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Staatstheater Augsburg

17.07.2020

Das Augsburger Ballett präsentiert sich nach der Pause live und virtuell

Einzeln aufgenommen werden die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Augsburg in einer „Bolero“-Aufführung auf VR-Brille zur Formation.
Bild: Theater Augsburg

Plus Mit zwei Auftritten auf dem Kunstrasen melden sich die Augsburger Tänzerinnen und Tänzer nach vier Monaten zurück. Und die Kompanie hat jetzt auch ein digitales Projekt.

„Ballett auf Abstand, das geht nicht“, hatte Augsburgs Ballettdirektor Riccardo Fernando noch im März ziemlich ratlos festgestellt, als Schauspielern, Sängern und Tänzern eine Zwangspause verordnet worden war. Wie sollte man je Pas de Deux und Ensembletänze einstudieren und aufführen, ohne mit den Abstandsregeln zu kollidieren? Mittlerweile sind es vier Monate, in denen die Tänzerinnen und Tänzer ohne ihr Publikum waren. Die Technik kam Fernando und seiner Kompanie zu Hilfe, dem Corona-Lockdown ein wenig Widerstand entgegenzusetzen. Im Rahmen des viel beachteten VR-Brillen-Angebots des Staatstheaters kreierte das Ballett Augsburg „shifting_perspective“, ein Tanzstück, in dem die Tänzerinnen und Tänzer zu den elektronischen Klängen von Robin Rimbaud improvisierten. So nah wie nie zuvor kamen sie dabei dem Zuschauer, der mittels raffinierter Aufnahmetechnik mitten auf der Bühne Platz nahm.

Ballett des Staatstheaters Augsburg zeigt dynamische Choreografie zu Ravels "Bolero"

Trotzdem werden viele Ballettfans gern auf diese privilegierte Position verzichten, wenn sie am Freitag und am Samstag abend wieder live Tanz auf der Bühne geboten bekommen – auf dem Kunstrasen im Marinipark, dem Open Air-Angebot des Staatstheaters. Wer selbst überprüfen will, wie es um die Wirkung von Ballett in Virtual Reality und live auf der Bühne steht, hat dazu aber Gelegenheit: Die zwei Stücke, die auf dem Kunstrasen zu sehen sind, sind auch mit der VR-Brille verfügbar. Neben „shifting_perspective“ wird auch „Bolero“ demnächst im VR-Angebot des Staatstheaters verfügbar sein.

Ricardo Fernando choreografierte dieses Stück bereits in seiner Zeit am Theater Hagen, nun hat es wieder ausgegraben und für den Kunstrasen etwas verändert. Die Tänzer bewegten sich ursprünglich in und zwischen sechs Würfeln, die in zwei Etagen aufeinander gestapelt waren. „Ich wollte etwas ganz anderes machen als Maurice Bejárt,“ erzählt Fernando. Dem französischen Choreografen gelang 1960 eine wegweisende Interpretation von Maurice Ravels Klassiker als eine Art Massenorgie mit einer tanzenden Frau auf einem Tisch, umringt von Männern, die analog zum sich steigernden Rhythmus der Musik dazukommen. Viele Choreografen inszenierten den „Bolero“ mit einer erotischen Komponente.

Das Augsburger Ballett präsentiert sich nach der Pause live und virtuell

Davon will Fernando nichts wissen; für ihn steht die Dynamik der Musik im Vordergrund. „Es ist ein geniales Stück mit Wiederholungen in immer wieder anderer Instrumentierung.“ Fernando setzt dies in eine betont akrobatische Choreografie um. Auf dem Kunstrasen wird es jedoch nur einen Würfel geben, durch den die Tänzer wechselweise in den Fokus geraten. Manchmal auch zu zweit, denn einige der Kompaniemitglieder leben in einem Haushalt und müssen sich nicht um Abstandsregeln kümmern. Um auch die Kompanie mit ihren 18 Tänzerinnen und Tänzern zusammen zu bringen, behilft sich Fernando mit einem Trick: Vor der Bühne ist ein Tanzteppich verlegt, so dass auch hier getanzt werden kann.

VR-Projekt am Staatstheater Augsburg: Die frontale Bühne wird zum dreidimensionalen Raum

Eine völlig andere Ästhetik erwartet die Zuschauer dann aber mit der VR-Brille. Hier arbeitete das Ballett Augsburg mit Studenten der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Augsburg zusammen. „Wir mussten Konzepte entwickeln, wie die frontale Bühne zu einem dreidimensionalen Raum wird, in dem der Zuschauer seine eigene Perspektive einnehmen kann“, beschreibt Professor Robert Rose die Überlegungen, eine eigenständige Form für den VR-„Bolero“ zu kreieren. Ricardo Fernandos ursprüngliche Idee mit mehreren Kuben findet sich da wieder. Sind sie in der konventionellen Inszenierung ein statischer Widerpart zur Dynamik der Tänzer, werden sie nun selbst in einer 360 Grad-Umgebung in Bewegung versetzt, fangen quasi selbst zu tanzen an. „Das erzeugt einen Eindruck, den man auf der Bühne nicht erzielen kann“, stellt Rose heraus. Wie aufwendig die Arbeiten für dieses Produktion waren, wie jeder der Tänzer für sich tanzte und dies schließlich zu einer Formation zusammen geschnitten wurde, zeigt ein Beitrag, den der Zuschauer als Ergänzung zur Aufführung auf der VR-Brille sehen kann.

Ricardo Fernando ist begeistert von der neuen Sicht, die das Publikum auf seine Choreografie bekommen kann. „In dieser Hinsicht hebt die VR-Brille die begrenzten Möglichkeiten des Theaters auf.“ Allerdings ist für den Ballettchef auch klar: „Die VR-Brille ist keine Konkurrenz für unsere Aufführungen. Wir sind Menschen, und wir transportieren in dem Moment, in dem wir tanzen, Gefühle. Das macht das Live-Erlebnis besonders.“

Aufführungen von „shifting_perspective/ bolero“ am 17. und 18. Juli jeweils um 19 Uhr auf dem Kunstrasen im Martinipark. Einblicke in die VR-Brille präsentieren die Studenten der Hochschule am Montag, 20. Juli, um 17 Uhr im Livestream unter diesem Link.

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