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Internationales Gitarrenfestival

09.04.2018

Die neue Freude an den klassischen sechs Saiten

Ein Meister seines Fachs: Rafael Aguirre im Rokokosaal.

Warum dieVeranstalter meinen, „es geschafft“ zu haben, und dieZuschauer sich mitunter kaum zu atmen trauten

Alégria – das heißt auf Spanisch Freude. Weil sie mit ihrer Musik den Menschen Freude machen wollen, haben sich die Gitarristen Dimitri Lavrentiev, Takeo Sato und Klaus Wladar den Namen „Alégrias Guitar Trio“ gegeben. Und mit einem von Lebensfreude sprühenden Programm eröffneten sie im nahezu ausverkauften Parktheater dann auch ihr 7. Internationales Gitarrenfestival. „Wir denken, dass wir es wirklich geschafft haben!“, meinten die Organisatoren Lavrentiev und Sato, beide Gitarrendozenten am Leopold Mozart Zentrum, angesichts der großen Resonanz auf das Festival, das neben den Konzerten auch Workshops und eine Ausstellung von Gitarrenbauern bot.

Deutlich wurde wieder einmal: Die klassische Gitarre ist weit mehr als Tango oder Flamenco. Mit ihr lassen sich unendlich viele Welten eröffnen, Stimmungen zeichnen und Geschichten erzählen. So verwandelte sich das Alégrias Guitar Trio zunächst mit Musik von Joseph Haydn in ein Kammerorchester, das an einem fürstlichen Hof zum Tanz aufspielt. Bei der „Morgenstimmung“ aus Edvard Griegs „Peer Gynt“ war das zarte Flirren der ersten Sonnenstrahlen nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Weiter ging es mit Isaac Albéniz auf eine Reise ins spanische Granada. Hier begegnete die Gitarre mit ihrer bezaubernden Melange aus Leidenschaft und Melancholie, die man mit ihr so gerne verbindet.

Dazu gehört natürlich auch der Tango. Ganz darin aufgehen ließ in der Barfüßerkirche – auch diese war gut besetzt – das Duo Doris Orsan (Geige) und Johannes Tonio Kreusch (Gitarre). Mit Astor Piazzolla erzählten sie musikalisch in vier Sätzen „L’Histoire du Tango“ (Die Geschichte des Tangos), der zunächst nur auf der Straße und den Nachtklubs gespielt und auch getanzt wurde. Im Laufe eines Jahrhunderts hat er die Konzertbühnen erobert. Getanzt wird dieser Tango nicht. Und doch – wenn Doris Orsan und Johannes Tonio Kreusch diese Geschichte des Tangos präsentieren, wenn die Geige singt, schluchzt und jubelt, die Gitarre sie trägt, sich mit ihr ergänzt und auch mal die Führung übernimmt, dann ist das Tango pur.

Solche Stimmungen, die ganz eintauchen lassen in die Musik, ergaben sich bei diesem Festival immer wieder. Ein Höhepunkt war das Konzert des Spaniers Rafael Aguirre im voll besetzten Rokokosaal der Regierung von Schwaben – ein wahrer Meister seines Faches, der in den großen Konzertsälen auf der ganzen Welt auftritt. In den Mittelpunkt gestellt hatte er zwei Toccatas, eine von Joaquín Rodrigo aus dem Jahr 1933, die andere von Lorenzo Palomo aus dem Jahr 2008 – beide mit ihren rasanten Läufen und tausend Farben halsbrecherisch schwer zu spielen, aber von Rafael Aguirre mit Virtuosität und Leichtigkeit dargeboten. Ganz zart und transparent präsentierte er drei Stücke von Éric Saties, darunter die berühmte Gnossienne Nr. 1, und erzeugte, wie so oft in diesem Konzert, einen jener magischen Momente, in denen sich der Zuhörer kaum mehr zu atmen traute, um die Schönheit dieser Musik nur ja nicht zu zerstören.

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