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Jazzclub

25.03.2019

Der Stilbruch ist für Monoglot Markenzeichen

Sie nennen sich Monoglot, doch die Musik der deutsch-schweizerisch-isländischen Band ist alles andere als einsprachig.
Bild: Oliver Wolff

Die Band Monoglot verbindet Jazz mit Avantgarde und barockem Kompositionshandwerk. Im Jazzclub spielen sie ihre magische Musik.

Es ist unschwer zu erkennen, dass dieses Quintett auf der Bühne großen Spaß hat. Und nicht nur das: Die Musiker bereiten dem Publikum mindestens die gleiche Freude – obwohl ihre Musik auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erscheint. Die deutsch-schweizerisch-isländische Band Monoglot zeichnet sich aus durch ihren markanten, aber individuellen Sound und ihre zwanglose, unbefangene Art zu improvisieren. Gleichwohl ist ihre Musik alles andere als „einsprachig“, so wie der Bandname suggerieren könnte. Am Samstagabend waren die fünf Künstler im Rahmen ihrer Europatour im Jazzclub zu Gast, nachdem sie zuvor in Wien, Budapest und Prag aufgetreten waren.

Die Zuhörer müssen sich auf das Experiment einlassen

Fabian Willmann und Sebastian von Keler am Tenorsaxofon, Kristinn Smári Kristinsson an der Gitarre, Bassist Pascal Eugster und Schlagzeuger Luca Glausen – diese Konstellation passt. Sie verwenden zwar geläufige Stilmittel aus Minimal Music, Alternative-Jazz, Rock und Punk. Doch ihr eigentliches Markenzeichen ist ein vermeintlicher Stilbruch: Die Verbindung von Jazz mit Musik der Avantgarde und barockem Kompositionshandwerk. Hier und da kann man die Altmeister Olivier Messiaen oder Johann Sebastian Bach aus diesen Epochen heraushören. Als Produkt entsteht ein organisiertes Chaos; multi-rhythmische Disharmonien und choralartige Jazz-Fugen im fließenden, organischen Übergang. Mit abgedroschenem Mainstream-Jazz hat Monoglot nichts zu tun – jedes Stück ist ein Gesamtkunstwerk.

Es ist natürlich erforderlich, sich als Zuhörer auf dieses Experiment einzulassen, wobei die Musiker eigentlich mit dem Experimentieren bereits abgeschlossen haben, so scheint es. Die Musik hat Hand und Fuß. Klar ist aber auch: manches tut weh. Das Laute, Schrille und Extreme ist allerdings Teil des Konzepts. Denn daraufhin wirken die affektbetonten Metamorphosen zu Smooth-Jazz oder Tonmalereien als epische Momente, gar als Halluzinogene.

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Die Komposition „unnur“ (übers. dünn) erzeugt einen solchen Gänsehautmoment. Es ist eines der ältesten Stücke der Band, erzählt von Keler. Er und Willmann können bei ihrem Auftritt in Augsburg mit ihrer ganzen Virtuosität auf dem Saxofon überzeugen; von abwechselnden Dreiklang-Arpeggien bis zu atemberaubenden Freestyle-Improvisationen. Gitarrist Kristinsson weiß mit den cineastischen Klang-Gebilden umzugehen. Bassist Eugster und Drummer Glausen verstehen sich wie blind.

Kein Wunder, bei dieser magischen Musik.

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