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"Home is where the heart is"

22.02.2019

Auftakt zum Brechtfestival: Alles über Augsburg und die Amis

Natascha (gespielt von der Schauspielerin Marina Lötschert) und Nicola schwärmen vom American Way of Life.
Bild: Frauke Wichmann

Plus Zum Auftakt des Brechtfestivals gibt es „Home is where the heart is“ im Jungen Theater. Das Bürgerbühnenstück erzählt am passenden Ort deutsch-amerikanische Lebensgeschichten.

„There must be no fraternisation“ lautete eine der wichtigsten Vorschriften in einem Handbuch der amerikanischen Regierung für die Armeeangehörigen, die in der Nachkriegszeit in Deutschland stationiert waren. Keinerlei Verbrüderung mit der einheimischen Bevölkerung also war von offizieller Seite erlaubt. Schnell erledigte sich dies jedoch von selbst und amerikanische Soldaten und deutsche Bürger wurden zu Nachbarn, Freunden und oft auch Familien.

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Diese Entwicklung zeichnet das Bürgerbühnenstück „Home is where the heart is“ des Jungen Theaters Augsburg nach, das zum Auftakt des am Freitagabend eröffneten Brechtfestivals im Kulturhaus Abraxas Uraufführung hatte. Passend zum Festivalmotto „Für Städtebewohner*innen“ trägt diese Inszenierung Exemplarisches über das Leben in einer Stadtgesellschaft bei – und das mit einem starken lokalen Bezug.

Denn Augsburg war nach dem Krieg einer der größten amerikanischen Militärstandorte Deutschlands. Bis zu 30.000 US-Bürger lebten hier in den 1960er Jahren. Über 30 Gespräche hatte Regisseurin und Autorin Susanne dafür mit Zeitzeugen geführt und zu einem Aufführungstext verdichtet. In sieben Szenen stehen nun neun von ihnen als Laienschauspieler auf der Bühne und erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen der deutsch-amerikanischen Freundschaft.

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Brechtfestival: Von Cherry Coke und Zimtkaugummi

Es sind Frauen wie Uta Shaughnessy und Eva W. Owens, die GIs geheiratet hatten und für die US-Army als Lehrerinnen arbeiteten. Männer wie Arnold Owens, James Belcher und Hal Bauerfeind, die als Soldaten mehrfach nach Deutschland kamen und in Augsburg nun ihre Heimat gefunden haben. Oder Nicola Ressel und Natascha Eiglmeier (sie wurde wegen Erkrankung von der Schauspielerin Marina Lötschert gespielt), die als junge Mädchen in den frühen 1990er Jahren fasziniert vom American Way of Life in der Nachbarschaft waren – von Cherry Coke und Zimtkaugummi, von der Aerobic-Stunde im Gym und den „Native Speakers“. Oder Kinder aus deutsch-amerikanischen Beziehungen wie Mike Gebler-Bourque und Cathy Richardson, die mit ihren amerikanischen Soldatenvätern von Station zu Station ziehen und das Abschied nehmen lernen mussten.

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17 Bilder
Die ersten Eindrücke des Brechtfestivals 2019
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Das könnte leicht eintönig werden, wird eben doch mehr erzählt als gespielt, doch setzt Reng das Format abwechslungsreich in Szene. So entstehen berührende, teils erschütternde, oft auch humorvolle Schlaglichter auf deutsch-amerikanische Lebensgeschichten, in denen nicht nur die amerikanische Lässigkeit glorifiziert wird, sondern auch dunkle Seiten wie die durch Korea- und Vietnamkrieg traumatisierten Soldaten (in einer eindrucksvollen Hörstation) und der kulturelle Clash der beiden Nationen zur Sprache kommen.

Projektionen von Fotos, besonders aber die atmosphärische Gestaltung durch Musik (Ute Legner) und verschiedene Aufführungsstationen quer durchs Haus, geben dem Stoff eine künstlerische Form. Der Spielstätte selbst kommt so eine tragende Rolle zu, und das zurecht, ist sie doch ein Originalschauplatz: Das heutige Kulturhaus war früher das Recreation-Center der Army, der Ort, an dem die amerikanischen Soldaten ihre Freizeit verbrachten.

Weitere Termine am 24. Februar, 1. und 13. März um 19.30 Uhr.

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