Penck, dem Maler, der selbst in einer Band als Schlagzeuger und Keyboarder auftrat. Penck – hier bemerkt man sofort innere Verwandtschaft, denkt man an dessen legendäre Strichmännchen, mit ihrem signethaft komprimierten Ausdrucksvokabular. Und sie geraten bei Helge Leiberg fast so etwas wie außer Kontrolle, kommen ins Zappeln, strukturieren aber den Bewegungsdrang in den Gebärden und Formeln des Tanzes, aber auch im körperlichen Ehrgeiz der sportlichen und im Genuss der erotischen Ausübung – alles in Bewegung.

Ein hitziger Farb- und Bewegungskosmos

In seinen Acrylbildern scheinen diese archaischen, wie aus frühzeitlicher Höhlenmalerei zu uns gekommenen Figuren nur mit einem zu kämpfen, mit der Schwere des gemalten Untergrunds, meist in dominanten rot-schwarzen oder auch gelblich erdigen Szenen-Feldern. Sie sind verbunden oft mit Tanzpartnern oder virtuos integrierten Spieler-Schemen von Jazz-Combos oder intensiv verschlungenem Orgien-Personal.

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Der hitzige Farb- und Bewegungskosmos erfährt nur in manchen Bildern Ruhe durch die jäh aufscheinende Vision eines verklärenden Blau, wenn etwa der berühmte, berührende Michelangelo-Finger mitten im rot-schwarz brodelnden, infernalen Untergrundfeuer einen paradiesisch blauen Planeten zu erschaffen scheint („Mit Fingerspitzengefühl“), oder wenn eine blau schimmernde Klaviertastatur den dionysischen Drang zu beruhigen scheint („I’m Dominant Sept Accord“). Und als mittelalterliche apokalyptische Reiter scheinen die roten Männchen mit ihren filigran gespreizten Rössern zwischen grünbrauner Erdenschwere und lichtblauen Himmels-Hoffnungen zu schweben („Nebelreiter“).

Filigrane, überstreckte Gliedmaßen charakterisieren Helge Leibergs Skulpturen. In der Ausstellung „Felsenschwer und federleicht“ in der Galerie Noah korrespondieren sie mit Leibergs Bildern.
Bild: Michael Hochgemuth

Wunderbar mit den Bildern kommunizieren Helge Leibergs Bronzen: mal verzerrte, mal elegant gedehnte Körper mit bis ins Filigrane überstreckten Gliedmaßen und verschwindend kleinen Köpfen. Hier wird der Ausstellungstitel dann doch eingehalten – das schwere Material der Bronze, dazu die exzessiv leichte Bewegung.

Laufzeit in der Galerie Noah (Beim Glaspalast 1) bis 2. Februar. Dienstag bis Donnerstag 11 - 15, Freitag bis Sonn- und Feiertag 11 - 18 Uhr.

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