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Sommerserie

14.08.2019

Der multikulturelle Stadtteil, älter als Augsburg

Der Stadtplan vom Jahr 1900 zeigt die Marktgemeinde Oberhausen und die Augsburger Vorstadt „Links der Wertach“.
Bild: Geodatenamt Augsburg

Als die Stadt groß ihr 2000-jähriges Bestehen feierte, bezog sie sich auf das Römerlager in Oberhausen. Eingemeindet wurde der Ortsteil erst 1911.

Oberhausen zählt zu den markantesten Augsburger Stadtteilen. So hat die 28500-köpfige Einwohnerschaft mit 66 Prozent den höchsten Migrationshintergrund. Manche sehen das multikulturelle Oberhausen als zukünftigen „In-Stadtteil“. Seine Vielfalt kommt auch von der historischen Entwicklung. Der Stadtteil setzt sich seit 1911 zusammen aus der nach Augsburg eingemeindeten dörflichen Marktgemeinde Oberhausen und der auf Augsburger Territorium entstandenen Arbeitervorstadt „Links der Wertach“, auch Hettenbachvorstadt genannt. Die einstige Stadtgrenze entlang des Hettenbachs wird kaum noch wahrgenommen. Mittlerweile gehört auch der Stadtbezirk „Rechts der Wertach“ oder Wertachvorstadt zum Planungsraum Oberhausen.

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Die Römer errichteten im Jahr 15 v. Chr. im heutigen Oberhausen nördlich des Bärenwirts einen Militärstützpunkt. Seine Lage am Zusammenfluss von Lech und Wertach war strategisch optimal, jedoch durch Hochwasser gefährdet. Etwa 15 n. Chr. wurde dieser Stützpunkt durch ein Kastell auf der Augsburger Hochterrasse nordöstlich des heutigen Doms abgelöst. Ein im Jahr 1709 in Oberhausen entdecktes römisches Grabmal prägte das Gemeindewappen und erinnert nun bei der ehemaligen Ortsmitte an den römischen Ursprung. Die große Augsburger 2000-Jahr-Feier im Jahr 1985 bezog sich also auf den römischen Militärstützpunkt in Oberhausen.

Der Ort hatte kirchliche Herrscher

Das Dorf wurde im 8. Jahrhundert von Alemannen gegründet. Sein Name, erstmals im Jahr 1150 urkundlich erwähnt, stammt von der Lage auf einer Niederterrasse oberhalb der Wertach. Der Ort hatte kirchliche Herrscher wie die Augsburger Bischöfe. Bereits 1844 bekam Oberhausen einen Bahnhof und 1881 eine Pferdebahn nach Augsburg. Neben kleineren Betrieben entstand 1895 die August-Wessels-Schuhfabrik, ein großer Produzent von Sandalen und Leinenschuhen. Trotz allem herrschte wirtschaftliche Not, weshalb sich 1911 die Marktgemeinde nach Augsburg eingemeinden ließ. Heute prägt die 1918 eröffnete Kinderklinik Josefinum den alten Ortskern.

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Mit der Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten sich nördlich und östlich der Augsburger Altstadt mehrere große Textilbetriebe und Maschinenfabriken. Die zugezogenen Arbeiter benötigten Wohnraum. So entstand auf dem alten Augsburger Stadtgebiet westlich der Wertach die Arbeitervorstadt „Links der Wertach“ mit ihrem rasterförmigen Straßennetz. Nach der Oberhauser Eingemeindung wurden im Norden städtische und genossenschaftliche Wohnquartiere errichtet. „Links der Wertach“ und die Quartiere, wie der Eschenhof, galten als Hochburgen der Arbeiterbewegung. Sie gerieten nach der Machtübernahme ins Visier der Nationalsozialisten.

Oberhausen wird weiter wachsen

Das jüngste Durchschnittsalter von 38 Jahren kennzeichnet neben dem höchsten Migrationshintergrund den einwohnermäßig zweitgrößten Augsburger Stadtteil hinter Lechhausen. Oberhausen wird weiter wachsen. So sollen auf den früheren Firmenarealen von Zeuna-Stärker und der Central-Molkerei zahlreiche Wohnungen entstehen. Ein enormes Kulturzentrum entwickelt sich derzeit auf dem Gelände des Gaswerks, einem bedeutenden Industriedenkmal von europäischem Rang. Auch der Fußball-Bundesligist FCA hat seinen Ursprung in Oberhausen. Sicherlich werden von diesem Stadtteil noch weitere Impulse ausgehen.

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Wilfried Matzke leitet das Geodatenamt der Stadt Augsburg. Im Rahmen der Sommerserie „Kultur aus Oberhausen“ beschreibt er traditionell aus seiner Sicht als Stadtvermesser und Geoprofiler den betreffenden Stadtteil.

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