Antiheldenakademie

28.11.2019

Clowns zum Schieflachen und Träumen

In der Antiheldenakademie lernen Clowns, wie sie andere Menschen dazu bringen, sich kringelig zu lachen. In der Rudolf-Steiner-Schule zeigten sie in einer Werkschau, was sie können.
Bild: Annette Zoepf

Kunterbunte Werkschau einer Spezialschule im Textilviertel

In jedem von uns steckt ein Clown. Es ist ein innerer Clown, der das Leben von der humorvollen Seite nimmt, auch wenn es seine Tücken hat. Der es wagt, auch einmal zu stolpern, zu scheitern und dabei seine tiefen Gefühle zu zeigen. Auf die Bühne der Rudolf-Steiner-Schule haben sich jetzt 14 frisch gebackene Clowns gewagt. In einer Werkschau zeigten sie, was sie im Clown-Grundkurs der Antiheldenakademie, einer Augsburger Schule für Clowns, die vergangenen Monate gelernt haben. Das war eine ganze Menge! Kunterbunt, zum Schieflachen und auch zum Träumen war das eineinhalbstündige Programm im voll besetzten Saal. Gelernt haben die Clowns ihr Grundhandwerk an acht Wochenenden mit ihren Dozenten, die selbst professionelle Clowns sind: Markus Sedelmaier, Miriam Brenner und This Zogg.

Schlag auf Schlag, perfekt aufeinander abgestimmt, reihte sich Nummer an Nummer, mal von Clowns in der Gruppe, mal zu dritt oder nur zu zweit. Anrührend etwa die Szene, als sich ein Mann schüchtern zwischen zwei Damen auf eine Parkbank setzt. Nur durch ihre Blicke, ihre Haltungen baut sich Spannung auf, ein zärtliches Anbandeln mal zwischen den einen beiden, mal zwischen den anderen beiden.

Diese Szene zeigte beispielhaft, dass das Clowneske nicht vieler Worte bedarf, sondern vom körperlichen Ausdruck lebt, den kleinen, behutsamen Zeichen und den ins Gesicht geschriebenen Emotionen. Herrlich der Kampf mit den Tücken des Alltags: Da klebt eine Plastikflasche plötzlich an der Hand einer Clownin fest, oder ein Koffer kann selbst vom stärksten Mann nicht angehoben werden, mag er auch noch so engagiert seine Ärmel hochgekrempelt haben. Das so Vergnügliche an diesen Geschichten ist meist ihr paradoxer Schluss. Der Mann braucht etwa nur auf die andere Seite des Koffers zu gehen, dann wird er federleicht.

Clowns zum Schieflachen und Träumen

Bezaubernd bei diesem Spiel der Clowns war, dass hier sichtbar jeder mit dem aus sich herausgehen konnte, das ihm liegt. So zeigte sich jeder mit seinen ganz eigenen Stärken: Da ist die Clownin, die immer wieder Cha-Cha-Cha tanzend auf die Bühne tritt, fröhlich, leicht – und die auch mal ihren etwas schwerfälligen und deshalb urkomischen Tanzpartner gnadenlos munter über die Bühne schiebt. Es braucht nur ein Seil, einen Stuhl und ein Paar Kurzskier für eine Wasserski-Szene, bei dem eine Motorboot-Kapitänin ihren Wasserskifahrer am Seil – wie kann es anders sein? – verliert. Der taucht ein in die imaginären Fluten, wird mitgerissen, taucht irgendwo hinter einer schwarzen Wellenwand wieder auf und wird kurzerhand mit dem Lasso wieder eingefangen. Wunderschön leise, poetisch kommen die Playback-Nummern daher, bei denen die Clowns nur in ihrer Haltung, in ihren Gesten und Gefühlen den Songs einen noch tieferen, persönlichen Ausdruck verliehen. Da ist etwa der berühmte Titel „Oh mein Papa“, zu dem sich dann auch noch vier Hintergrundsänger, wie ein Leporello aneinandergeklebt, auf die Bühne schieben. Es erfreuen die Running Gags, etwa der Clown mit dem Laubsauger, der alles von der Bühne saugt, was dort lose rumliegt. Oder der protzige Muskelmann im Glitzerhemdchen, der mit einem lauten „Hu! Ha!“ die Sensationsnummer ankündigt, die dann doch recht mickrig ausfällt – seine Assistentin steigt einfach auf einen Stuhl. Welch ein Kunststück!

Ein wunderbarer Nachmittag, der dem Publikum mehr als ein Lächeln auf die Gesichter zauberte.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren