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Wir4 im Konzert

11.01.2019

Ein Austropop-Abend, der mehr Zuschauer verdient hätte

Harald Fendrich, der Bruder von Rainhard, spielte den Bass.
Bild: Siegfried Kerpf

In Gersthofen präsentieren „Wir4“ Lieder von Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Rainhard Fendrich. Und die Songs hatte die Band wirklich drauf.

Skepsis ist angebracht. Coverbands sind eigentlich Mogelpackungen und warum sollte sich der geneigte Fan eigentlich eine Combo anhören, die irgendwelche Lieder nachsingt, und dafür Geld bezahlen? Das sind sicher Gedankenspiele, bevor die Entscheidung getroffen wird, ein Konzert von „Wir4“ zu besuchen. Das sind vier Musiker, die sich entschlossen haben, ihr Publikum mit das „Beste von Austria 3“ zu erfreuen. „Austria 3“ – das waren Georg Danzer, Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich. Das sind schon übergroße Schuhe zum Reinwachsen.

Doch nach einem Blick auf die Besetzungsliste der Band wird einem relativ schnell klar, so richtig eine Coverband ist das nicht. Mit Harry Stampfer an den Drums hockt einer, der schon seit 1986 in der Wolfgang-Ambros-Band mitspielt. Hauptsänger Ulli Bäer, der ein bisschen Ähnlichkeit mit Bryan Adams hat, gehörte bereits in den 1970er Jahren zur Sängerriege der Austropop-Szene und arbeitete viele Jahre mit dem im Jahr 2007 gestorbenen Georg Danzer zusammen. Harald Fendrich war viele Jahre Bassist bei seinem sechs Jahre älteren Bruder Rainhard und schließlich noch Gary Lux, der in Amerika mit John Travolta gearbeitet hat. Hinzu kommt: Das gesamte Quartett war auch musikalisch für die berühmte „Austria 3“ als Begleitmusiker und als „Kapellmeister“, wie sich Ulli Bäer bezeichnet, im Einsatz.

Auch Einspieler auf die Videowand

Es wurde dann ein toller Abend, der mehr verdient hätte als die ungefähr 180 Zuschauer in der Gersthofer Stadthalle. Der große Meister Wolfgang Ambros übermittelte vor dem Konzert per Videobotschaft, dass „Wir4“ aus starken Musikern besteht und nur zu empfehlen ist. Die Auswahl der Songs war jedenfalls exzellent und spätestens beim sehr anspruchsvollen Danzer-Titel „Weiße Pferde“, wusste man: Die haben’s drauf. Vielleicht war der über zweistündige Auftritt etwas zu Danzer-lastig, doch damit konnte man im Saal gut leben. Zumal die Musik-Auswahl hervorragend warund Preziosen dabei waren wie „I bin a Kniera“ und „Die Moritat vom Frauenmörder Wurm“, beide vom vielleicht besten Danzer-Album „Narrenhaus“ aus dem Jahr 1978.

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Schön dabei auch die Einspieler auf der Videowand. Wie der uralte Clip mit Danzer, der als Frauenmörderin Hermine Wurm herumschleicht, oder wenn sich im Film der damals erst 20-jährige Ambros mit einigen Leuten auf die Suche nach dem Mörder vom „Hofa“ macht. Immer wieder tun sich neben Bäer auch Harald Fendrich und Gary Lux am Keyboard als Sänger hervor. Zwischen den Liedern wird natürlich in Erzählungen auch ein bisschen damit kokettiert, wie nah die Musiker am Original-Trio dran waren. Aber warum auch nicht? Wer mit solchen Größen gemeinsam auf der Bühne gestanden ist, der darf auch ein bisschen stolz sein. Auch von Harald Fendrichs Bruder ist einiges im Repertoire. Hits wie „Strada del Sole“, „Macho, Macho“ oder „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“ dürfen dabei nicht fehlen. Schließlich beendet die Band mit dem Fendrich-Titel „I am from Austria“ auch den Abend.

„Mir ist klar, dass wir dem Original nie gerecht werden, aber so schlecht waren wir doch auch nicht“, meinte Bäer nach zwei Stunden. „Und wenn es Ihnen gefallen hat, empfehlen Sie uns weiter.“ Das ist hiermit geschehen.

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