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Brechtfestival 2021

15.12.2020

Corona macht das Augsburger Brechtfestival digital

Das Brechtfestival 2021 wird komplett in digitaler Form über die Bühne gehen. Das haben die Festivalmacher Tom Kühnel (links) und Jürgen Kuttner schon im Oktober festgelegt.
Bild: Fabian Schreyer

Mit schwerem Herzen, aber hochkarätigen Programm: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner betreten mit dem Brechtfestival 2021 nur noch die digitale Bühne.

Das Brechtfestival 2021 wird vollkommen anders als alle seine Vorgänger stattfinden: Zum ersten Mal wird es als rein digitales Festival vom 26. Februar bis zum 7. März im Netz übertragen. Schweren Herzens sei dieser Entschluss bereits Mitte Oktober festgestanden, als die Corona-Fallzahlen in Deutschland wieder rasant stiegen, sagen die beiden Festivalleiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner. Im Kulturausschuss haben die beiden über eine Video-Live-Schaltung den Stadträten die neuen Programmpunkte vorgestellt – unter Vorbehalt.

Denn noch wissen beide nicht, welche Programmpunkte tatsächlich realisiert werden können. Die beiden Festivalleiter haben die Künstler, die sie im Februar und März nach Augsburg einladen wollten, nun gebeten, keine Theaterveranstaltungen zu planen, die anschließend vor leeren Zuschauerrängen abgefilmt und übertragen werden, sondern die Festivalbeiträge gleich im Medium Film zu denken. Allerdings könne es sein, dass verschärfte Corona-Maßnahmen dazu führen, dass die Zusammenarbeit mit Filmteams nicht mehr möglich ist. „Wir können jetzt noch nicht sagen, was alles klappen wird“, sagt Kuttner.

Es gab die Idee, das Brechtfestival Open Air zu veranstalten

Der Vorschlag der beiden Festivalleiter, den sie schon zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland im März geäußert hatten – das Festival 2021 abzusagen und 2022 umso größer zu feiern – sei von städtischer Seite damals abgelehnt worden. Als die Fallzahlen dann immer weiter sanken, sei es kein Thema mehr gewesen. Erst haben Kühnel und Kuttner ein Festival konzipiert, das unter Einhaltung der coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln funktionieren sollte, später entstand die Idee, auf dem Gaswerkareal ins Freie auszuweichen. Im Oktober mit steigenden Fallzahlen fiel dann die Grundsatzentscheidung, das Festival 2021 komplett digital stattfinden zu lassen.

„Uns blutet natürlich das Herz“, sagt Kühnel. Ursprünglich wollten sie die Idee, wieder an zwei großen Spektakelabenden sehr viel Programm zu bündeln, vertiefen. „Das Augsburger Publikum hat das im Februar kennengelernt, wir wollten da auf den Lerneffekt setzen“, sagt Kuttner. Nun wird wieder alles anders.

Paula Beer ist Teil des Festivalprogramms 2021

Wieder präsentieren die beiden Festivalleiter Theaterkünstler mit klangvollem Namen: Paula Beer, die just den europäischen Filmpreis gewonnen hat, ist mit einem Programm zu sehen, wie im Vorjahr haben Corinna Harfouch und Charly Hübner zugesagt, dazu Lina Beckmann, Winnie Böwe, Stefanie Reinsperger, Hanna Hilsdorf, Suse Wächter, Ben Hartmann. Außerdem sollen sich die Regieklasse der Otto Falckenberg Schule München und die beiden Augsburger Ensembles Bluespots Productions und Theater mit eigens fürs Festival entwickelten Beiträgen beteiligen. Kühnel und Kuttner inszenieren gemeinsam am Staatstheater Augsburg Heiner Müllers „Medeamaterial“, das am Eröffnungsabend des Festivals als Live-Stream gezeigt werden soll.

Im Kulturausschuss haben Tom Kühnel und Jürgen Kuttner per Videoschaltung ihr Programm vorgestellt.
Bild: Elke Seidel

Auch für die Brechtnacht, die jedes Jahr versucht, Bertolt Brecht mit zeitgenössischer Popmusik zusammenzubringen, gibt es ein digitales Konzept. Tanzfläche sollen die Wohnungen der Zuschauer werden. Als Künstler werden das ukrainische Frauen-Septett Dakh Daughters und die Weltmusik-Gruppierung Banda Internationale zu hören sein, die bereits vergangenes Jahr zusammen mit Bernadette La Hengst in der Brechtnacht aufgetreten sind und nun auch ein gemeinsames Album („Banda, Bernadette & Brecht“) aufgenommen haben. Außerdem sind die Singer-Songwriterin Charlotte Brandi und die Poetry-Slammer Tanasgol Sabbagh und Florian Stein zu erleben.

Den Startschuss für das Festival 2021 haben Kühnel und Kuttner bereits im September mit dem „Brechtfestival Arbeitsjournal“ gegeben, das sowohl auf der Homepage des Festivals als auch auf einem Telegram-Kanal täglich Texte, Tondokumente und Videos von, zu oder über Brecht und sein Umfeld präsentiert. Dort wird gleichzeitig ein Blick hinter die Kulissen der Festivalentstehung gegeben. Neben kostenlosen Angeboten wird das digitale Brechtfestival auch einen kostenpflichtigen Bereich haben.

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