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Kinderkonzert

22.01.2019

„Die Zauberflöte“ zum Mitfiebern

Papageno (Wiard Withold) mit seinem Glockenspiel und die „3 Damen“ (von links Kate Allen, Natalya Boeva, Sally du Randt) haben auch auf junge Zuschauer große Wirkung.
Bild: Wolfgang Diekamp

Das Staatstheater Augsburg führt Mozarts Oper als Mini-Krimi für junge Zuschauer auf – und zeigt dabei Respekt für sein künftiges Publikum

„Die schaffen’s“ und „Oh nein, sie schaffen’s nicht“ oder „Der soll doch nicht sterben!“, hörte man junge Stimmen aufgeregt wispern. Es ging darum, ob Pamina und Tamino ihre Flucht aus dem Reich von Sarastro gelingt, und darum, ob Papageno aus Liebeskummer drauf und dran ist, sich aufzuhängen. Was will man mehr, wenn im Theater Spannung herrscht bei den fünf- bis zwölfjährigen Besuchern der „Zauberflöte für Kinder“. Und was Emanuel Schikaneder mit seiner zwischen Possen-Theater und edler humanistischer Weihehandlung hin- und herwogenden Geschichte Mozarts Musik anvertraute und Generationen von Regisseuren alles abverlangte – das darf man für die Kids zum hübschen Mini-Krimi eindampfen und spannungstechnisch auf den Punkt bringen.

Das Staatstheater nahm die Gelegenheit wahr, seine „Zauberflöten“-Produktion für das 2. Familienkonzert weiter zu verwerten, und bot im Martini-Park die Oper als kleine Entführungsstory. Mozart hat’s nicht geschadet und nach einer Stunde war der Jubel bei den jungen Zuschauern groß.

Aileen Schneider und Vera Gertz richteten die Inszenierung von Andrea Schwalbach mit listig-lustigen Texten so ein, dass Prinz Tamino und Pamina, Tochter der „Königin der Nacht“, das Schicksal nach Paminas Entführung durch Sarastros Truppe zusammenführt. Da wird von den „3 Damen“ schon mal Alltags-Tacheles geredet, wenn es darum ging, Papageno als Aufschneider zu entlarven. Und der wundert sich, weil alle ihn fragen, wer bist du? „Ja mei, ein Mensch halt“, und er betont immer wieder zum Vergnügen der Kinder bei jeder Gelegenheit: „Ich bin kein Vogel.“

Wenn den zwei Geharnischten beim groben Verhör von Tamino und Papageno im Sarastro-Milieu mal was nicht passte, rutschte Chorsänger Markus Hauser ein bayrisch-derbes „I hau dir Eine nei“ raus. Das war eine weniger weihevolle, sondern eher eine actionmäßige Tapferkeitsprobe. Als Tamino „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ sang, konnte man die Kaugummi kauende und Augen klimpernde Girly-Pamina auf großer Hintergrundprojektion erleben.

Die puppenhaften, wie an Marionettenschnüren gehängten Sarastro-Leute samt „Königin der Nacht“, die ruckend und zuckend gebannt sind, wenn sie Papagenos verzerrtes „Klinge Glöckchen“-Handy vernehmen, wurden für die „Kinder-Zauberflöte“ übernommen. Auch den Bühnen- und Kostüm-Zauber (Anne Neuser) ließ man sich natürlich nicht entgehen und nistete sich darin erfolgreich ein: „Teatro Sarastro“ ist ein Wanderzirkus, mit Kasperltheater-Bühne. Sarastro beobachtet das alles und schwört, dass sein Zirkus nur zum Besten für Pamina ist und nicht die gestörte „Königin der Nacht“. So zieht wohl die Truppe nach dem Happy End frohgemut weiter.

Und Mozart? Auch hier kam das Genie Amadé wunderbar raus, er übersteht ja schon Schikaneders Libretto. Die großen Arien hielten hervorragend die Stellung und könnten für so manchen künftigen Theaterbesucher ein Schlüsselerlebnis sein. Tamino Daniel Pataky sang mit leicht ansprechendem Tenor, müsste die Texte aber deutlicher ausformen. Jihyun Cecilia Lee ist ein samtiger Pamina-Sopran. Gesanglich wie schauspielerisch überaus amüsant präsentierte sich Papageno Wiard Witholt – „Der Vogelfänger bin ich ja“ oder „Ein Mädchen oder Weibchen“ kamen kultmäßig und erreichten damit die kesse kleine Papagena Sandra Schütt aufs Beste. Olena Sloia zog virtuos messerscharfe „Königin der Nacht“-Koloraturen. Die „3 Damen“ Sally du Randt, Kate Allen und Natalya Boeva sind mimisch komisch und sängerisch top und Tobias Pfülb ein standfester Sarastro-Bass.

Was darüber hinaus Dirigent Lancelot Fuhry mit den Augsburger Philharmonikern bot, waren spannungsvolle Motorik und leuchtendes Melos. Ein brillantes großes Orchester engagierte sich für die Kinder, das zeugt von Respekt für das künftige Publikum.

am 18. (10 Uhr) und 24. Februar sowie 22. April. Die letzten beiden um 15 Uhr.

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