Junges Theater

02.12.2019

Dieser Zwerg ist zu groß

Adalbert (Christian Beppo Peters), der verstoßene Zwerg, erwartet den Besuch seiner sieben Brüder.
Bild: Wolfgang Diekamp

„Adalbert, der 8. Zwerg“ lebt vom Mitmachen. Die Poesie fehlt dagegen

Putzig sieht es aus, wie der knapp zwei Meter große Adalbert, der ja eigentlich ein Zwerg sein sollte, in ein winziges Bett geklemmt ist, mit einer Minidecke bedeckt und aus einer Puppenküchen-Tasse seinen Frühstückstee trinkt. Wäre er, wie seine sieben Zwergen-Brüder hinter den sieben Bergen, nicht weiter gewachsen, wäre das kein Problem gewesen. „Adalbert, der 8. Zwerg“, heißt das neue Weihnachtsstück von Sebastian Knözinger und Martina Schnell, das jetzt das Junge Theater Augsburg inszeniert hat.

Alle warten gespannt auf die sieben Zwerge

Christian Beppo Peters spielt rührend den zu groß geratenen Zwerg. Die jungen Zuschauer in der Studiobühne fühlen sich gleich mit hinein genommen in das Geschehen. Sie leiden mit Adalbert mit, wenn er davon erzählt, wie ihn die anderen sieben Zwerge verstoßen haben – weil er so sehr gewachsen ist. In seinem Häuschen – ein niedliches Bühnenbild mit all den Miniatursachen, dem Herd, dem Tisch, dem Backblech – lebt Adalbert nur in Gesellschaft mit einer sprechenden Blume. So kurz vor Weihnachten erfasst ihn plötzlich Sehnsucht nach seinen sieben Brüdern und er beschließt, sie einzuladen zur Versöhnung.

Das Stück lebt vor allem vom Mitmachen des jungen Publikums. Die Kinder beteiligen sich, einige rufen oft dazwischen und raten dem großen Zwerg, was jetzt zu tun ist. Sie sind voll mit dabei, wenn Adalbert alles vorbereitet, was es für ein schönes Weihnachtsfest braucht. Die jungen Zuschauer achten darauf, dass die Zimt-Zipfelmützenplätzchen nicht verbrennen, werden selbst zu Tannenbäumen im Wald, ahmen pustend den Wind nach, heulen wie die Wölfe, grunzen wie Wildschweine und freuen sich schließlich darüber, dass Adalbert zwar keinen Baum, aber wenigstens einen Tannenzweig – ein recht mickeriges Ding – irgendwo aus den Tiefen des Waldes aufspürt. Dazu erlernen sie das Lied „O Tannenzweig“. Schließlich warten sie gespannt darauf, ob die sieben Zwerge tatsächlich kommen werden.

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Dieses Weihnachtsstück für kleinere Kinder ist sehr liebevoll inszeniert. Was ihm aber ein bisschen fehlt, ist die Tiefe, die Poesie. Ob die Wendung am Schluss so glücklich ist, nämlich dass die sieben Zwerge inzwischen auf Musical-Tournee mit „Schneewittchen on Ice“ Karriere gemacht haben und sich nun zwei Häuser leisten können – ein kleines für sich, ein größeres für Adalbert – bleibt dahingestellt.

am 15.12. und 22.12. (ausverkauft), jeweils um 15 Uhr

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