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Porträt

13.09.2018

„Da kann man große Sachen machen“

Proben für die ersten gemeinsamen Konzerte mit dem Schwäbischen Jugendsinfonieorchester: Dirigentin Carolin Nordmeyer. <b>Foto: Ute Laux</b>
Bild: Ute Laux

Carolin Nordmeyer ist die neue Leiterin des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters. Vor den ersten Konzerten verrät sie, weshalb die Zusammenarbeit für sie reizvoll ist

Jetzt zur Mittagszeit haben die jungen Musiker in der Jugendbildungsstätte Babenhausen ihre Köpfe nicht über Noten, sondern über ihre Smartphones gesenkt. Auch Carolin Nordmeyer hat den Dirigierstab für zwei, drei Stunden aus der Hand gelegt und dadurch Zeit für ein Gespräch. Die 43-Jährige ist die neue künstlerische Leiterin des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters, Nachfolgerin des sechs Jahre amtierenden Allan Bergius und in dieser Woche zum ersten Mal mit dem Orchester in der Probenphase, an deren Ende mehrere Konzerte stehen.

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Unter schattigen Bäumen im Garten der Jugendbildungsstätte erzählt Carolin Nordmeyer, wie es zu diesem Engagement bei dem vom Bezirk Schwaben unterstützten Jugendorchester kam. Ende vergangenen Jahres erhielt sie einen Anruf von Christian Pyhrr, der als ihr Vor-Vorgänger nicht nur selbst fast zwei Jahrzehnte das Orchester führte, sondern erklärtermaßen noch immer eine enge Bindung zu dem Ensemble hat. Gewiss wusste Pyhrr, dass Nordmeyer durch ihren künstlerischen Werdegang eine reiche Erfahrung im Umgang mit der Leitung junger Ensembles besitzt. Lange überreden musste er Nordmeyer jedenfalls nicht, schnell sagte sie zu.

Spricht man mit ihr jetzt über die neue Aufgabe, merkt man schnell, dass da jemand mit Leidenschaft bei der Nachwuchssache ist. „Jugendorchester ist das Beste, was einem passieren kann, wenn man als junger Mensch Musik machen will!“, sagt sie mit regelrechtem Überschwang in der Stimme. Gut, für die Musiker mag das gelten – aber was ist mit ihr, ist da auch genügend Reiz vorhanden für sie als ehemalige 2. Kapellmeisterin des Theaters Augsburg, welche sie acht Jahre lang bis Sommer letzten Jahres war? „Was ich sage, gilt nicht nur für die jungen Musiker, das gilt auch für mich!“ In Jugendorchestern, ist sie überzeugt, stecke enorm viel Potenzial, „man kann da richtig große Sachen machen“. Auch komme nie Routine auf wie oft bei Profi-Orchestern, die vieles schon zum x-ten Mal gespielt hätten und dann vorschnell dazu neigten, zu wissen, wie es läuft – unbefriedigend für eine Dirigentin.

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Für ihre erste Proben- und Konzertphase mit den schwäbischen Jungsinfonikern hat sich Nordmeyer denn auch alles andere als ein betuliches Programm vorgenommen. Schumanns „Manfred“-Ouvertüre, Ravels „Tombeau de Couperin“ und die „Symphonie fantastique“ von Berlioz, das sind gestandene sinfonische Brocken für die etwa 80 Instrumentalisten im Alter zwischen 14 und Anfang 20. Doch Nordmeyer weiß, mit den Anforderungen wächst das Engagement. Über Berlioz sagt sie: „Das ist Musik, die die Jugendlichen zum Brennen bringen kann.“

Die Orchesterteilnehmer sind Laien, verfügen jedoch über ein hinreichendes Level, das in Vorspielen geprüft wurde. Worin besteht dann ihre Aufgabe als Dirigentin? „Zu vermitteln, wie man als Klangkörper gemeinsam atmet, einen gemeinsamen Puls wahrnimmt, und dass man die Ohren aufstellt für die anderen im Orchester.“ Und natürlich gelte es auch, den „Klassiker“ auszubügeln: „Jugendorchester neigen dazu, im Tempo schneller zu werden.“

Traditionell sind pro Jahr zwei einwöchige Arbeitsphasen mit dem Orchester vorgesehen, im Frühjahr und im Herbst. Das lässt sich gut arrangieren für die Mutter dreier Kinder im Alter zwischen fünf und zehn. Zumal die gebürtige Freiburgerin, die in Augsburg lebt, noch andere künstlerische Verpflichtungen hat, vorneweg die Leitung des Akademischen Sinfonieorchesters München, dazu diverse freie Engagements. Auch hat sie einen Lehrauftrag am Augsburger Leopold-Mozart-Zentrum.

Dass das Schwäbische Jugendsinfonieorchester 2019 sein 60-jähriges Bestehen feiert, erfüllt Nordmeyer, die erste Frau auf dem Chefposten, mit Respekt. Was sie aber nicht davon abhält, eine kleine Neuerung einzuführen: Künftighin will sie, wo möglich, vor den Konzerten für das Publikum Einführungen mit dem Orchester abhalten. Denn das, sagt sie, sei ihr ebenfalls ein großes Anliegen: Nicht nur auf das Publikum zuzugehen, sondern auch die jungen Musiker davon zu überzeugen, dass man das Publikum mitnehmen müsse.

Konzerte 14.9. in Babenhausen (Anton-Fugger-Realschule, 19 Uhr); 15.9. Nördlingen (St. Georg, 19 Uhr, Einführung 18.15 Uhr); 16.9. Augsburg (Kongress am Park, 19 Uhr, Einführung 18.15 Uhr).

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