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Ausstellung

01.02.2019

Die Farbe, die über sich hinaus ins Göttliche weist

Die deutsch-libanesische Künstlerin Maha Zarkout erkundet mit ihrer bevorzugten Farbe Weiß das Phänomen der Zeit.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Malerin Maha Zarkout hat sich dem Weiß verschrieben. Im Moritzpunkt zeigt sie erstaunliche Bilder

„Weiß ist meine Farbe. Nie habe ich mit anderen herumexperimentiert.“ So stellt sich die deutsch-libanesische Künstlerin Maha Zarkout vor. Kann man allein mit Weiß überhaupt malen? Es funktioniert, davon kann sich der Betrachter nun in der neuen Ausstellung im Moritzpunkt (Maximilianstr. 28) überzeugen.

Aus zweierlei Weißtönen, der eine milchig-cremig, der andere blendend-strahlend, arbeitet die Malerin Strukturen aus. Sie teilt die Flächen in Streifen und Blöcke. Zunächst sieht diese Malerei völlig unscheinbar aus, gerade so, als fielen Schatten auf die einheitliche Fläche. Doch diese Schatten erweisen sich als gewollte Unterteilungen, als feine Unterbrechungen des Immergleichen. Im großformatigen Triptychon entwickelt sich eine Abfolge, ein Übergang. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ heißen die drei Bilder, und tatsächlich lässt sich die Abfolge als ein Zeitenstrom begreifen – von dem, was sich erst annähert, über die volle, bildfüllende Präsenz bis zu dem, was schon abgesunken ist. Ist das überinterpretiert? „Albert Einstein kommt durch das Licht zur Zeit“, argumentiert Maha Zarkout. Weiß ist das Körperlose, das Ungreifbare, das Reine – es ist da und entzieht sich zugleich.

Die Frankfurter Künstlerin hat noch eine zweite Farbe: das Schwarz in all seinen Mischungen mit Weiß. Ausgesprochen lebhaft wirken ihre ungegenständlichen Kompositionen in vielerlei Grautönen. Sie trägt das Weiß lasierend auf, dass darunterliegende Schichten durchschimmern. Dadurch entsteht Tiefe und wiederum eine zeitliche Abfolge sowohl farblich wie gestisch. Auf die Schichten arbeitet sie auch noch mit Bleistift und Kohle und verstärkt damit Bewegungen und Strukturen.

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Maha Zarkout versteht ihr Schaffen als eine Allegorie des menschlichen Lebens. „Je älter wir werden, desto mehr Schichten legen wir an“, erklärt sie. Nichts versinkt vollständig im Vergessen, etwas bleibt immer. Alte Erfahrungen beeinflussen gegenwärtiges Handeln, das sich wiederum in die Zukunft weisende Wirkungen verspricht – „alles gehört zusammen“. Schon lange setzt sich die Malerin mit dem Phänomen der Zeit auseinander. Immer arbeite sie gleichzeitig an einer Reihe von Bildern, füge ständig noch etwas hinzu und folgt darin ihren spontanen Einfällen und Empfindungen.

Im Atelier stellt Maha Zarkout fest, dass ihre Bilder zu jeder Tageszeit anders aussehen je nach Lichteinfall, denn Weiß reflektiert stärker als jede andere Farbe. Weiß weist über sich hinaus in höhere, in göttliche Wirklichkeiten. Konsequent sind weiße Sakralräume ihre Passion. So hatte sie die neugestaltete Augsburger Moritzkirche entdeckt, in deren 1000-jährigem Jubiläumsprogramm sie nun ausstellt.

bis 9. Mai; geöffnet Mo. bis Fr. 11-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr.

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