28.03.2019

Das seid ihr Hunde wert!

Theaterwerkstatt geht mit Erich Mühsam auf Zeitreise

Wer war eigentlich Erich Mühsam? „Ein sehr leidenschaftlicher Hitzkopf“, „ein großer Spötter und Humorist“, zwar „kein wirklich großer Autor“, dafür wiederum „ein kritischer Beobachter seiner Zeit“ und „ein großer Menschenfreund“. Mit all diesen Worten beschreibt Matthias Klösel den anarchistischen Schriftsteller, der führend an der bayerischen Revolution 1918/19 beteiligt war. Und in dessen Welt der Schauspieler zusammen mit Musiker Tom Gratza eintauchen will, mitten hinein in die Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg.

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„Das seid ihr Hunde wert!“ heißt das Programm der Theaterwerkstatt Augsburg. Zwölf Rebellenlieder wird das Publikum hören, alle aus der Feder Erich Mühsams. Mal sind die vertonten Texte politisch, mal kabarettistisch, dann wieder persönlich oder philosophisch. „Das gibt einen sehr guten Eindruck von der Zeit“, sagt Matthias Klösel. Einer Zeit, in der das, was heute die Digitalisierung ist, die Industrialisierung war, fügt der Schauspieler hinzu, die Leute nach einem neuen Menschenbild suchten, sich zerrissen fühlten und die Verstädterung immer weiter zunahm.

1878 in Berlin geboren, sollte Mühsam nach dem Willen seines Vaters ein bürgerliches Leben führen. So wirklich geklappt hat das aber nicht. Stattdessen entwickelte er das Lebensmotto „Sich fügen heißt lügen“, saß mehrere Jahre im Gefängnis und hatte fast immer Geldsorgen. „Auch wenn er selbst meistens pleite war, hat er das wenige, was er hatte, immer großzügig verteilt“, erzählt Klösel. Ebenso setzte er sich energisch für andere politische Gefangene ein und warnte schon früh vor der drohenden Gefahr durch den Nationalsozialismus.

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Die „anarchistische Zeitreise mit Erich Mühsam“ schließt die Veranstaltungsreihe „Rote Fahnen über Augsburg“ zur Revolution und Räterepublik in Bayern 1918/19 thematisch ab – auch wenn sie es nicht mehr in das Programm geschafft hat. Schon im November widmeten Gabriele Fischer und Stofferl Maier dem Revoluzzer Mühsam einen Abend, insbesondere seiner Zeit in der „berühmt-berüchtigten Schwabinger Bohème“. Klösel führt das gemeinsam mit Gratza nun fort, während er sich mit der Reihe sehr zufrieden zeigt. „Das war rundum eine abwechslungsreiche und tolle Sache, die von den Leuten gut angenommen wurde.“

„Das seid ihr Hunde wert!“ ist am Samstag, 30. März, ab 20.30 Uhr, und am folgenden Sonntag ab 18 Uhr im City Club zu sehen. Außerdem am Mittwoch, 10., und am Freitag, 12. April, im Brechthaus, jeweils ab 20 Uhr.

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