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19.02.2019

Das Brechtfestival zeigt viel Theater

Wie prägten die Amerikaner in 50 Jahren Besatzungszeit die Stadt? Danach fragt „Home is where the heart is“ im Jungen Theater Augsburg.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Staatstheater Augsburg und Ensembles der Freien Szene bestimmen das Theaterprogramm in diesem Jahr. Auch die Lyrik spielt eine große Rolle.

„Und als dann kam der Monat Mai/War ein tausendjähriges Reich vorbei./Und herunter kamen die Hindenburggass’/Jungens aus Missouri mit Bazookas und Kameras.“ Mit den Versen beschrieb Bertolt Brecht, was die Augsburger hautnah erlebten: Die Amerikaner kamen in die Stadt. Wie prägte die Army während ihrer 50-jährigen Präsenz in Augsburg die Stadtgesellschaft? Was ist davon 20 Jahre nach dem Abzug der Truppen geblieben? Antworten soll das neue Bürgerbühnenstück des Jungen Theaters Augsburg „Home is where the heart is“ geben, das im Rahmen des Brechtfestivals Premiere hat und einen Bezug zum Festival-Motto „Für die Städtebewohner*Innen“ herstellt. Zwölf Bürgerexperten, darunter ehemalige GIs, deren Partnerinnen, Kinder aus deutsch-amerikanischen Beziehungen und Zivilangestellte der US-Army, erzählen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen. „Wir haben nicht den Anspruch einer Dokumentation, sondern konzentrieren uns auf die persönlichen Geschichten“, erklärt Regisseurin Susanne Reng, die das Stück aus Interviews mit den Bürger-Experten erarbeitet hat. Diese stehen selbst auf der Bühne, um darzustellen, wie die amerikanische Lebensart Eingang in den schwäbischen Alltag gefunden hat. (Premiere am Freitag, 22. Februar, 18 Uhr, Kulturhaus Abraxas)

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Ein Manager und eine Standby-Kraft, die für ihre Jobs von Stadt zu Stadt jetten, sind die Protagonisten in Falk Richters „Electronic City“, aber „im Kern geht es um uns alle“, betont Sebastian Seidel vom Sensemble Theater, „denn vor der gewünschten allzeitigen Verfügbarkeit ist keiner mehr sicher“. Tom und Joy haben sich darin gut eingerichtet. Doch geraten sie in eine Situation, in der sie die Kontrolle verlieren – und auf einmal wird das Bedürfnis nach einer individuellen Ansprache groß. Für Seidel ist das Stück aus dem Jahr 2004 ein interessanter Vorgriff auf die Gesellschaft von heute mit ihren kapitalistischen Auswüchsen: Menschen in einer digitalisierten und flexibilisierten Arbeitswelt sind auf der Suche nach Menschlichkeit und einem Stück Heimat. „Diese Sehnsucht nach einer Rückzugsmöglichkeit hat der Autor ironisiert, ich nehme das in meiner Inszenierung ernster“, erläutert Seidel. (Premiere am Freitag, 22. Februar um 20.30 Uhr).

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In der Inszenierung des Staatstheaters Augsburg wird Brechts tabu- und maßloser Anti-Held „Baal“ zum Bandleader. Auf einer letzten Tournee mit seiner abgehalfterten Rockband gerät er im Strudel seiner Exzesse immer tiefer hinein in die Abgründe seiner Seele bis die menschlichen Konflikte schließlich eskalieren. Mit Natalie Hünig in der Titelrolle diskutiert Regisseurin Mareike Mikat in ihrer Inszenierung unter anderem die klassischen Geschlechterverhältnisse. (Premiere am Samstag, 23. Februar, um 19.30 Uhr in der Brechtbühne im Gaswerk)

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Revolution ist eine Bedrohung – für die bestehenden Verhältnisse, aber auch für den Besitzstand. Rainer Werner Fassbinder hat dies im Aufeinandertreffen einer Spießerfamilie mit einer Horde junger Wilder auf die Spitze getrieben. Das Theter-Ensemble unter der Leitung von Leif Eric Young spielt Fassbinders Stück „Anarchie in Bayern“ , das in revueartig zusammengeschnittenen Szenen darstellt, wie sich gesellschaftliche Verhärtungen und autoritätshöriges Handeln im Bewusstsein festsetzen. (Premiere am Donnerstag, 28. Februar, um 20.30 Uhr im City Club)

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Ein poetisches Netz durch die Stadt ziehen Bluespots Productions mit zehn Aufführungen an verschiedenen Orten in der Stadt, in denen die zehn Gedichte aus Brechts „Aus dem Lesebuch für Städtebewohner“ auf unterschiedliche Weise in Szene gesetzt werden. Brechts Betrachtungen der Großstadt und ihrer Abgründe finden in einer Mischung aus Theater, Performance, medialer Collage und Installation in „Shitty City“ ihren Niederschlag. (Freitag, 22. Februar bis Samstag, 2. März jeweils täglich 18 Uhr an wechselnden Orten, Sonntag, 3. März 15 Uhr)

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Raum für die Gedichte Brechts gibt es auch beim Lyriktag in der Stadtbücherei, wenn sechs bedeutende Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartslyrik ihre eigenen Texte in Bezug zu Brechts Großstadtlyrik setzen. In einer Mischung aus Brechtrezitation, Lesung und Gespräch schlagen Nancy Hünger, Ulrich Koch, Kathrin Schmidt, Daniela Seel, Ulf Stolterfoht und Raphael Urweider eine Brücke von Brecht zur Gegenwart. (Samstag, 23. Februar, von 11 bis 14 Uhr in der Stadtbücherei)

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