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Freilichtbühne

14.06.2018

Das Fugger-Musical will vor allem das Eine

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Fugger-Darsteller Chris Murray (mit Stephan Kanyar am Klavier) bei der Pressevorstellung von "Herz aus Gold" im Martinipark.
Bild: Jan-Pieter Fuhr/Theater Augsburg

In diesem Sommer dreht sich am Roten Tor alles um Jakob Fugger. Doch im Mittelpunkt der Geschichte werden keineswegs die Geschäfte des reichen Kaufmanns stehen.

Wenn hier ein Wort die Runde macht, dann ist es dieses: Emotion. Kaum einer der auf dem Podest Versammelten, der es nicht im Munde führte. Der Komponist Stephan Kanyar erzählt, dass er sich vor der Niederschrift der ersten Töne gefragt habe „Wo wird’s emotional bei der Geschichte?“. Texter Andreas Hillger spricht vom „emotionalen Defizit“ der Hauptperson. Und Intendant André Bücker sagt den vielleicht zentralen Satz dieser Veranstaltung: „Musical braucht Emotion.“

Donnerstag nachmittag im Foyer des Martiniparks. Das Theater Augsburg hat zum Pressegespräch geladen, Gegenstand ist die finale Produktion dieser ersten Spielzeit des neuen Theaterteams: das Musical „Herz aus Gold“, eigens für Augsburg geschaffen, wie immer wieder betont wird, und deshalb auch thematisch aus Augsburger Geschichtsquellen schöpfend – es geht um Jakob Fugger. Gut zwei Wochen vor der Premiere hat sich fast das komplette Produktionsteam hier versammelt. Doch zunächst einmal wird eine musikalische Kostprobe serviert: Chris Murray als Fugger und Roberta Valentini als weibliche Hauptfigur Sibylla stimmen ein Duett an, Komponist Stephan Kanyar legt dazu eigenhändig am Klavier den Begleitteppich aus. Jeder singt zunächst eine Strophe allein, bevor dann die Stimmen zusammenfinden und mächtig anschwellen – denn zwischen Jakob und Sibylla ist schwer etwas am Laufen. Großer Stimmen-Schmelz am Höhepunkt des Duetts – dann nimmt André Bücker den Faden auf und schwärmt von „Gänsehaut“, womit der Boden für die noch folgenden emotionalen Verweise schon mal bereitet ist.

Ein Musical mit lokalem Bezug

Zunächst aber fasst der Intendant zusammen, wie es überhaupt zur Idee eines Fugger-Musicals kam. Dass man, wie schon in den letzten Jahren der Vorgänger-Intendanz, ein Musical auf der Freilichtbühne präsentieren wollte, stand auch beim neuen Theaterteam außer Frage. Schnell jedoch verwarf man den Gedanken, erneut ein Stück aus der Reihe der internationalen Musical-Renner zu nehmen, und liebäugelte stattdessen mit einem Stoff mit lokalem Bezug. Dass es letztlich die Renaissance-Gestalt Jakob Fugger wurde, war aber auch davon inspiriert, dass beim letztjährigen Luther-Jubiläum, das vom Theater ja ebenfalls aufgegriffen wurde, am reichen Fugger nicht vorbeizukommen war.

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Gesagt, getan. Andreas Hillger, Autor des Augsburger Theater-„Tatorts“, wurde mit der Stückentwicklung betraut. Sein Leitgedanke, verrät er im Martinipark, habe gelautet: „Ein Abend über doppelte Buchführung auf der Freilichtbühne, das wäre wohl nicht so spannend gewesen.“ Also keine Story über die Geschäfte des Augsburger Frühkapitalisten, jedenfalls nicht im Kern. Nein, wo es um Emotion gehen soll, da muss der Mann mit einer Frau zusammengebracht werden, und das ist im Stück die Sibylla. Hillger hat sie doppelt konzipiert: Als bereits verheiratete Sibylla, die der reiche Jakob eigentlich anbetet, die ihm aber nicht geben kann, was er will – und er deshalb ihre gleichnamige Tochter zur Frau nimmt. Die beiden Sibyllen gab’s tatsächlich, doch geben die Musical-Macher unumwunden zu, dass die Gefühlswelten, die sie den beiden Frauen und dem Dritten im Bunde zuschreiben, nicht zu belegen und also Fiktion sind.

Aber man will mit „Herz aus Gold“ ja auch keinen „Wikipedia-Eintrag über Fugger“ (Hillger) auf die Bühne bringen, sondern sicherstellen, dass am Roten Tor „die Leute einen schönen Abend haben“ (Bücker). Und so wird denn auch so gut wie alles, was das Theater hergibt, für das Musical aufgeboten. Die Augsburger Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Domonkos Héja sind mit dabei, der Opernchor wird aufgeboten, das Ballett spielt eine zentrale Rolle. Mit Holger Hauer wurde ein Musical-Spezialist für die Regie verpflichtet, und auch die Protagonisten sind Gäste vom Musical-Fach: eben Roberta Valentini und Chris Murray.

„Gooooold“ hallt es von den Wänden

Letzterer gibt noch eine weitere Musiknummer zum Besten, das „Credo“ des Jakob Fugger. Ein musicaltypisches Stück: Besinnlich am Start, dann aber nehmen das Klavier und die Stimme Fahrt auf, Murray gibt ordentlich Vibrato dazu, um schließlich die Schleusen völlig zu öffnen: „Mein Herz aus Gold, ich hab dich so gewollt“, widerhallt es von den Betonwänden des Martiniparks – aber Murray hat noch Reserven für den alles Bisherige übertönenden, lang gehaltenen finalen Spitzenton: „Gooooold!“

André Bücker hat als Erster wieder Worte. „Wenn man sich das an einem lauen schönen Sommerabend vorstellt und dazu das ganze Orchester …“ Da ist sie wieder, die Botschaft: Es ist die Emotion, mit der „Herz aus Gold“ das Publikum für sich einnehmen will.

Die Premiere von „Herz aus Gold“ findet am Samstag, 30. Juni, um 20.30 Uhr auf der Freilichtbühne am Roten Tor statt. Zwischen dem 3. und dem 28. Juli sind 20 weitere Vorstellungen des Musicals auf der Freilichtbühne angesetzt, die sämtlich um 20.30 Uhr beginnen. Karten für das Musical gibt es im Vorverkauf beim Theater Augsburg. Telefonisch unter der Nummer 0821-3244900, online unter der Adresse theater-augsburg.de/karten

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