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Augsburg
09.10.2021

Das Augsburger Mozartfest hat Filmteams in sechs Länder geschickt

Im Eröffnungskonzert des Mozartfests am 15. Oktober tritt die Sängerin Mari Eriksmoen auf.
Foto: Renate Torseth

Der künstlerische Leiter Simon Pickel hat in diesem Jahr nicht nur Konzerte organisiert und zu einem Festival zusammengestellt, er hat auch Filmteams in sechs Länder geschickt.

Dass Musik die Menschen über Ländergrenzen, Sprachbarrieren und alle möglichen Unterschiede hinweg verbinden kann, ist eine kulturelle Binsenweisheit – in der praktischen Umsetzung aber immer wieder schön, heute nicht weniger als im 18. Jahrhundert. Dachten sich auch die Veranstalter des Augsburger Mozartfestes und stellten das diesjährige unter das Motto „Mozarts Europa – Europas Mozart“. Hochkarätige Gäste aus allen Ländern des Kontinents, die der Komponist bereiste, werden vom 15. bis 29. Oktober bei neun Konzerten in der deutschen Mozartstadt und darüber hinaus in Porträtfilmen zu erleben sein. Und auch „Kling Klang Gloria!“, das Mozartfest für Kinder, liefert als Nachklang zu seinen Veranstaltungen vom Sommer mit dem Film „Die Wunderkindreise“ eine Beschäftigung mit der Tournee des jungen Wolfgang Amadé, nebst zwei weiteren Musikfilmen für junges Publikum und Familien.

Mozarts erste Konzertreise vor 250 Jahren beschäftigt auch den ebenfalls international buchstäblich erfahrenen und gefeierten französischen Pianisten Alexandre Tharaud im ihm gewidmeten Porträtfilm: „Das Beeindruckende ist, dass Mozart mit den damaligen Verkehrs- und Kommunikationsmitteln fast alle Länder Europas besucht hat. Bereits im Alter von sieben Jahren konnte er die Musik all dieser Länder hören und sich aneignen. Im Grunde genommen war Mozart ein Katalysator für ganz Europa.“ Tharaud spricht in einer Szene im Konzertsaal von Versailles auch über „den Zauber des Live-Moments“. Diesen Zauber, der nach den Corona-Lockdowns ein besonderer ist, und die musikalische Aura des französischen Königshofs können die Besucher des Mozartfestes einen Nachmittag lang mit dem Starpianisten im Kleinen Goldenen Saal erleben. Und sich, eingestimmt durch den Film, Tharaud mit seinem Faible für französische Barockmusik besonders nah fühlen.

Entstanden sind knapp zehnminütigen eigene Kunstwerke

Die Grenzen zwischen Publikum und Bühnenstars ebnet das Mozartfest damit auch, denn es ist eine Grundüberzeugung von Festival-Leiter Simon Pickel, dass „spannende Musik nur entstehen kann, wenn eine spannende Persönlichkeit auf der Bühne steht und man über die offizielle Biografie hinaus etwas über sie erfährt.“ Das führt nicht nur zu „persönlicheren und intensiveren Konzerterlebnissen“ oder dazu, dass man Tenor Ian Bostridges britischen Humor kennenlernt, sondern auch zu Fragen wie: „Inwiefern ist Musik politisch? Was bedeutet Heimat für Musikerinnen und Musiker, die in der ganzen Welt unterwegs sind? Und: In welchem Europa waren seinerzeit die Mozarts unterwegs?“ Entstanden sind in Zusammenarbeit der Agentur Yeah knapp zehnminütige eigene Kunstwerke, mit feinem Gespür für Atmosphäre gefilmt und geschnitten. Wie bei einer guten Komposition, zeigen die Filme im Wechselspiel zwischen Thema und Abwandlung, Wiederkehr sowie weiteren Motiven Europa in all seinen Facetten – historisch, politisch, gesellschaftlich, architektonisch und natürlich musikalisch.

Dafür hat das Mozartfest eine Europa-Reise unternommen und sechs Ausnahmemusiker in ihren Heimatstädten besucht, um der Grundidee Pickels näher zu kommen: „Wir verstehen das Festival als ein Plädoyer für die Errungenschaft einer gesamteuropäischen Bildung und die unschätzbare Bedeutung, die ein gemeinsames und grenzenloses Europa für die heutige Musikwelt hat.“ Die Filme funktionieren als Appetizer – oder hinterher als Multiplikatoren mit Nachhaltigkeit: Wer die Sopranistin Roberta Mameli in Mailand über die Rolle von Frauen in Kunst und Politik sprechen hört, möchte sie auch live erleben mit Werken Mozarts, der so viele starke Frauenrollen komponiert hat. Oder man plant gleich selbst eine Reise, um Václav Luks in seiner Prager Heimat am Dirigentenpult zu sehen.

Beim Mozartfest finden sich häufig Nationen-übergreifende Ensembles

Von Italien bis Norwegen, Frankreich bis Lettland spannt sich die Europakarte des Festivals. Häufig werden sich auf der Bühne Nationen-übergreifende Ensembles finden: Etwa die Norwegerin Mari Eriksmoen mit dem tschechischen Collegium 1704 um Václav Luks und „Mozart in Prag“ oder die niederländisch-lettische Variante des „White Russian“ mit Harriet Krijgh sowie Baiba und Lauma Skride. Der Brite Ian Bostridge und das Oberon Trio bringen „Gassenhauer“ mit, das Hagen Quartett aus Österreich sein 40-jähriges Jubiläum. Und die Augsburger Sarah Christian und Maximilian Hornung haben für die Fortsetzung ihrer Freistil-Reihe Nils Mönkemeyer, Hisako Kawamura, Johannes Strake und das Armida Quartett eingeladen und beschäftigen sich u. a. mit der Rolle von Volksmusik für Komponisten in den osteuropäischen Ländern, die Mozart bereiste.

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Überhaupt lässt sich mehr oder weniger die komplette europäische Musik- und Kulturgeschichte irgendwie auf Mozart beziehen: Tschaikowsky als der „russische Mozart“ und Felix Mendelssohn Bartholdy der „Mozart des 19. Jahrhunderts“, sogar für Johann Sebastian Bach findet sich ein Mozart-Bezug – Augsburg war zu dessen Zeiten die süddeutsche Bach-Stadt überhaupt, sodass als Abschlusskonzert das „Orchestra in Residence“, die „Akademie für Alte Musik Berlin“, die sechs Brandenburgischen Konzerte genau 300 Jahre nach ihrer Zusammenstellung spielen darf. Diese Veranstaltung findet im Parktheater im Kurhaus Göggingen statt, sämtliche anderen im Kleinen Goldenen Saal.

Karten gibt es bei der Bürgerinfo am Rathausplatz, allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie über www.mozartstadt.de. Auf der Homepage des Festivals werden ab der kommenden Woche auch die Filme zu sehen sein, für die man keine Karten braucht.

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