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Interview

15.04.2020

Das Wort "beide" ist den Gartner-Brüdern wichtig

Ein Geschenk zu ihrem 45. Geburtstag von Christian Schad: Joachim Lothar (links) und Hansjürgen Gartner (rechts).

Die Zwillingsbrüder Gartner feiern ein Jubiläum

Nicht wegzudenken aus Augsburgs Kunstszene sind die Zwillingsbrüder Hansjürgen und Joachim Lothar Gartner, geboren am 16. April 1945 geboren in Steinschönau (Böhmen). Über Leipzig kamen sie 1949 nach Wien. Dort wuchsen die Brüder auf, studierten Textildesign und kamen 1965 in die Textilstadt Augsburg. 1970 bezogen sie das Atelier im Holbeinhaus. 1989 folgte Joachim Lothar dem Ruf als Lehrbeauftragter nach Wien. Hansjürgen blieb in Augsburg. Am 16. April 2020 feiern die Brüder wegen der Corona-Pandemie getrennt ihren 75. Geburtstag.

Wie gehen Sie mit der Krise um?

Hansjürgen Gartner: Ich sehe in der Corona-Pandemie wie in jeder Krise die Chance, eine Botschaft herauszufiltern, etwa wirtschaftliche Verflechtungen zu überdenken.

Das Wort "beide" ist den Gartner-Brüdern wichtig

Joachim Lothar Gartner: Diese Krise ist eine Herausforderung. Leere Straßen und Plätze muten fast surreal an. Aber ich stelle fest, dass die damit verbundene Ruhe zur Entschleunigung beiträgt. Es scheint, als gewinnen andere Werte an Bedeutung als die, das „Goldene Kalb anzuhimmeln“.

Die Zwillinge und Künstler Joachim Lothar Gartner (links) und Hansjürgen Gartner feiern am 16. April ihren 75. Geburtstag.
Bild: privat

Feiern Sie Ihren Geburtstag 2020 später zusammen?

Joachim Lothar Gartner: Eine gemeinsame wäre toll gewesen, wir holen sie nach.

Haben Sie sich beide schon als Kinder mit „Kunst“ beschäftigt?

Hansjürgen Gartner: Das Wort „beide“ ist wichtig, denn wir machten fast alles gemeinsam, auch das Zeichnen. Dank unseres Vaters und im Zusammenhang mit Museumsbesuchen erwachte früh unser Interesse an Kunst. In der Volksschule entdeckten die Lehrer unser Talent. So gewann die Kunst immer größere Bedeutung, bis sie unser Lebensinhalt wurde.

Gab es für Sie auch andere Berufswünsche?

Joachim Lothar Gartner: Wie erwähnt, wurde der Grundstein für die Beschäftigung mit Kunst früh gelegt, sodass im Hinblick auf eine Berufswahl für mich nur etwas mit Kunst vorstellbar war. Vom Bühnen- und Kostümbildner, über Textil- und Modezeichner, Grafik- und Industrie-Designer bis zum freischaffenden Künstler reichte die Palette der Wünsche.

Hansjürgen Gartner: Es klingt merkwürdig, aber diese Frage stellte sich gar nicht. Unsere Berufswahl musste etwas Künstlerisches sein.

Was sind die Höhepunkte in Ihrem Künstlerleben?

Hansjürgen Gartner: Einer der ersten war zweifellos 1973 die Verleihung des Kunstförderungspreises der Stadt Augsburg an uns beide und 1984 ebenfalls an beide die Verleihung des Lovis Corinth-Förderpreises im Museum Ostdeutsche Galerie. Spannend war die zeitweise künstlerische Arbeit mit den Städtischen Bühnen Augsburg. Joachim Lothar zählt zu seinen Höhepunkten die Begegnung mit dem Bildhauer-Urgestein Alfred Hrdlicka, für den er 2008 die Schau „Der Titan und die Bühne des Lebens“ ausgerichtet hatte.

Künstler zeigen politische Überzeugungen oft in ihren Arbeiten. Gilt das auch für Euch?

Hansjürgen Gartner: Diese Überzeugung habe ich erst in Deutschland in den 1960/1970er Jahren kennengelernt. Inzwischen halte ich es für wichtig, als Künstler Position zu beziehen, derzeit zur Umweltzerstörung und Missachtung von Humanität.

Joachim Lothar Gartner: Es gibt Künstler, die eine Botschaft vermitteln, aber auch solche, für die Kunst nur Kunst sein darf, ohne etwas zu müssen.

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