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Bühne

13.09.2019

Bayern verlangt doppelte Buchführung am Staatstheater

Das Staatstheater startet am Wochenende wieder mit einem Spielzeitfest in die neue Saison. Vergangenes Jahr gab es dort auch ein paar Merchendising-Produkte der anderen Art – etwa den Fanschal des Staatstheaters.
Bild: Bernd Hohlen

Aus dem Stadt- wurde ein Staatstheater, das von einer Stiftung getragen wird. Der kaufmännische Direktor Friedrich Meyer erklärt, was das mit sich brachte

Als vergangenes Jahr Augsburgs Stadttheater plötzlich im Eilverfahren zum Staatstheater wurde, wusste Friedrich Meyer, der kaufmännische Direktor des Hauses, sofort, was das für ihn und viele andere Mitarbeiter bedeutete: jede Menge Arbeit auf vielen Ebenen. Das Augsburger Theater, früher ein Eigenbetrieb der Stadt, wurde in eine Stiftung verwandelt. Die Buchhaltung musste verändert werden, die gut 400 Mitarbeiter des Hauses mussten sich binnen eines Jahres entscheiden, ob sie wechseln wollten, von der Stadt zur Stiftung Staatstheater. „Eine Reihe von Mitarbeitern hat es vorgezogen, weiterhin bei der Stadt angestellt zu bleiben“, sagt Meyer. Wiewohl das praktisch keinen Unterschied mache. „Alle bekommen auch mit den neuen Verträgen die gleichen Vergünstigungen, die sie zuvor als städtische Mitarbeiter bekommen haben.“

Die Stadt Augsburg muss nun weniger Zuschuss zahlen

Jetzt startet das Staatstheater Augsburg zum zweiten Mal in die neue Spielzeit. Verändert hat sich auch die Finanzplanung des Theaters – zum Beispiel bei der Finanzierung der Ausweichspielstätten. Ursprünglich hat sich das Theater als Eigenbetrieb direkt an den Kosten für den Martinipark beteiligt. „Deshalb haben wir in der Spielzeit 2017/18 auch mit einem Verlust von 1,53 Millionen Euro abgeschlossen“, sagt Mayer. Nach dem Übergang in die Stiftung übernimmt die Stadt diese Kosten nun, im Gegenzug muss sie allerdings weniger Zuschüsse zahlen, weil Freistaat und Stadt jetzt beide die Hälfte zuschießen, statt wie früher ein Drittel zu zwei Drittel.

Geplant war für 2017/2018 ein Defizit 1,13 Millionen Euro, tatsächlich waren es dann 400000 Euro mehr. Meyer erklärt, wie die Differenz zustande gekommen ist. „Der Freistaat hat die tariflichen Lohnsteigerungen in seinem Zuschuss nicht ausgeglichen.“ Statt geplanter 8,5 Millionen Euro erhielt das Theater 8,03 Millionen Euro vom Freistaat. „Mit diesem Defizit können wir deshalb zufrieden sein“, sagt Meyer. Es sei nicht entstanden, weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen seien. Im Gegenteil: Beim Materialaufwand (den Posten für die Inszenierungen) wirtschaftete das Theater unter dem geplanten Ansatz: Statt vorgesehener 1,85 Millionen Euro wurden 1,67 Millionen Euro ausgegeben.

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Für Repertoire-Theater wird viel mehr Personal benötigt - und das kostet

Gut 14 Prozent der gesamten Einnahmen des Theaters Augsburg sind 2017/18 durch Ticketverkäufe und sonstige Umsatzerlöse erwirtschaftet worden. Den Löwenanteil der Einnahmen machen die Zuschüsse von Stadt und Land aus. In Zahlen ausgedrückt heißt das 4,2 Millionen Euro Einnahmen durch Ticketverkäufe stehen 25,32 Millionen Euro Zuschüsse gegenüber.

Diesen hohen Anteil an staatlicher Förderung, der sich in fast allen deutschen Stadt- und Staatstheatern finden lässt, erklärt Meyer damit, dass Repertoiretheater mit vielen verschiedenen eigenen Produktionen im Jahr äußerst personalaufwendig sei. Der höchste Einzelposten in der Gewinn- und Verlustrechnung ist deshalb auch der Personalaufwand, der mit 21,78 Millionen Euro zu Buche schlägt, das sind 72 Prozent der Gesamtkosten des Theaters. Weil so viel Personal benötigt wird, am Staatstheater sind gut 400 Mitarbeiter beschäftigt, können sich die Häuser nur zu einem kleinen Teil über Ticketverkäufe finanzieren.

Meyers Idealvorstellung wäre, alle Nicht-Personalkosten über Ticketverkäufe und sonstige Erlöse zu erwirtschaften – allerdings klaffe da noch eine größere Lücke: Einnahmen von 4,7 Millionen Euro stehen Nicht-Personalkosten von 8,1 Millionen Euro gegenüber.

Rein abrechnungstechnisch ergab der Wechsel vom Eigenbetrieb zur Stiftung ebenfalls eine Änderung: Für den Freistaat muss das Staatstheater auch noch zusätzlich einen kameralistischen Haushalt vorlegen. Seitdem hat in dem Theater ganz offiziell die Zeit der doppelten Buchführung begonnen.

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