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Staatstheater

09.03.2020

Das Staatstheater zeigt Orfeos Unterwelt in 3D

Die Unterwelt im Martinipark: Für seine Inszenierung von „Orfeo ed Euridice“ verwendet Intendant Ande Bücker dreidimensionale Computeranimationen.
Bild: Heimspiel

Plus André Bücker inszeniert am Staatstheater Augsburg Glucks Barockoper "Orfeo ed Euridice" als Mischung aus analogem Bühnengeschehen und Virtual Reality. Die Zuschauer sitzen mit High-Tech-Brille in der Vorstellung.

Der Weg in den Hades führt vorbei an rauchenden Ruinen und Leuchtreklamen, die in dieser grau-schwarzen Düsternis aufleuchten. Opernbesucher im Martinipark werden ihn ab 16. Mai mit Orfeo gehen, um seine Euridice der Unterwelt zu entreißen. Und dies ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn Intendant André Bücker wird in seiner Inszenierung von Christoph Willibald GlucksOrfeo ed Euridice“ erstmals in größerem Umfang Virtual Reality (VR) zum Einsatz bringen. Diese Technik ermöglicht mit einer speziellen Brille, dass die Zuschauer das Geschehen nicht nur auf der Bühne verfolgen können, sondern zusammen mit den Darstellern mitten drin sind – in diesem Fall in der Unterwelt. "In der Größenordnung hat es das in deutschen Theatern noch nicht gegeben", meinte Bücker im Martinipark, wo er die Inszenierung vorstellte.

Eine neue Erzählebene mit Virtual Reality

Wie kann man die Unterwelt darstellen, fragte sich Bücker und fand dafür dreidimensionale Computeranimationen besonders geeignet. Nicht als spektakulären Bildeffekt, wie der Intendant versichert, sondern weil er in der Verwendung dieser digitalen Technik einen künstlerischen Mehrwert für seine Inszenierung erkenne. „Wir erreichen dadurch eine neue Erzählebene“, ist sich Bücker sicher. Und nicht nur das: „Es ist im Grunde genommen alles möglich, es gibt keinerlei Beschränkungen des Raums“, schwärmt der Intendant, der diese unbegrenzten Möglichkeiten wohl gerade im Interim des Martiniparks zu schätzen wusste.

Drei VR-Sequenzen wird es in der Inszenierung geben, insgesamt werden sie etwa eine halbe Stunde dauern. „Alle drei sind unterschiedlich in ihrer Bildwelt und in ihrer Ästhetik völlig losgelöst vom Bühnenbild“, verspricht André Bücker. Zwar werde der Zuschauer in seiner Blickführung gelenkt, aber jeder sei auch völlig frei, sich in der 360-Grad-Umgebung seinen eigenen Überblick zu verschaffen. „Es ist ein individuelles Erleben, das trotzdem den kollektiven Gedanken einer Theatervorstellung beibehält“, sagt Bücker. 500 VR-Brillen hat das Theater hierfür angeschafft, finanziert aus eigenen Mitteln, Sponsorengeldern und einer Kooperation mit dem Theater Ingolstadt, das die Inszenierung als Gastspiel zeigen wird. Die Computeranimationen stammen von der Augsburger Firma Heimspiel, die mit dem Staatstheater schon für andere Produktionen Video-Arbeiten erstellte.

Das Staatstheater zeigt Orfeos Unterwelt in 3D

Nicht nur einen großen technischen Aufwand bringt diese Inszenierung mit sich, sondern auch einen logistischen, schließlich muss unter jedem Sitz im Martinipark eine Kiste mit einer VR-Brille platziert werden. Sollte eine der Brillen nicht funktionieren, wird umgehend – auch während der Vorstellung – für Ersatz gesorgt. „Wir können das am Technikpult kontrollieren“, erklärt Bücker.

Wie die Sicherheitsunterweisungen im Flugzeug

Bleibt nur noch, dass auch die Zuschauer wissen, wie sie in den Genuss des dreidimensionalen Theatererlebnisses kommen. „Das wird laufen wie bei den Sicherheitsunterweisungen im Flugzeug“, erklärt André Bücker. Vor der Ouvertüre gebe es eine szenische Einführung mit der Schauspielerin Katja Sieder. Wann die VR-Brillen aufgesetzt werden müssen, ergebe sich im Fluss der Inszenierung und sei gut zu erkennen, meint Bücker. Zur Sicherheit gebe es aber auch noch Einblendungen auf einem Leuchtband.

Wer sich auf die digitalen Erlebniswelten nicht einlassen möchte, wird die Inszenierung auch vollständig direkt auf der Bühne verfolgen können. „Es gibt ein Bühnenbild und die Sänger stehen auf der Bühne, auch das Orchester spielt live“, versichert Bücker. „Wir werden das analoge Theater nicht abschaffen.“ Gleichwohl stellt man sich wohl besser auf das digitale Staatstheater ein. „Die ästhetischen Möglichkeiten dieser Technik werden uns weiter beschäftigen“, kündigt der Intendant an. Möglicherweise sei „Orfeo ed Euridice“ ja der Startschuss in eine fünfte, eine digitale Sparte.

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