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Kabarett

16.11.2018

Auf ihre Landeskinder passt Luise Kinseher weiter auf

Jetzt spricht Kabarettistin Luise Kinseher als Mama Bavaria eben von der Gersthofer Bühne herab zu ihren lieben Landeskindern.
Bild: Andreas Lode

Vom Nockherberg ist sie herabgestiegen. Luise Kinseher bleibt aber die Mama Bavaria. In der Stadthalle Gersthofen lässt sie tief in die bayerische Seele blicken

Mama Bavaria ist vom Nockherberg herabgestiegen. In die Stadthalle Gersthofen ist sie, alias Luise Kinseher, gekommen, zu ihren anderen „Kindern“ im voll besetzten Saal. Bisher, auf dem Nockherberg, habe sie immer „hochoffizielle Reden“ gehalten, meint sie. Sie habe aufgehört damit, „weil’s eh nichts genützt hat“. Auch habe sie nicht ahnen können, „dass es in Bayern noch schlimmer wird“.

Scharfzüngig warf Luise Kinseher in ihrem neuen Programm „Mamma Mia Bavaria“ ihren mütterlich-sehenden Blick auf das aktuelle Geschehen in Bayern. Leider habe sie es nicht geschafft, bayerische Ministerpräsidentin zu werden, allein schon deshalb, weil sie nicht in die CSU reingekommen ist. „Bei so vielen Kindern“, habe ihr die CSU nahegelegt, „doch mit der Herdprämie daheimzubleiben“. So wurde sie halt zur „siebten Reinkarnation der Mama Bavaria“. Zu einer, die Orientierung gibt „in einer Welt, in der’s grad ausschaut wie im Zimmer eines 15-Jährigen“.

Am Anfang waren Wildnis, Wolpertinger und Waldschratzen

Tief lässt die preisgekrönte Kabarettistin hineinblicken in die bayerische Seele, die schon von ihren Anfängen an eine kosmopolitische war. „Am Anfang“ sei in Bayern nicht, wie es im biblischen Schöpfungsbericht heißt, „das Wort“ gewesen, sondern „Wald, Wildnis, ein paar Wolpertinger und Waldschratzen“. Mitten darin das erste bayerische Wirtshaus, „wo die Sandra einen der römischen Gastarbeiter abgeschleppt hat, der beim Bau der ‚Via Raetia‘ gearbeitet hat“. Damals schon habe sich eine gemeinsame Sprache herausgebildet. Aus dem lateinischen „alea iacta est“ (die Würfel sind gefallen) sei das bairische „Passt scho!“ geworden, aus dem „veni, vidi, vici“ (ich kam, sah und siegte) das „wer ko, der ko“.

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Intelligent und hintergründig ist der Witz von Luise Kinseher. Aus dem Blickwinkel der allwissenden Mama klärt sie auf: dass es, „seitdem der Alfons Schuhbeck seine 98 Kochbücher an die Münchner Rathaustür genagelt hat“, jetzt Schweinsbraten mit Ingwer gibt. Dass Semmelknödel nur noch in Fertigpackungen angeboten werden, „weil die Bauern keine Knödel-Erntehelfer mehr finden“. Und dass es nur deshalb „überall auf der ganzen Welt“ 25 Milliarden Hühner gibt, „weil sie, obwohl sie eigentlich Vögel sind, nicht davonfliegen können in die Lüfte“. Das sei ein Grund übrigens auch dafür, dass es in jedem Hotel weltweit zum Frühstück Rührei gibt.

Bayern ist für alle, die täglich im Stau stehen, zur Heimat to go geworden

All diese Beobachtungen würzt Luise Kinseher mit Spitzen zur Politik. Um in München eine bezahlbare Wohnung zu bekommen, würden jetzt die Kinder schon im Kindergarten „Teppiche knüpfen“. Bayern sei für viele, insbesondere für jene, die täglich im Stau stehen, zur „Heimat to go“ geworden. Und mancher Bauer, der abends heimkomme, wundere sich am Morgen darüber, dass dort, wo bisher Land war, sich plötzlich eine Betonfläche mit Möbelhaus finde – als Folge des Flächenfraßes.

Es begegnete am Publikum an diesem Abend auch wieder Luise Kinseher in zwei weiteren, aus ihren bisherigen Programmen bekannten Figuren: die Helga im knielangen Popeline-Mantel, die im Publikum nach ihrem Mann Heinz sucht. Und die in ihrem Suff so herrlich Philosophierende im Morgenmantel, die ein wenig lallend so weise Dinge von sich gibt wie: „Die ganze Menschheit ist auf der Suche nach sich selbst.“

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