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Staatstheater Augsburg

29.01.2019

Das erwartet Sie bei der nächsten Ballett-Premiere

Lichtdurchflutet ist der neue Ballettsaal im Gaswerk, in dem sich die Tänzer auf die nächste Premiere vorbereiten.
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Lichtdurchflutet ist der neue Ballettsaal im Gaswerk, in dem sich die Tänzer auf die nächste Premiere vorbereiten.
Bild: Michael Hochgemuth

Das Ballett bereitet sich im neuen Domizil im Gaswerk auf die Premiere von „Missing Link“ am Freitag vor. Ihsan Rustem erarbeitet dafür seine Choreografie „Yidam“, zu der ihn Meditation inspirierte

Dass Brasilianer in Augsburg auch diszipliniert und pünktlich ihrer Arbeit nachgehen können, stellt derzeit die Ballettcompagnie des Staatstheaters Augsburg unter Beweis. Fünf Landsleute des Fußballers Caiuby tanzen im Ensemble des Staatstheaters. Und im Gegensatz zum FC Augsburg, der derzeit ja nicht nur Schwierigkeiten mit seinem unwilligen Spieler hat, tanzt die Compagnie unter der Leitung von Ricardo Fernando und seiner Frau Carla Silva – beide übrigens ebenfalls gebürtige Brasilianer – seit zwei Spielzeiten von Erfolg zu Erfolg.

Das Ballett Augsburg ist ins Gaswerk gezogen

Jetzt startet das Ballett zu neuen Höhenflügen – und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn nach dem Schauspiel haben nun auch die Tänzer das neue Domizil im Gaswerk bezogen: Im 6. Stock, unter der Kuppel des historischen Ofengebäudes, proben sie in dem lichtdurchfluteten Saal für den nächsten Ballettabend „Missing Link“, der an diesem Freitag in der Brechtbühne im Gaswerk Premiere hat.

Mittendrin ist Ihsan Rustem, der zu dem vierteiligen Abend die Choreografie „Yidam“ beisteuert. 2015 schuf er dieses Stück zur zeitgenössischer Violinmusik „Weather One“ von Michael Gordon. Wenn man sich mit dem 36-Jährigen darüber unterhält, ist man schnell in einem Gespräch über Meditation, denn die eigenen Erfahrungen mit Meditation inspirierten Rustem zu seinem Tanzstück.

Vor fünf Jahren begann er selbst zu meditieren, und was er dabei erlebte, überraschte ihn: „Statt zur Ruhe zu kommen, erlebte ich einen Sturm im Geist.“ So viele Gedanken hätten ihn überfallen. „Sie kämpften um Beachtung, und es war, als hätte jemand an die Tür geklopft, den man nicht sehen will.“ Erst nach und nach habe er gelernt, sich zu fokussieren und seinen Geist zu beruhigen. Für Rustem ist hier eine enge Verbindung zum Tanz. „Wenn wir auf der Bühne stehen, ist so viel um uns herum, die Kulissen, das Licht, das Publikum, aber wir müssen präsent sein in diesem einen Moment.“ Heute meditiert er täglich und hat sein „Gedankengewitter“, wie er es nennt, im Griff, erreicht jene Verbindung mit dem Geist, die im Tibetischen „Yidam“ heißt – wie Rustems Choreografie. Diese Verwirrung des Geistes und die Ruhe des bei sich seins hat der Choreograf in eine moderne Bewegungssprache überführt.

In Zürich zuhause, in der Welt unterwegs

Wer Ihsan Rustem im Ballettsaal beobachtet oder ihm im Gespräch gegenübersitzt, spürt diese Ruhe auch in der aufmerksamen und freundlichen Zugewandtheit, mit der er anderen Menschen begegnet. Der Engländer mit türkisch-zypriotischen Wurzeln wuchs in London auf und erhielt hier ab seinem 14. Lebensjahr auch seine Ballettausbildung. Zuvor hatte er sich allerdings schon Meriten im Kampfsport verdient – mit dem schwarzen Gürtel in Karate. Begeistert erzählt er in einer lustigen Mischung aus englisch und schwyzerdytsch eingefärbtem deutsch von seinem Wohnort Zürich. „Da will ich nicht mehr weg, da passt für mich alles.“ Unterwegs ist er aber trotzdem oft, er ist Residenz-Choreograf des North West Dance Project in Portland (Oregon), choreografiert für Hubbard Street Dance Chicago ebenso wie für die Ballette in Regensburg, Würzburg und Konstanz. Demnächst arbeitet er für das renommierte Nederlands Dans Theater. Als Choreograf mit einer eigenen zeitgenössischen Handschrift ist Rustem sehr gefragt – wobei ihm daran liegt, Perspektive, Thema und Idee in seinen Arbeiten stets zu variieren. „Same pasta, different sauce (die gleichen Nudeln, andere Soße), das ist mir zu langweilig“, versichert er.

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