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Staatstheater Augsburg

08.01.2019

Das ist das Thema der nächsten Premiere "Oleanna"

Der Regisseur Axel Sichrovsky inszeniert David Mamets "Oleanna".
Bild: Tim Dobrovolny

Plus David Mamets „Oleanna“ aus dem Jahr 1992 stellt Fragen, die heute brisanter denn je sind. Premiere ist am Donnerstag, gespielt wird aber an der Universität.

Ein angesehener Professor, eine junge Studentin, ein Vieraugen-Gespräch in einem Büro der Universität. Das ist die Ausgangslage von David Mamets Stück „Oleanna“, in dessen Verlauf sich Machtstrukturen offenbaren und verkehren. Denn ist beim ersten Zusammentreffen der beiden Protagonisten noch der Mann der Überlegene, derjenige, der aufgrund seines Status’ und seines Wissens die junge Frau belehrt, hat sich das Blatt beim zweiten Gespräch gewendet: Carol hat John bei der Berufungskommission der Universität gemeldet, weil er ihrer Ansicht nach übergriffig geworden ist. Für den Professor steht damit nicht nur sein Ruf, sondern auch seine Beförderung auf dem Spiel.

Wie aktuell das Thema ist, liegt auf der Hand. Die #MeToo-Debatte, ausgelöst durch die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein, bestimmten die öffentlichen Diskussionen im vergangenen Jahr weltweit. Doch „Oleanna“ ist kein Stück, das im Zuge dieser Ereignisse entstanden ist, sondern stammt aus dem Jahr 1992. Dies sei aber mitnichten eine Verlegenheitslösung, weil es an aktuellen Stücken noch mangele, stellt Regisseur Axel Sichrovsky klar.

Ein Machtkampf zwischen Professor und Studentin

„Die Qualität von „Oleanna“ liegt darin, dass es darin nicht nur um geschlechtsspezifische Machtkämpfe gibt, sondern dass der Blick geweitet wird auf grundsätzliche Machtmechanismen.“ Etwa die, die sich aus der Zugehörigkeit zu verschiedenen Klassen oder dem unterschiedlichen gesellschaftlichen Status der beiden Protagonisten ergeben. Damit hat Mamets Stück nach Ansicht Axel Sichrovskys der aktuellen Debatte durchaus etwas hinzuzufügen. Besonders auch dadurch, dass es wenig objektivierbare Wahrheiten in dem Stück gibt. Welche Äußerung ist Kompliment, welche schon Anmache? Was ist ein charmanter Flirt oder kalkulierte Provokation? „Die Beurteilung der Geschehnisse hängt vom Betrachter ab“, ist sich Sichrovsky sicher, denn der Machtkampf zwischen dem Professor und seiner Studentin läuft zu einem großen Teil gar nicht durch offensichtliche Taten, sondern über die Sprache ab. „Der Interpretationsspielraum ist so größer“, meint Axel Sichrovsky.

Das Staatstheater Augsburg geht an die Universität Augsburg. Gespielt wird dort David Mamets Stück "Oleanna". In unserer Videokolumne "Theatergeflüster" erklären wir Ihnen, worum es darin geht. Nur so viel vorneweg: Der Inhalt könnte Sie an die MeToo-Debatte erinnern.
Video: Richard Mayr

Der gebürtige Wiener ist in Augsburg kein Unbekannter. Von 1999 bis 2001 war er unter Intendant Ulrich Peters Ensemblemitglied am Stadttheater. Als Che Guevara stand er über dieses feste Engagement hinaus noch im Musical „Evita“ auf der Bühne in Augsburg. Hier unternahm Sichrovsky 2001 auch seine ersten Regieversuche mit „Helden wie wir“ – „genau auf der Probenbühne in der Kasernstraße, auf der wir jetzt auch „Oleanna“ probten“, erinnert er sich. Beruflich fährt Sichrovsky, der jetzt in Berlin lebt, seitdem zweigleisig, inszeniert an Häusern wie dem Anhaltinischen Theater in Dessau, dem Landestheater Coburg und dem Theater Klagenfurt; zugleich arbeitet er als Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen.

Bezüge zur Studentenschaft

„Oleanna“ inszeniert er sozusagen an einem Originalschauplatz, einem Hörsaal der Augsburger Universität. „Vor allem im 3. Akt gibt das der Aufführung einen besonderen Zugang, wenn wir die vierte Wand öffnen und Bezüge zur Studentenschaft und zur Universität herstellen“, verrät Sichrovsky.

Der besondere Schauplatz ist für das Theater aber auch Anlass, sich mit den Fragen, die das Stück stellt, nicht nur auf der Bühne zu beschäftigen, sondern auch im wissenschaftlichen Diskurs. „Uns gibt das die Möglichkeit, dass Theater und Universität noch einmal anders zusammenwachsen als durch die Örtlichkeit“, stellt Dramaturgin Sabeth Braun dar. Im Anschluss an die Vorstellungen gibt es deshalb Podiumsdiskussionen mit Persönlichkeiten, die sich mit Gender- und Gleichstellungsfragen schon wissenschaftlich befasst haben.

Weitere Informationen

Premiere von David Mamets „Oleanna“ am Donnerstag, 10. Januar, um 19.30 Uhr im Hans-Holbein-Hörsaal (Hörsaal II, Gebäude C) der Universität Augsburg

Dauer 2 Stunden mit Pause

Regie Axel Sichrovsky

Bühne und Kostüme Jan Steigert

Dramaturgie Sabeth Braun

Darsteller Andrej Kaminsky (John), Katja Sieder (Carol)

Rahmenprogramm Publikumsdiskussionen im Anschluss an die Vorstellungen mit Marion Magg-Schwarzbäcker, Prof. Kerstin Schlögl-Flierl, Klaus Vogelgsang von der Universität Augsburg sowie Vertreterinnen des AStA-Referats für Gender und Gleichstellung (17. Januar), mit Rebecca Gulowski, Interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforscherin, und Barbara Emrich von der Gleichstellungsstelle der Stadt Augsburg (2. Februar), mit der Kulturwissenschaftlerin Mithu M. Sanyal (9. Februar) und mit Ramona Hubl von Wildwasser Augsburg (15. Februar); außerdem gibt es eine Lesung mit Bettina Wilpert aus ihrem Roman „Nichts, was uns passiert“ am 29. Januar um 20 Uhr im Hörsaal II.

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