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Aktionstag

11.09.2020

Am virtuellen Denkmaltag geht es per Mausklick ins Museum

Das Rote Tor in Augsburg können Interessierte virtuell erkunden.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Wegen Corona wird vieles verschoben oder gleich ganz abgesagt. Der Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag aber findet statt. Mit überschaubarem Programm.

Kunstvolle Blumenmuster im Jugendstil zieren die gelbe Decke in der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber. Es ist nur ein kurzer Klick, dann ist das Bild schon wieder verschwunden. Wer den Museumsbesuch in die virtuelle Welt verlegen möchte, kann das in der Corona-Krise ganz einfach tun. Während des Lockdowns haben Häuser weltweit ihr Angebot digital aufbereitet. Keine Öffnungszeiten, keine Warteschlangen, kein Infektionsrisiko. Aus diesem Grund findet auch der Tag des offenen Denkmals am Sonntag virtuell statt. Das hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz entschieden. Mit Videos, Audioformaten und Fotos sollen Besucher an diesem Sonntag (13. September) direkt von zu Hause aus Bauwerke und Museen entdecken können.

Virtuelle Rundgänge im Museum können den Besuch nicht ersetzen

Wie etwa das Jüdische Museum Augsburg Schwaben. Schon seit Mai gibt es dort zwei 3D-Touren, die per Mausklick besichtigt werden können. Besucher der Webseite begrüßt Museumsdirektorin Barbara Staudinger persönlich mit einem kleinen Videoclip. Die neuen Formate seien interessant, sagt Staudinger, ersetzen könnten sie einen Besuch im Museum aber nicht – lediglich ergänzen. Es fehle einfach der Kontakt zu anderen Menschen, egal ob zu Mitarbeitern, Zeitzeugen oder Besuchern. "Im virtuellen Raum gibt es jedoch ganz andere Möglichkeiten, eine Geschichte zu präsentieren", gibt sie zu bedenken. Die Beliebtheit von Podcasts zeigt ihrer Meinung nach, dass nicht nur visuell Erlebnisse aus der Ferne möglich sind, sondern auch akustisch. Die 360-Grad-Aufnahmen des Jüdischen Museums hält die Direktorin auch deshalb für einen sinnvollen Schritt, da sie barrierefrei sind.

Virtuell zu besichtigen: Die Synagoge in Kriegshaber.
Bild: Ulrich Wagner

Zum Tag des offenen Denkmals dürfen sich Interessierte aber auch wie gehabt vor Ort mit jüdischer Geschichte auseinandersetzen – das Jüdische Museum ist ganz regulär geöffnet. An anderen Orten bleibt es dagegen beim rein virtuellen Auftritt. Etwa beim Wasserwerk am Hochablass: Historische Kessel- und Dampfmaschinen können Besucher von zu Hause aus erforschen – per 3D-Rundgang oder mithilfe einer Tonspur. Per Mausklick können auch das Kurhaus in Göggingen, die Wassertürme am Roten Tor und der Dom erkundet werden. Text und Bilderstrecken sollen auch die Geschichte der Hessing-Kirche St. Johannes sowie der Alten Stadtbibliothek im Annahof virtuell präsentieren. Bei der Alten Schmiede am Milchberg vermittelt ein Video zusätzliche Eindrücke.

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Hufschmiede und Co.: In Augsburg stehen sieben Denkmäler im Fokus

Barbara Freihalter, die den Tag für die Stadt Augsburg in diesem Jahr erneut organisiert hat, sieht das abgespeckte Programm als kleines Trostpflaster: "Natürlich ist es schade, dass diese schönen Denkmäler nicht ihre Türen für Interessierte öffnen können. Aber Corona lässt uns keine Wahl", sagt sie. Wo sonst bis zu 50 Objekte ihre Türen den Besuchern öffnen, sind es heuer nur wenige. Da die virtuelle Präsentation aller Denkmäler in so kurzer Zeit weder technisch noch organisatorisch oder finanziell möglich gewesen sei, habe die Stadt den Fokus auf lediglich sieben Orte gesetzt. Auch um Augsburg herum gibt es einiges zu entdecken, beispielsweise das virtuelle Museum Omfala, das sich digital mit den archäologischen Spuren der Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Augsburg beschäftigt. Zum Aktionstag gibt es dort ein von Studenten entworfenes Spiel.

Die Alte Schmide in Augsburg.
Bild: Digitale Museen

Als Vorzeigeprojekt, das perfekt zum Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken" passt, sieht Freihalter die Alte Hufschmiede am Milchberg. Das denkmalgeschützte Bauwerk wird seit dem vergangenen Jahr von Studenten der Hochschule Augsburg saniert. Dabei, sagt Freihalter, kämen innovative Ansätze zum Einsatz, beispielsweise im Hinblick auf eine umweltschonende Beheizung. "Das Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, wie man historische Gebäude erhalten und gleichzeitig neu denken kann."

Die virtuelle Präsentation sieht Barbara Freihalter auch als Chance. In Zukunft könne ein noch breiteres Publikum die Sehenswürdigkeiten in Augsburg erkunden, auch über den Aktionstag hinaus. Das gilt auch für weiter entfernte Denkmäler. Wer den Berliner Dom, die Hamburger Speicherstadt oder die Bauhaus-Universität in Weimar besichtigen möchte, kann das vom Sofa aus tun.

Neu ist in diesem Jahr auch die Foto-Aktion der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Unter dem Motto "Denkmal-Schnappschuss" können historische Bauwerke eingeschickt werden – auch jene, die keinen digitalen Auftritt haben.

Der Denkmaltag findet am Sonntag, 13. September, virtuell statt. Infos unter  www.tag-des-offenen-denkmals.de oder www.augsburg.de/kultur/tag-des-offenen-denkmals.de

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