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Friedberger Musiksommer

05.09.2019

Der Broadway lag an diesem Abend in Friedberg

Die Allstars präsentieren dem Friedberger Publikum zum Auftakt Songs aus den 1930er Jahren.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Allstars eröffneten das Festival mit Jazz und Swing und gehen mit Karl-Heinz Steffens in Richtung New York. Das Publikum feierte die Musiker.

Eine ausverkaufte Rothenberghalle, attraktive Unterstützer aus Politik und Wirtschaft, das Wiedersehen mit den Allstars – Gerd Horseling von den „Bürgern für Friedberg“ strahlte. Mit gehörigem Feuer eröffnete am Mittwoch die Bigband umjubelt den 18. Friedberger Musiksommer.

Karl-Heinz Steffens, Dirigent, künstlerischer Leiter, Jazz-Klarinettist, bekennend dauerverliebt in seinen früheren Wohnort, musizierte im Rund der Allstars, die in allen Elementen prominent besetzt waren: mit Tal Balshai (Piano), Michael Griener (Schlagzeug), Jan Roder (Bass), der Bläser-Riege aus Saxofonen (Meister-Arrangeur Prof. Thomas Zoller, Norbert Nagel, Florian Riedl, Christoph Hörmann, Ulrich Wangenheim), Trompeten (Claus Reichstaller, Felix Ecke, Peter Tuscher; Steffens: „Vollpower“), Posaunen (Patrick Flassig, Eberhard Budziat, Lukas Jochner, Johannes Herrlich; Steffens: „wunderbar weich“). Mittendrin und entspannt moderierend Karl-Heinz Steffens. Er ließ mit feiner Koketterie so manchen Joke raus über die teils im „erfahreneren Alter“ agierenden Mitstreiter. Doch was die dann im Programm „Friedberg goes Broadway“ ausschleuderten, hatte mitreißenden jugendlichen Idealblutdruck, als es Swing, Arrangements zu Musical, Filmsoundtracks und Show-Hits der frühen 1930er Jahre bis heute zu hören gab.

Eine Reise in den Kosmos namens "Broadway"

Mit Gillespies „You go to my head“, das die musizierenden Gruppen zum Auftakt quasi eine nach der anderen heranrollen ließ, wurde man unwiderstehlich mitgenommen auf die Reise in den Kosmos namens „Broadway“, aber auch in die Nebenstraßen von „Big Apple“, den Theatern und Klubs „Off Broadway“. Ein Schwerpunkt: Cole Porter. In „Begin the Beguine“ konnte dieser rhythmisch elektrisierende Tanz ebenso fröhlich wie scharf konturiert aufblitzen. „Easy to love“ verlor sich nicht in verzehrender Hitze, sondern ließ Piano, Tenorsax, die Trompeten fast sachlich cool machen. Oder: „I’ve got you under my skin“ setzte das brillant präludierende Nichtbläser-Trio Piano/Drums/Bass mit rhythmischem Starkstrom den fetzig-kompakten Posaunen-Chorus in Bewegung – dies, wie die anderen Nummern, gingen unter die Haut.

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Richard Rogers, immer verbunden mit seinem Librettisten Hammerstein, durfte im Reigen der populären Hits nicht fehlen: „I could write a book“ demonstrierte eine elegant gedämpfte, fein austarierte Bläser-Ästhetik im anspruchsvollen Arrangement, in dem Phasen fast schelmischer Zuspitzungen zu genießen waren. Welche Faszination der am Broadway überaus erfolgreiche, fast fremde Ton den deutschen jüdischen Emigranten Kurt Weill ausübte, wurde mit „My Ship“, oder als Zugabe mit dem berühmten „Speak low“ demonstriert. In den vielen Highlights ragte durch Rasanz, rhythmische Eruptionen (Bass, Drums) und dämonische Dramaturgie das magisch in den Bann ziehende Arrangement „Stella by Starlight“ aus Victor Youngs Soundtrack zum Horrorfilm „The Uninvited“ heraus. Das Publikum feierte seine Allstars.

Was rund um das Konzert gesagt wurde, lesen Sie hier.

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