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Ausstellung

18.01.2019

Die unentdeckte Wallfahrtskirche

Johann Matthias Kagers „Tempelgang Mariens“ wird in der Ausstellung zu sehen sein.
Bild: Siegfried Wameser

Das Diözesanmuseum rückt das ehemalige Chorherrenstift Heilig Kreuz in Augsburg ins Licht

Drei Jahre Vorarbeit stecken in der nächsten Ausstellung des Diözesanmuseums St. Afra. Ab 21. März wird dort die Geschichte des Augsburger Chorherrnstiftes Heilig Kreuz unter dem Titel „König, Bürger, Bettelmann“ dargestellt. Doch das Naheliegendste ist manchmal das Unbekannteste. Museumsleiterin Melanie Thierbach musste bei der Vorbereitung erst einmal eine riesige Lücke feststellen. „Erstaunlicherweise ist für diese bedeutende Wallfahrtskirche keine Literatur vorhanden gewesen. Allenfalls zu einzelnen Künstlern gab es einige Sprengsel, aber keine Gesamtdarstellung zu Geschichte, Ausstattung und Wallfahrt“, sagt sie. Das werde sich mit dem umfangreichen Katalog zur Ausstellung („Ein opulentes Buch mit circa 500 Seiten“) jedoch ändern.

Die Bearbeiter der einzelnen Kapitel sind in die Archive ausgeschwärmt, um die erreichbaren Quellen zum Stift Heilig Kreuz zu sichten. Aus Augsburger Chroniken in der Staats- und Stadtbibliothek habe man dazu einiges herausholen können, erzählt Thierbach. Das Stift entstand Mitte des 12. Jahrhunderts, kam unter die Obhut der Augustinerchorherren und blühte dank des „Wunderbarlichen Guts“, einer Bluthostie, ab 1194 als Wallfahrtskirche auf. Für die spätgotische Hallenkirche hatte sogar Kaiser Maximilian I. ein Glasfenster gestiftet. Bis 1719 barockisierte sie der Füssener Baumeister Johann Jakob Herkomer mit Fresken von Johann Georg Bergmüller. In der Bombennacht im Februar 1944 wurde die Kirche zerstört. Freilich: „Es ist eigentlich viel erhalten geblieben, man nimmt es bei der Größe der Kirche nur nicht recht wahr“, sagt Melanie Thierbach. Zum Beispiel die Gemälde von Rubens und Kager.

Verluste waren schon früher zu beklagen. „Die große Masse an Kirchensilber ging im Schwedenkrieg und im Spanischen Erbfolgekrieg verloren“, weiß die Leiterin des Diözesanmuseums. Dagegen durfte das Stift bei der Säkularisation 1802/03 viele prunkvolle Messkelche behalten, weil die Chorherren noch die Pfarrei betreuten. Die Bayerische Staatsbibliothek bewahrt noch ein Graduale des 15. Jahrhunderts aus Heilig Kreuz auf. Auch die Mirakelbücher der Wallfahrt zum „Wunderbarlichen Gut“ sind fast vollständig erhalten; der Volkskundler und Kreisheimatpfleger Walter Pötzl wertete sie aus und erkundete dabei, welche Anliegen die Wallfahrer hier vortrugen und in welchen Bitten sie erhört wurden.

Einen besonderen Schatz hütet Heilig Kreuz mit seinem Musikalienarchiv. Die Familie Mozart ging im Chorherrenstift ein und aus und musizierte mit den kunstsinnigen Patres. Das Nannerl vermachte den Nachlass ihres Vaters Leopold dem Stift, darunter originale Noten von Wolfgang Amadé, der hier das Salzburger Aufführungsmaterial korrigierte. Von den Kunstwerken aus Heilig Kreuz, die mitunter nach dem Krieg eingelagert wurden, werde die Ausstellung so viele wie möglich zusammentragen, verrät Thierbach.

Dank der erfolgten Sanierung verfügt das Diözesanmuseum nun über optimale Licht- und Klimaverhältnisse. 2019 werde auch noch eine deutsch-englische Beschriftung hinzukommen. „Es hat sich gezeigt, dass Touristen dies erwarten“, erklärt Thierbach. Immerhin zeige das Museum Objekte von europäischem Rang.

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