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Kino

17.01.2019

Der tieftraurige Lebemann: Enkel dreht Film über Leo Wagner

Benedikt Schwarzer hat einen Dokumentarfilm über seinen Großvater CSU-Politiker Leo Wagner gedreht.
Bild: Lichtblick Film

Der CSU-Politiker Leo Wagner führte ein Doppelleben im Kölner Rotlichtmilieu. Regisseur Benedikt Schwarzer hat einen Film über seinen Großvater, gedreht.

Eigentlich hätte er keinen Grund, diesen Mann sympathisch zu finden. Er hat sein Geld in Nachtclubs mit Dirnen verprasst, hat seine Ehefrau in Günzburg ständig betrogen und die 15-jährige Tochter mit einer ungeliebten Stiefmutter konfrontiert. Und doch ist dem Filmemacher Benedikt Schwarzer sein Großvater im Lauf der Recherchen immer näher gekommen. „Er war ein Mensch von tiefer Traurigkeit“, sagt er über den äußerlich erfolg- und einflussreichen CSU-Politiker Leo Wagner (1919–2006).

Er war ein Vertrauter von Franz Josef Strauß und im Bonner Bundestag parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion. Weder Abgeordnete noch Journalisten wagten es, seine privaten Eskapaden aufzudecken.

Die Sehnsucht nach tiefer Beziehung und Zärtlichkeit trieb Leo Wagner

„Durch meinen Film wurde für viele das Ganze erstmals verständlich“, erklärt Schwarzer, als er „Die Geheimnisse des schönen Leo“ im Thalia vorstellte. Weder anzuklagen noch reinzuwaschen, war sein Ziel. Er spürte, dass eine Aura des Mysteriösen den Großvater umgab. „Es hat gedauert, alle Schleier zu heben.

Im Nachhinein betrachtet, macht vieles dann Sinn.“ Schwarzer sagt sogar: „Ich habe das Gefühl, dass mein Erkennen auch für ihn wichtig sein würde.“ Bekundete Wagner doch am Ende eines spektakulären Prozesses, hoch verschuldet und des Landesverrats angeklagt, dass er gerne Dinge anders gemacht hätte.

Akribische Recherche bringt einen emotionalen Leo Wagner ans Licht

„Der Wunsch und Wille waren da, aber das Fleisch war schwach. Leo Wagner war sicher kein schlechter Mensch, obwohl er an seiner Familie so gehandelt hatte, dass tiefe Verletzungen blieben“, meint der Filmemacher. Seine Mutter („Sie hat ihren Vater lange vor seinem Tod beerdigt“) öffnete sich vertrauensvoll dem Sohn.

Es erforderte akribische Recherche, um eine neutrale Erzählposition einzunehmen. Mit einer Psychologin hat Schwarzer geredet, um generationsübergreifende Zusammenhänge zu verstehen. Vielleicht habe den Kriegsveteranen eine Sehnsucht nach tiefer menschlicher Beziehung und Zärtlichkeit getrieben bei seinem Doppelleben.

Das ganze Interview mit dem Filmemacher Benedikt Schwarzer lesen Sie hier.

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