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Film

11.02.2020

Die Augsburger sind begeistert vom Oscar-Gewinner "Parasite"

Mit vier Oscars war „Parasite“ von dem südkoreanischen Regisseur Bong Joon Ho bei der Preisverleihung in Los Angeles der große Gewinner.
Bild: Koch Film, dpa

In den Augsburger Kinos ist „Parasite“ jetzt wieder im Hauptprogramm zu sehen. Ein anderer Preisträger ist dagegen erst einmal passé.

Wenn in Los Angeles die Oscars vergeben werden, rückt das Medium Film auch in Augsburg in den Fokus. „Dieses Event facht die Diskussionen über Kino an und weckt das Interesse vor allem an den Filmen, die in den Hauptkategorien gewonnen haben“, haben Michale Hehl und Daniela Bergauer, die beiden Geschäftsführer des Liliom Kinos, immer wieder festgestellt.

Über Mundpropaganda sind immer mehr Zuschauer gekommen

Mit vier Auszeichnungen in den wichtigsten Kategorien war der südkoreanische Film „Parasite“ der große Gewinner und sorgte für Gesprächsstoff. Erstmals wurde nicht ein englischsprachiger Streifen, der noch dazu als bester internationaler Film nominiert und dann auch erfolgreich war, in der Kategorie Bester Film ausgezeichnet.

„Für mich war das keine Überraschung“, sagt aber Wolfgang Schick, Geschäftsführer des Augsburger Kinodreiecks mit den Kinos Thalia, Mephisto und Savoy und schiebt als Erklärung nach: „Wir haben erlebt, wie begeistert die Augsburger von „Parasite“ sind.“ Seit seinem Start Mitte Oktober sei der Film von Bong Joon Ho in seinen Häusern, zuletzt in Matineen und Schulvorstellungen, zu sehen gewesen – mit wachsender Beliebtheit. „Zuerst war eine gewisse Scheu da, sich ein Werk aus Südkorea anzuschauen, doch über Mundpropaganda haben sich die Zuschauerzahlen immer mehr gesteigert. „Das beweist, dass es nicht immer das Starkino sein muss, bei dem die Geschichte dann leider oft mehr in den Hintergrund tritt“, sagt Schick. Die Geschichte von „Parasite“ sei faszinierend, entwickle regelrecht einen Sog für die Zuschauer, schwärmt Schick. Der Film erzählt von einer sozial benachteiligten Familie, die in einer Wohnung im Keller haust und sich nach und nach einschleicht in den Haushalt einer wohlhabenden Familie, bis die Situation eskaliert.

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„Der Oscar motiviert die Menschen jetzt natürlich, sich den Film anzuschauen“, hat Schick festgestellt. Die Nachfrage sei groß und deshalb läuft „Parasite“ im Thalia nun auch wieder im Hauptprogramm. Allerdings: Nicht alle Filme, die durch die Oscars wieder im Gespräch sind, erleben in den Kinosälen jetzt ein Revival. „Once Upon a Time in Hollywood“ etwa, in dem Brad Pitt nun als Bester Nebendarsteller agiert, der ist „durch“, meint Wolfgang Schick. „Den schauen sich die Leute auf Netflix oder Blue Ray an und nicht mehr auf der Leinwand.“ Mit einer Ausnahme. Im Sommer, zur Freilichtkino-Saison, wird der Tarantino-Film, der ja auch als Bester Film nominiert war, dann noch einmal bei „Lechflimmern“ laufen, wie auch andere Nominierte und Preisträger.

"Parasite" in Schwarz-Weiß

Auch im Liliom läuft „Parasite“, jetzt wieder im Hauptprogramm. Neben der farbigen Version sogar in einer schwarz-weiß überarbeiteten Fassung. Michael Hehl findet dies bei einem Film, der im Kontext des 21. Jahrhunderts gedreht sei, „hochinteressant“. „Der Film wirft einen postmodernen Blick auf die Gesellschaft. Mit dem ästhetischen Korn aus vergangener Zeit erhält er einen stärkeren Kunstcharakter“, erläutert Michael Hehl. Nicht verwunderlich, dass das südkoreanische Werk sein Wunschkandidat war, obwohl er nicht mit dem Erfolg gerechnet hat. „Ich war wirklich baff, dass er gleich alle wichtigen Auszeichnungen bekommen hat – und das bei der starken Konkurrenz von „Once Upon a Time in Hollywood“ und „Joker“. Der sei für ihn der Favorit unter den Nominierungen gewesen, meint Hehl und seine Partnerin Daniela Bergauer ist ein wenig enttäuscht, dass er es nicht geworden ist. Aber immerhin: Joaquin Phoenix bekam als bester Hauptdarsteller die goldene Trophäe. „Noch nie gab es einen, der es so sehr verdient hat wie Phoenix für dieses intensive Psychogramm eines Menschen. Ich habe einem Schauspieler selten etwas so abgenommen wie ihm“, sagt sie. Überhaupt, so Bergauer, fänden die Auszeichnungen in diesem Jahr ihre Zustimmung wie nie zuvor. „Es war ein starkes Kinojahr mit vielen Filmen, die man sich gern mehrmals angesehen hat.“

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