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Literatur

23.09.2019

Buch: Wie Rindviecher den Frieden lernen

Von einem historischen Fall um die Fälschung von Experimenten ließ sich der Autor und ehemalige Mediziner Michael Lichtwarck-Aschoff zu seinem neuen Buch inspirieren.
Bild: Wolfgang Diekamp

Michael Lichtwarck-Aschoffs drittes Buch „Der Sohn des Sauschneiders“ führt fröhlich und klug in eine biologische Versuchsanstalt. Am Mittwoch liest der Autor bei Pustet.

Ein faszinierender Gedanke: Es muss doch möglich sein, dem Menschen auf Dauer einzupflanzen, „dass es gescheiter ist, Frieden zu halten“. Mit dieser Annahme spielt Michael Lichtwarck-Aschoff (73) in seinem inzwischen dritten Buch, das jüngst erschienen ist. „Der Sohn des Sauschneiders“ heißt es, und darin setzt der Stadtberger Mediziner und Autor seine verschmitzten literarischen Ausflüge in die Wissenschaft fort. Wie in seinen vorausgegangenen Büchern „Hoffnung ist das Ding mit Federn“ und „Als die Giraffe noch Liebhaber hatte“, spielt der Erzähler in „Der Sohn des Sauschneiders“ mit tatsächlichen Gegebenheiten. Er denkt sie weiter, so fröhlich und klug, dass das Lesen eine Freude ist.

Seinen Themen nähert er sich mit akribischer Recherche

Der Autor siedelt diesmal seine Geschichte im Vivarium, einer biologischen Versuchsanstalt im Wiener Würstel Prater um die Jahrhundertwende, an. Hier sucht der Biologe Paul Kammerer an Geburtshelferkröten, Olmen und Alpensalamandern experimentell nachzuweisen, dass auch erworbene Eigenschaften vererbt werden können.

Den wirklichen „Fall Kammerer“, bei dem es um die Fälschung von Experimenten ging, hat es gegeben. Für Lichtwarck-Aschoff war dies der ideale Romanstoff, bei dem er nach Herzenslust fabulieren und philosophieren konnte. Als Hauptfigur wählte er Franz Magusar, den „Sohn des Sauschneiders“, der Paul Kammerer bei seinen Experimenten unterstützt und den eine ähnliche Frage umtreibt: Kann man planmäßig Rinder ohne Horn züchten, die dann auf Dauer keinem mehr „das Horn hineinrennen“ und friedvoll werden?

Buch: Wie Rindviecher den Frieden lernen

Auch Franz Magusar hat es wirklich gegeben. Er war Biologe und Assistent Kammerers. Dass Magusar der Sohn eines Sauschneiders gewesen sein soll, das hat sich Michael Lichtwarck-Aschoff aber schlichtweg ausgedacht. Sauschneider wurden früher jene genannt, die die Tiere kastrierten, die als Fleischlieferanten dienen sollten. Zufällig sei er auf das österreichische Volkslied „Acht Sauschneider müssen es sein“, gestoßen, erzählt der Autor, wie er zu seinen Einfällen kommt. Das Lied passte zu seiner Figur Magusar: Der sei auf dem Land, in karstigem Gebiet aufgewachsen, grundehrlich, ein bisschen unbeholfen, aber mit der besonderen Gabe ausgestattet, den Dingen auf den Grund zu gehen. Erst kürzlich hat ein Wiener Wissenschaftsjournalist Lichtwarck-Aschoff darauf aufmerksam gemacht, dass es Originaldokumente gibt, die ähnliche Rückschlüsse über Franz Magusar ziehen lassen könnten, wie sie Lichtwarck-Aschoff für seine literarische Figur einfach erfunden hat. „So schlecht habe ich ihn wohl gar nicht getroffen“, meint er lachend.

Michael Lichtwarck-Aschoff ist selbst Wissenschaftler, war viele Jahre am Augsburger Klinikum als Intensivmediziner tätig und hat erst mit dem Ruhestand begonnen, Bücher zu schreiben. Mit so großer Akribie arbeitet er sich in ein Thema ein – diesmal war es der Fall Paul Kammerer – , dass er die Geschichten hinter den Geschichten entdeckt. Dann packt ihn die Fabulierfreude, entsprechend dem Motto: „Je weniger einer dabei war, desto zuverlässiger weiß er, wie alles gewesen ist“, wie er es im Buch einmal beschreibt. „Ich fand es einfach irrsinnig, wie jemand wie der Kammerer ein bisschen lässig mit der Wissenschaft umgeht“, sagt Lichtwarck-Aschoff. Und dass Kammerer doch „in gewisser Weise mehr recht gehabt hat als andere“. Darin liege die Tragik.

Auf über 350 Seiten entfaltet Michael Lichtwarck-Aschoff diese interessante Geschichte – in anschaulicher, schnörkelloser Sprache, spannend und durchtränkt mit leisem Humor. Auch Nichtwissenschaftler dürften daran größtes Vergnügen haben.

Lesung Michael Lichtwarck-Aschoff liest aus „Der Sohn des Sauschneiders - Oder ob der Mensch verbesserlich ist “an diesem Mittwoch, 26. September, um 19 Uhr, bei Bücher Pustet. Das Buch ist im Verlag Klöpfer erschienen und kostet 24 Euro.

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