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Staatstheater Augsburg

04.11.2019

Das Staatstheater hat jetzt auch einen Stimmtrainer

Der Stimmtrainer Fabian Eckenfels übt seit einem halben Jahr regelmäßig mit Ensemblemitgliedern des Staatstheaters.
Bild: Mercan Fröhlich

Plus Seit einem halben Jahr kommt der Stimmtrainer Fabian Eckenfels auch nach Augsburg. Das neue Angebot wird von den Ensemblemitgliedern begeistert aufgenommen.

Nein, da passt etwas nicht. Der Kopf fehlt. Fabian Eckenfels ist nicht einverstanden. Aber der Stimmtrainer weiß sofort, was dagegen zu tun ist. Also, die Nase zuhalten, versuchen die Luft einzuatmen und genau dort, wo die Luft hin- will, den nächsten Ton produzieren. So geht das bei ihm. Eckenfels kann die menschliche Stimme wie ein Instrument einrichten und er möchte, dass viele Register zum Schwingen kommen, die Stimme warm klingt.

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Seit einem halben Jahr kommt Eckenfels regelmäßig ans Staatstheater Augsburg und übt dort mit Schauspielern und Sängern. Anfangs hat der Verein INS Theater die zusätzlichen Kosten getragen, mittlerweile sucht das Staatstheater Augsburg neue Sponsoren für das zusätzliche Angebot. „Die Erfahrungen, die wir mit ihm gemacht haben, sind wahnsinnig toll“, sagt David Ortmann, Hausregisseur am Staatstheater und Teil der Schauspielleitung. Nicht nur jüngere, auch ältere Kollegen hätten das neue Angebot genutzt. Das Feedback sei sehr gut gewesen.

Die Schauspielerin merkt, dass ihre Stimme variabler geworden ist

In ihrem Studium gehört das Stimmtraining für Sänger und Schauspieler fest ins Programm. Später allerdings im Beruf bieten nur die großen Theaterhäuser weiter professionellen Beistand an. Die Kleineren leisten sich das in der Regel nicht. Eine, die begeistert zu den Übungsstunden mit Eckenfels geht, ist die Schauspielerin Katharina Rehn. Sie merkt jetzt nach einem halben Jahr, dass ihre Stimme variabler geworden sei, dass sie besser sitzt. „Es gibt zum Beispiel keine Überlastungserscheinungen mehr“, sagt sie. Und es sei wie mit allem: Verbesserungen gebe es nur, wenn tatsächlich auch trainiert werde.

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Mit Eckenfels hat das Staatstheater einen Stimmtrainer bekommen, der genau hinhört, zum Beispiel, wenn etwas nicht aufrichtig gesagt wird. „Ich bekomme Allergie, wenn ich die Blätter rauschen höre“, erklärt er. Auf der Bühne gehe es darum, authentisch zu spielen. „Der Text muss mich ansprechen, dann ist es okay.“ Das heißt, dass die Schauspieler und Sänger sich bei ihm ihre Rollen nicht einfach nur als ein anderes Ich aufsetzen dürfen, nein, sie müssen präsent sein, sich zeigen. „Wenn der Gedanke mit dem Text nicht synchron geht, funktioniert es nicht.“ Dafür hat Eckenfels ein sehr feines Sensorium.

Der Körper soll zum Schwingen gebracht werden

Als Bassbariton fing Eckenfels selbst eine Bühnenlaufbahn an, merkte aber schnell, dass es ihn mehr interessierte, Menschen auf der Bühne zu unterstützen. Seitdem hat er nicht mehr aufgehört, selbst immer Neues zu erlernen, um andere mit diesem Wissen weiterzubringen. Das umfasste nicht nur Fortbildungen zur Stimme, sondern auch zum Körper, weil das eine ja eng mit dem anderen zusammenhängt. Der Körper soll durch die Stimme zum Schwingen gebracht werden.

Ein wichtiger Bestandteil bei allen Übungen, selbst wenn Schauspieler um Sprechtraining bitten, ist das Singen. Eckenfels hat schon öfter Schauspieler bei sich gehabt, die zuvor das Leid der ungeübten Sänger erfahren haben. Dann standen Entmutigte bei ihm, die zu oft gehört haben, nicht singen zu können. „In der Schauspielschule und an den Theatern wird man da schnell einsortiert“, sagt Eckenfels. Er hingegen glaubt nicht so recht daran – und hat auch einfache Übungen bereit, mit denen die Stimme nach und nach zum Singen gebracht werden kann. „Man muss üben.“ Im Grund ist das wie beim Sport: Es sind sehr viele Muskelgruppen an der Stimmbildung beteiligt. Je häufiger und je intensiver sie trainiert werden, desto besser, sicherer und präziser funktioniert es.

Einen Schauspieler ein halbes Jahr auf seine Rolle vorbereitet

Und dann schwingt da auch Stolz mit, wenn „seine“ Schauspieler singend mithalten können. Am Badischen Staatstheater in Karlsruhe hat er für die Produktion „The Broken Circle“ einen Schauspieler ein halbes Jahr auf dessen Rolle vorbereitet. Das Stück ist ein Bluegrass-Konzert, die beiden Haupt-Darsteller müssen von einer Band begleitet den Großteil des Abends singen. Eckenfels konnte in der Zeit beobachten, wie sich der Schauspieler gesangstechnisch so weiterentwickelt hat, dass die Produktion ein Erfolg am Haus wurde.

Nur eines verrät Eckenfels bei seinen Stunden nicht, wie er sein Tagespensum schafft. Zu den neun Stunden Einzelunterricht kommt jedes Mal die Anfahrt – mehr als zwei Stunden einfache Strecke von Renningen bei Stuttgart nach Augsburg und wieder zurück. Und selbst wenn um 19.30 Uhr die letzte Stunde bei ihm beginnt, wirkt er noch so frisch wie zu Beginn.

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