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Interview

14.11.2019

Artist in Residence Linus Roth: „Dieses Adagio ist herzzerreißend“

Linus Roth ist in der Spielzeit 2019/20 Artist in Residence der Augsburger Philharmoniker.
Bild: Harald Holstein (Archiv)

Linus Roth ist in der Spielzeit 2019/20 Artist in Residence der Augsburger Philharmoniker. Im Gespräch verrät der Geiger, was ihm bei der Programmauswahl wichtig war.

Herr Roth, Sie sind in dieser Spielzeit „Artist in Residence“ bei den Augsburger Philharmonikern. Sind das für Sie nur eine Handvoll Konzerte am selben Ort und mit denselben Musikern, oder bedeutet diese Residenz mehr für Sie?

Auf jeden Fall ist das mehr, als nur beim Orchester vorbeizuschauen. Zuallererst ist es für mich eine Auszeichnung, die vom Vertrauen der Philharmoniker und des Generalmusikdirektors in mich zeugt. Wir haben ja schon zweimal miteinander gespielt, vor eineinhalb Jahren das Violinkonzert von Hindemith und im letzten Winter das Beethoven-Konzert, bei dem ich Einspringer war. Dass ich jetzt als Artist in Residence angefragt wurde, das zeigt, dass nicht nur ich hervorragende künstlerische Erfahrungen mit Orchester und Dirigent gemacht habe, sondern dass das offenbar auch umgekehrt der Fall war.

Wie muss man sich die Programmfindung für eine Solistenresidenz wie die Ihrige vorstellen?

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Die erfolgt gemeinsam mit Dirigent, Orchester und Konzertdramaturgie. Das Schöne ist, dass man Wünsche äußern darf, und da hatte ich natürlich insbesondere einen Wunsch: das Violinkonzert von Weinberg. Zu den Vorgaben gehörte, dass einer meiner Auftritte im Goldenen Saal stattfinden soll. Für diesen Saal eignen sich natürlich nicht Stücke wie etwa die Violinkonzerte von Schostakowitsch. Wohl aber das e-Moll-Konzert von Mendelssohn.

In den Konzerten Ihrer Augsburger Residenz zeigen Sie sich mit Musik aus unterschiedlichen Musikepochen. War Ihnen diese Vielfalt wichtig?

Als Artist in Residence darf man durchaus zeigen, was man alles kann. Was mein Programm betrifft: Bach, mit dessen Solowerken ich einen Abend bestreite, wird für mich immer noch wichtiger. Weinberg liegt mir sowieso am Herzen. Und die beiden anderen Konzerte haben mich seit frühen Tagen begleitet – das Mendelssohn-Konzert habe ich erstmals mit zwölf gespielt, das Brahms-Konzert mit sechzehn.

Mieczyslaw Weinberg, für dessen kompositorisches Werk Sie sich sehr engagieren, ist vielen Klassikliebhabern noch immer ein Unbekannter. Weshalb lohnt sich die Begegnung mit seinem Violinkonzert?

Ich halte das Stück für eines der stärksten Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts, für mich steht es in einer Reihe mit den Konzerten von Schostakowitsch, Prokofjew, Bartók und Berg. Das g-Moll-Konzert zeigt den Komponisten Weinberg in seiner ganzen aufregenden Vielfalt. Zudem besitzt es eines der Markenzeichen dieses Komponisten: Dass sich am Ende des Stücks dessen Anfang spiegelt und sich somit ein großer Kreis schließt. Und dann ist da noch das Adagio, einer der herzzerreißendsten langsamen Sätze der gesamten Violinliteratur.

Was macht Weinbergs Konzert für Sie als Geiger attraktiv?

Das Stück ist nicht unbedingt besonders geigerisch geschrieben – Weinberg war auch kein Geiger –, trotzdem ist das alles machbar auf der Geige. Das Konzert besitzt außerdem wunderbare Klangfarben, und nicht zuletzt ist es hochvirtuos.

Diese Woche jährt sich der Geburtstag von Leopold Mozart zum 300. Mal. Ein wichtiger Bestandteil des Augsburger Jubiläumsprogramms war im Frühjahr der Violinwettbewerb, dessen künstlerische Leitung in Ihren Händen lag. Jetzt, mit ein wenig Distanz, was bleibt für Sie von diesem Wettbewerb?

Vor allem erinnere ich mich an ein Zusammenkommen wunderbarer Geigentalente aus aller Welt, aber auch an eine hervorragende Jury. Haften geblieben ist mir auch das fantastische Publikum, das die Kandidaten durch alle Wettbewerbsrunden getragen hat. Am Ende haben wir dann mit Joshua Brown einen wunderbaren 1. Preisträger gefunden, der ganz bestimmt seinen Weg machen wird.

Im kommenden Jahr übernehmen Sie die Intendanz beim Festival „Schwäbischer Frühling“ in Ochsenhausen. Wie zeigt sich dort Ihre Handschrift?

Ich freue mich sehr auf Ochsenhausen, denn das ist die Region, in der ich aufgewachsen bin. In dem wunderbaren Bibliothekssaal des ehemaligen Klosters stand ich schon als Kind auf der Bühne. Weil für mein erstes Intendanten-Jahr in Ochsenhausen die Anlaufzeit ein wenig kurz war, werde ich mich 2020 in fast allen Konzerten dort musikalisch selbst einbringen. Aber es gibt zum Beethoven-Jubiläum auch eine Aufführung der 9. Sinfonie mit der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken und der Gächinger Kantorei. Für die Jahre danach plane ich ähnlich wie in Augsburg einen Artist in Residence einzuführen, mit Künstlern wie Nils Mönkemeyer, Christian Poltéra oder auch dem Belcea Quartet.

Wird es eigentlich mal wieder eine CD-Aufnahme von Ihnen geben?

Geplant ist einiges. Aber diese Aufnahmeprojekte benötigen einen ziemlich langen Vorlauf. Deshalb kann ich jetzt noch nicht über Konkretes sprechen.

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