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Domsingknaben

13.11.2018

Die Domsingknaben und die große Bach-Box

 Domkapellmeister Reinhard Kammler hat mit den Augsburger Domsingknaben Stücke von Johann Sebastian Bach für eine große CD-Box eingesungen.
Bild: Augsburger Domsingknaben

Die Domsingknaben sind mitbeteiligt an einem Projekt, das alle Werke von Johann Sebastian Bach auf 222 CDs vereint

Wer als Musikliebhaber sich noch ein Gefühl für die handfeste Klangkonserve bewahrt hat, dem muss das Herz hier aufjauchzen: 222 CDs auf einen Schlag, wohlsortiert in einer Box, die fast so groß ist wie ein Weinkarton. Alle, wirklich alle bekannten Werke von Johann Sebastian Bach sind in diesem Riesenpaket enthalten, das den Titel „Bach 333“ trägt, weil es ebenso viele Jahre nach der Geburt des Komponisten erscheint. Alles, was Rang und Namen hat in der Welt der Klassik-Interpreten, ist hier versammelt. Und mitten unter ihnen: die Augsburger Domsingknaben.

64 Bach-Stücke haben die Domsingknaben aufgenommen

Im Unterschied zu den meisten anderen Aufnahmen in dieser Box handelt es sich beim Beitrag des Augsburger Knabenchors um eine Neueinspielung. Auf „Bach 333“ sind nämlich auch all jene vierstimmigen Choralsätze enthalten, die Bach nicht für seine Kantaten oder Passionen verwendete, insgesamt mehr als 180 Stücke. 64 von ihnen haben die Domsingknaben auf einer der CDs eingesungen, übrigens als einziges Knabenstimmen-Ensemble. Dass die Wahl für die Choral-Aufnahmen außer auf die Kölner Akademie und das Vokalconsort Berlin auch auf den Chor aus Augsburg fiel, freut Domkapellmeister Reinhard Kammler umso mehr, als es sich bei der Produktionsfirma um die Deutsche Grammophon handelt. „Bach 333“ ist die dritte Zusammenarbeit der Augsburger mit dem traditionsreichen Klassik-Label.

Die Aufnahmen erfolgten bereits im Sommer letzten Jahres. Kammler hatte sich dazu mit seinen Sängern in die Kirche St. Thekla nach Welden zurückgezogen. Um keine Gleichförmigkeit bei der Wiedergabe der meist kaum länger als eine Minute dauernden Vokalsätze aufkommen zu lassen, wählte der Domkapellmeister unterschiedliche Besetzungen – mal mit lediglich vier Sängern, mal mit acht, ein andermal mit 17 Stimmen. Aber nicht nur mittels der reduzierten Besetzung arbeiten die Aufnahmen das kompositorisch Modellhafte dieser Musik heraus – Bachs vierstimmige Choräle gelten bis heute als Muster des „reinen Satzes“. Auch die allgemein schlanke Stimmführung und der helle Ensembleklang der Domsingknaben binden das Kunstvolle mit dem gewollt Schlichten zusammen, was dem religiösen Charakter dieser Musik wohl ansteht. Gelungen auch, dass in mehreren Fällen ein und derselbe Choral in verschiedenen, von Bach selbst vorgenommenen Harmonisierungen aufgenommen wurde, darunter auch solch bekannte Sätze wie „Ein feste Burg ist unser Gott“ oder „Befiehl du deine Wege“.

Gerade erst ist die Bach-Box erschienen – erhältlich nur als Gesamtpaket, für das einige hundert Euro hinzublättern sind –, doch bei den Domsingknaben sind die Gedanken schon auf die kommenden Projekte gerichtet. Und das nicht nur, weil die Advents- und Weihnachtszeit mit ihren kanonischen Aufführungen vor der Tür steht. Anfang Dezember hat am Staatstheater Augsburg eine neue „Zauberflöten“-Inszenierung Premiere, deren drei Knaben-Partien traditionell von Domsingknaben übernommen werden. Auch die Oper „JFK“, ab März im Martinipark auf der Bühne, rückt schon in Sichtweite. Davor noch gibt es im Februar Mahlers 8. Sinfonie unter Valery Gergiev in Paris, im Mai unter Leitung von Daniel Harding das Britten-„War Requiem“ in München. Den Domsingknaben mangelt es nicht an Herausforderungen.

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