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Serie: Junge Künstler

12.02.2021

Augsburger Jazzpianist Lukas Langguth macht von sich hören

Mit fünf Jahren saß Lukas Langguth zum ersten Mal am Klavier, mit elf komponierte er seine ersten Stücke.
Bild: Maximilian Steger

Der Augsburger Pianist Lukas Langguth ist erst 21, aber er hat schon einiges ausprobiert. Jetzt nimmt er seine erste Platte auf. Auch ein Rapper wurde aufmerksam auf ihn.

Vor 15 Jahren hatte Lukas Langguths Mutter eine ganz vorzügliche Idee. Um mehr Zeit mit ihrem Sohn verbringen zu können, entschied sie sich, ihm zu Hause Klavierstunden zu geben. Der damals fünfjährige Lukas blieb dann einfach auf dem Pianohocker sitzen.

Mit immer noch jungen 21 Jahren ist er Mitglied im französischen Orchestre National de Jazz, Augsburger Kunstförderpreisträger, Dozent an der Uni Eichstätt und hat jede nur erdenkliche musikalische Stilrichtung auf höchstem Niveau durchdekliniert. Dass er nebenbei sein Abitur am Peutinger-Gymnasium noch mit Bestnoten abgeschlossen hat, ist schon fast geschenkt.

Lukas Langguth: Musik ist genug für das Leben, aber Leben ist nicht genug für Musik

Es gäbe also einige Gründe für Abgehobenheit, aber davon ist bei Lukas Langguth kein bisschen zu spüren – im Gegenteil. Er klingt demütig, oft fast ungläubig, wenn er davon erzählt, was er in seinem jungen Künstlerleben schon alles gemacht hat. „Ich hätte nicht damit gerechnet“, so beginnt er manche Geschichte. Sein ehemaliger Klavierlehrer Tom Jahn, der ihm den Schlüssel zum Tor zur Welt des Jazz gegeben hat, bringt Licht ins Dunkel: „Lukas ist das Vorbild für positive Opferbereitschaft. Er ist einfach fleißig und hat eine unfassbare Brainpower. Es war schön, ihn ein kurzes Stück zu begleiten.“

Langguth bringt seinen Arbeitsethos und seine Liebe zur Musik in einem kurzen Sinnspruch, den man auf T-Shirts drucken könnte, auf den Punkt: „Musik ist genug für das Leben, aber das Leben ist nicht genug für die Musik.“ Als er mit elf Jahren seine ersten eigenen Stücke komponierte, hatte er mitnichten im Sinn, der neue Mozart zu sein. Wenn er eine Melodie gehört hatte, in einem Song des Rappers Alligatoah zum Beispiel, fand er es „einfach schön, sie dann am Klavier weiter auszuarbeiten“. Alligatoah ist selbst auf Langguths Arrangements aufmerksam geworden und teilte sie auf seinen Kanälen, als er merkte, dass da nicht ein junger Fanboy am Klavier sitzt, sondern ein junger Fanboy, der richtig was kann.

Das Jurastudium erwies sich für Lukas Langguth als "Schnapsidee"

Dann tauchte Langguth an der Seite von Evgenia Rubinova in die Klassik ein, erforschte mit Alexandra Simeon seine Gesangsstimme und begann, den Jazz zu entdecken. Die Aufnahme ins Landes-Jugendjazzorchester Bayerns unter Harald Rüschenbaum mit 16 Jahren war eine logische Konsequenz – da soll es auch nicht mehr verwundern, dass er sich im gleichen Jahr mal kurz noch selbst das Posaunenspiel beigebracht hat. Dabei gab es sogar eine Phase der Überlegung, etwas außerhalb der Musik zu beginnen. Das Ergebnis war ein Jurastudium, das aber von Langguth rechtzeitig als „Schnapsidee“ erkannt und schnell wieder abgebrochen wurde.

Eine Reise in die Wiege des Bebop und Cool Jazz, New York City, bestätigte die Richtigkeit seiner Entscheidung. Studium gerne, aber bitte lieber Tonsatz als Paragrafen. An der Hochschule für Musik Nürnberg fand Langguth Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei und Bassist Moritz Neukam für sein Trio, um die Freiheit beim Improvisieren mit der Harmonie und Technik der klassischen Musik zu vereinen. Eine seltene Verbindung, zu unvereinbar wirken manchmal die Welten Klassik und Jazz. Doch Langguth ist der Meinung, dass „die Klassik längst im modernen Jazz angekommen ist“, und musikalisches Schwarz-Weiß-Denken ist ihm, abgesehen von den Tasten auf seinem Klavier, sowieso fremd: „Musik ist Musik; woher sie kommt, ist doch egal. Man sollte sich bei den Klappen scheuen.“ Auch so ein Spruch für T-Shirts. Mit seinem Trio nimmt er gerade eine Platte auf, die wie das Album der Fusionband Flo & Fauna des Augsburger Bassisten Florian Hartz, in der Langguth an den Tasten sitzt, noch in diesem Frühjahr erscheinen wird.

Auch an einer Filmmusik für das ZDF arbeitet Lukas Langguth

Er hat also gut zu tun, trotz der aktuellen massiven Einschränkungen für Künstler. „Es ist schon viel weggefallen, aber ich kann üben, komponieren.“ Und sich auf viele kommende Projekte in diesem Jahr vorbereiten. So arbeitet er beispielsweise mit der bekannten Violinistin und Filmkomponistin Martina Eisenreich für einen ZDF-Film zusammen. Von Lukas Langguth, so viel Prognose sei in unsicheren Zeiten erlaubt, wird also noch viel zu hören sein. Selbst beim Krimiabend vor der Glotze.

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