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Kunst im öffentlichen Raum

08.04.2021

Der Heilige Georg hatte viele Stationen in Augsburg

Der Georgsbrunnen vor der Stadtmetzg.
Foto: UIrich Wagner

Plus Als Bronzeskulptur hat der Heilige Georg ein bewegtes Leben geführt in Augsburg. Mehrfach wechselte er den Standort. Dann erhielt er einen Zwillingsbruder.

Gerade in Augsburg war und ist der christliche Kampf gegen das Böse beliebt. Scheint auch eine ewige Aufgabe zu bleiben.

Der heilige Erzengel Michael ersticht in Form des Turamicheles den Satan alljährlich unermüdlich im Takt des Glockenschlags, und vor der Metzg unterhalb des Perlachturms finden wir noch den Heiligen Georg, der seine Lanze jenem gefährlichen Drachen in den Rachen stößt, dem nahe der Stadt Silem im heutigen Libyen die Prinzessin und Jungfrau Aja geopfert werden sollte.

Der Heilige Georg aber hat’s verhindern können – mehr noch: Gute Teile der Bürgerschaft Silems ließen sich nach seiner Tat taufen. Prinzessin gerettet, Christengemeinde vermehrt. Sicherlich eine feine Bilanz in seinen Augen – auch wenn er Aja nicht ehelichte.

Der Heilige Georg ist rumgekommen in Augsburg

Das Abbild dieses Heiligen Georgs ist rumgekommen in Augsburg. Wenn er weiterhin in vollem Harnisch, der durchaus dem Harnisch vom Stoinernen Mo gleicht, dem Drachen vor der Metzg zu Leibe rückt, dann als Kopie. Der originale Bronzeguss befindet sich seit 2004 im Maximilianmuseum.

Dieser originale Bronzeguss von leicht übernatürlicher Größe war einst an einer Ecke der neu errichteten Geschlechter- oder Herrenstube gegenüber dem alten gotischen Augsburger Rathaus aufgestellt worden – bevor er in späteren Jahrhunderten auf Wanderschaft ging. Die Annalen verraten: „Den ritter sant Jörgen hat man nachmittag hinauf an das eck gestellt, wie er jetzo dann steet, in dem monet september den 14.tag in dem 1565. jar, und hat gewogen 10 zentner und 25 pfund.“

Also 1565. Erst 1961, knapp 400 Jahre später, wurde jenes Monogramm am Sockel der Skulptur entdeckt, anhand dessen wenigstens auf den Gießer der Bronze geschlossen werden konnte: Veit Ditsch. Der Künstler selbst, der Modelleur, ist unbekannt. Für ihn bot sich der Heilige Georg als Motiv an der Patrizier-Herrenstube einerseits durch dessen ritterlichen Stand an – vergleichbar dem der Patrizier –, andererseits als Rückgriff und Erinnerung an Kaiser Maximilian I., der den Georgsorden erneuert hatte und dessen ritterliche Taten am alten Rathaus dargestellt waren. Vor der Herrenstube thronte der Heilige Georg auf einer Konsole.

1833 wanderte der Heilige Georg vor die Metzg

Das sollte sich ändern. 1826 wurde die Herrenstube zugunsten der einstigen Augsburger Börse abgerissen, und einige Jahre später, 1833, wanderte der Heilige Georg vor die Metzg – nun als Brunnenfigur. Ein Stich aus dem 18. Jahrhundert zeigt, dass dort bereits ein Brunnen, gekrönt mit einer Zirbelnuss, stand. Von 1961 an sah man Georg – restauriert mit Mitteln der Alt-Augsburg-Gesellschaft – auf einer Säule bei St. Jakob, 1993 kehrte er wieder auf den Platz zwischen Metzg und Kresslesmühle zurück, bevor er heute mit seiner ziseliert wiedergegebenen Rüstung im warmen, trockenen, schützenden Maximilianmuseum die Prinzessin Aja vor dem Drachen rettet. Vor der Metzg aber, über den vier Brunnenbecken mit ihren vier wasserspeienden Masken, erhebt sich besagte Kopie.

Dass der Heilige Georg hier wie dort ein Tier mordet, dessen Schwanz sich in Serpentinen dramatisch emporwindet, ist nicht ohne. Denn als heiliger Nothelfer hat Georg eine schützende Verpflichtung gegenüber Tieren. Allerdings nicht gegenüber Wild- und Fabeltieren, nur gegenüber Haustieren …

Hier finden Sie weitere Folgen unserer Serie "Kunst im öffentlichen Raum":

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