Ausstellung

20.03.2018

Bei Max und Moritz, Ochs und Esel

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3 Bilder
Max und Moritz als Besenfiguren.
Bild: Ulrich Wagner

Die Augsburger Puppenkiste stellt berühmte Paare ins Rampenlicht. In den Museumskisten kommt eine reichlich skurrile Gesellschaft zusammen. Denn nicht alle diese Tandems harmonieren miteinander

Was wäre Don Quichotte, der Ritter ohne Furcht und Tadel, ohne seinen treuen Diener Sancho Pansa? Erst mit ihm ist der spanische Edelmann auf seiner Suche nach Abenteuern komplett – und (über-)lebenstüchtig. Freilich: Ein reichlich skurriles Paar geben die beiden schon ab, der Ritter groß und hager, mit Brustpanzer und Lanze und der Diener klein und kugelig, ein schlitzohriger Mann aus dem Volk. Wie geschaffen fürs Puppenspiel, weshalb sie gleich zweimal in der neuen Ausstellung des Puppentheatermuseums „die Kiste“ auftauchen. Besonders majestätisch als lebensgroße Figuren vom Schubert Theater Wien.

„Berühmte Paare – und ihre Geschichten“ lautet das Thema. Auch außerhalb der Augsburger Puppenkiste konnten die Ausstellungsplaner in reichem Maße Leihgaben der verschiedensten Puppenbühnen lockermachen. Pressesprecher Michael Neumeir glaubt sogar, es seien mehr denn je. So bietet sich dem Betrachter ein unterhaltsames Panoptikum unterschiedlicher Puppentypen und während er ihre fantasievolle Gestaltung und Verarbeitung bewundert, wird er auch darüber rätseln, wie sie wohl auf der Bühne gespielt werden. Einige Aufschlüsse darüber geben die kleinen Videos, die neuerdings auf den digitalen Anzeigentafeln eingespielt werden.

Mit Neandertaler und Mammut in die Steinzeit

Einen Querschnitt der hauseigenen Paarungen versammelt als Intro die Installation auf dem weitläufigen Dachboden. Diesmal entlässt die Arche Noah auf dem Berg Ararat die eigenartigsten Paare: zwei Affen der Dschungeldetektive, ein Pandapaar, Pinguine, Eichhörnchen, Schlangen im Doppelpack, Maria und Josef, Mönch und Nonne, Ochs und Esel. Sogar Wilhelm Tell legt mit der Armbrust auf den Apfel auf dem Kopf des Sohnes an. Und ganz hinten auf dem Felsen turteln Tod und Tödin in klappriger Zweisamkeit.

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In den Kisten provozieren grandiose Spielfiguren, die Geschichten all dieser gleichen und ungleichen Paare zu erzählen. Wie Meister Gepetto den schlaksigen Pinocchio aus Lindenholz schnitzt und dem Kerlchen eine ganz lange Nase wächst – weil er so aufschneidet. Wie der junge, lebensmüde Harold von der betagten Maude menschliche Wärme und neuen Lebensmut empfängt. Was der brabbelnde Neandertaler in der Fellhose mit seinem wuschligen Mammut in der Steinzeit so an Streichen ausheckt.

Das mysteriöseste Märchen der Brüder Grimm, „Jorinde und Joringel“, worin der Bruder erst 7000 gefangene Mädchen befreien muss, ehe er die verhexte Schwester wiederfindet, hat im Puppentheater Halle sehr charakterstarke Figuren. Der Mailänder Carlo Colla & Figli schneidert seinen Klassikern Kostüme von Samt, Seide und Brokat auf den Leib – sowohl dem unglücklichen Florentiner Liebespaar Romeo und Julia als auch dem feisten Sancho Pansa und dem steif-altmodischen Don Quichotte.

Die berühmtesten Lausbuben der Weltgeschichte, Max und Moritz, bindet das Artisjok-Theater aus der Nähe von Karlsruhe auf zwei Reisigbesen, damit sie auf der Bühne richtig herumwirbeln können. In der bekannten, kugeligen Erscheinungsweise treten die tschechischen Schlitzohren Spejbl und Hurvinek aus Prag auf, beide Lebenskünstler mit Hang zur Philosophie. Den guten alten Wilden Westen beschwören derweil Winnetou und Old Shatterhand vor dem Wigwam bei einer Friedenspfeife am Lagerfeuer. Auch die Gauner Bonnie & Clyde treiben in der Puppenkiste ihr Unwesen.

Zum großen Märchencheck regt das Museumsrätsel in zehn Stationen an. Tiere, Pflanzen, Gegenstände zeigen die Schauplätze der Geschichten von berühmten Paaren. Was mag hinter Hobel samt Spänen, Leimtopf und Bettchen stecken? Wen bringen wir mit Lebkuchen, Käfig, Knöchelchen und Brosamen zusammen? Mit köstlichen Miniaturinstallationen in ihrem Inneren überraschen in der Leseecke die Buchdeckel so bekannter Bücher wie Tom & Jerry, Hanni & Nanni, Tim & Struppi. Im Museumskino flimmert übrigens die Verfilmung von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer über den Bildschirm.

Im Rahmenprogramm werden während der Laufzeit Märchenstunden vom „Märchenspectaculum“ Ingeborg Neidner sowie Workshops für Kinder vom Meringer „Multum in Parvo Papiertheater“ angeboten.

Museum „die Kiste“, Spitalgasse 15, geöffnet ist täglich außer Montag von 10 bis 19 Uhr, Führungen anzumelden unter Tel. 0821/450345-0. Begleitprogramm unter www.diekiste.net

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