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Kunstförderpreise

22.11.2019

Augsburg prämiert vier junge Künstler

Maria Michailov begann im Alter von vier Jahren mit dem Tanzen.
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Maria Michailov begann im Alter von vier Jahren mit dem Tanzen.
Bild: Mercan Fröhlich

Vielversprechende Talente werden im Goldenen Saal mit den Kunstförderpreisen der Stadt Augsburg ausgezeichnet. Erstmals ist auch ein Schauspieler darunter.

Ob Bach damit richtig lag? „Alles was man tun muss, ist die richtigen Tasten zum richtigen Zeitpunkt zu treffen“, dann sei das Klavierspielen nicht schwer. Über dieses Zitat des großen Komponisten sinniert der Pianist Evgeny Konnov, diesjähriger Kunstpreisträger in der Sparte Musik, in seinem Statement zur Auszeichnung. Und kommt zu dem Ergebnis: „Egal wo man spielt: am Straßenklavier, im Altenheim oder im großen Konzertsaal, alle Leute spüren schon, ob man nur die richtigen Tasten drückt oder eine Geschichte auf einem Instrument erzählt.“

Die Qualität muss stimmen

Konnov bestätigte dies eindrucksvoll mit seinem Vortrag der zweiten Klaviersonate von Sergej Rachmaninov. So bewegend und eindringlich interpretierte er das Klavierstück zum Abschluss der Verleihung der städtischen Kunstpreise am Donnerstag im Goldenen Saal, dass kein Zuhörer Zweifel hatte, dass hier nicht nur Technik im Spiel war. Wie auch die anderen prämierten Künstler Maria Michailov ( Ballett), Jan Gerngroß (Bildende Kunst) und Riccardo Pallotta (Schauspiel) in ihren Beiträgen deutlich machten: Immer sind es auch Ausdruckskraft, innere Überzeugung, Intuition und persönliche Erfahrungen, die der Kunst Wirkung und Bedeutung verleihen.

Wenn diese Qualität fehlt, ist es dann auch nur konsequent, wenn die Preise nicht vergeben werden, wie in diesem Jahr in den Sparten Architektur und Literatur, in denen die entsprechenden Fach-Jurys keine geeigneten Einreichungen vorfanden. Kulturreferent Thomas Weitzel wollte dies nicht als Mangel, sondern als Beweis für Anspruch und Wertigkeit des Kunstförderpreises gewertet wissen. „Er wird nicht inflationär vergeben.“

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Seit 1958 werden junge Künstlerinnen und Künstler mit Urkunde und Geld ausgezeichnet. Zum 60. Mal wurden also in diesem Jahr Talente aus Augsburg und aus dem Raum Augsburg prämiert, „um ihnen Zuspruch für ihren weiteren künstlerischen Weg zu geben, aber auch als Anerkennung für die Bereicherung, die sie für das städtische Kulturleben darstellten“, sagte Weitzel und erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die „Bummerang-Wirkung der Kunstförderpreise. Denn in der Vergangenheit ausgezeichnete Künstler prägen das kulturelle Geschehen in Augsburg nach wie vor mit: Tilman Herpichböhm als neuer künstlerischer Leiter des internationalen Jazzsommers, Gerald Fiebig im Kulturhaus Abraxas, Sebastian Seidel im Sensemble Theater oder Elisabeth Haumann, die mit Young Stage den Bühnennachwuchs fördert. Schriftsteller wie Franz Dobler und Thomas von Steinaecker oder der Maler und Bildhauer Christofer Kochs wirkten über die Stadt hinaus.

Erst über einen Umweg zur Schauspielerei

Wie sich der Kunstförderpreis in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, zeigt sich gerade in diesem Jahr. Ausgehend von der Bildenden Kunst kamen Zug um Zug die anderen Sparten hinzu. In diesem Jahr gibt es erstmals einen Preisträger in der Sparte Schauspiel. Für Weitzel eine nahe liegende Entwicklung, nachdem es in Augsburg eine sehr aktive Theaterszene mit vielen Jugendtheaterklubs gibt. Der erste Schauspiel-Preisträger Riccardo Pallotta blickt auf eine langjährige Mitarbeit in der Theater-AG des Rudolf-Diesel-Gymnasiums zurück. Der 23-Jährige, in Augsburg geboren, ging allerdings zuerst einen Umweg in seiner künstlerischen Laufbahn. Nach seinem Abitur am Rudolf-Diesel-Gymnasium absolvierte er ein Studium des Internationalen Handelsmanagements an der TH Ingolstadt. Erst 2017 wandte er sich wieder der Schauspielerei zu, spielte in der „Rocky Horror Show“ des Theaters Augsburg auf der Freilichtbühne mit und sprach an diversen staatlichen Schauspielschulen vor. Seit September dieses Jahres studiert er an der Privatuniversität der Stadt Wien Schauspiel, Musik und Kunst. „Das fühlt sich richtig an“, sagte er im Gespräch mit Renate Baumiller-Gugggenberger, der Moderatorin des Abends. Wie breit er schon jetzt aufgestellt ist, demonstrierte er im Goldenen Saal durch eine Szene aus dem Stück „Shoppen und Ficken“, in dem er einen Drogen-Dealer in Gewissensnöten mimte und in Bodo Wartkes ironischem Song über die „Architektur in Deutschland“.

Mehrere Facetten ihrer Kunst präsentierte auch Tänzerin Maria Michailov in klassischen Solovariationen aus „La Bayadere“ und einer zeitgenössischen Choreografie. Die in der Ukraine geborene 19-Jährige begann mit vier Jahren zu tanzen und sondiert nun nach ihrem Abitur an der Fachoberschule Friedberg ihre Möglichkeiten, professionell in den Tänzerberuf einzusteigen. Bisher absolvierte sie ihre Ausbildung an der Ballettschule Fettich.

Stark aus dem persönlichen Erleben speisen sich die Kunstwerke von Jan Gerngroß, geboren 1991 in Augsburg. Der „Stoff“ geht diesem Künstler dabei auch im wörtlichen Sinne nie aus, denn seine Arbeiten fertigt er oft aus Stoffresten. Da ist etwa jenes „Portrait des Künstlers als junger Hund“, eine Fotografie, die einen genähten Stoffhund zeigt. Die Hülle besteht aus einer ehemals vom Künstler getragenen Cordjacke, die Füllung aus Schokoladen-Nikoläusen. Es ist ein mit persönlicher Bedeutung aufgeladenes Objekt wie die Sammlung verschiedener Autoschlüssel von Fahrzeugen von Jan Gerngroß, die er in einer Folge von sieben Fotografien festhielt. Dem Betrachter muss sich die persönliche Bedeutung nicht erschließen, führte Gerngroß aus, „es sind Bilder, die nichts anderes als schön sein sollen.“ Jan Gerngroß studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig mit Studienaufenthalten in England und USA und erhielt bereits mehrer Stipendien.

Pianist mit internationaler Erfahrung

Die größte, auch internationale Erfahrung im Augsburger Preisträger-Quartett hat der Pianist Evgeny Konnov. Der gebürtige Usbeke, Jahrgang 1992, lebt seit sieben Jahren in Deutschland und studiert derzeit am Leopold Mozart Konservatorium bei Evgenia Rubinova. Seine stupende Technik setze er stets in gestalterischer Absicht ein niemals zum Selbstzweck, urteilte die Jury. „Naja, es gibt was zu tun, außer richtige Tasten zu treffen“, sagt Konnev selbst dazu.

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