Projekt

15.03.2019

Ein Brecht aus Plastik für Augsburg

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2 Bilder
Im Nymphenburger Schlosspark in München hat der Künstler Ottmar Hörl (auf dem Bild) 100 Abbilder von König Ludwig II. auf einer großen Bühne im vergangenen Jahr ausgestellt.
Bild: Michael Schreiner

Der Künstler Ottmar Hörl wird in diesem Sommer in Augsburg mit einer großen Skulpturenausstellung zu sehen sein. Sein Thema: Augsburgs Weltschriftsteller.

Martin Luther hat er schon, Albert Einstein auch. Als Ottmar Hörl in München als Kunst-Guerilla-Aktion schwarze Franz-Josef-Strauß-Skulpturen platziert hat, war das anfangs umstritten und hinterher ein Renner. Hörl ist mit Karl dem Großen in Aachen als Bildhauer historisch geworden, für die Albertina in Wien hat er den Dürer-Hasen gestaltet. Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner gab es eben diesen in Bayreuth, zum 130. Geburtstag von Karl Marx gab es einen roten Marx auf dem Porta-Nigra-Platz in Trier. Und nun wird in diese illustre Schar bald ein neuer aufgenommen: Bertolt Brecht, der von Hörl in Augsburg in Szene gesetzt wird.

Im Garten des Kurhauses Göggingen wird Hörl am 30. Juni 200 Bertolt-Brecht-Figuren präsentieren, wahrscheinlich 80 bis 90 Zentimeter hoch, wie Wolfgang Reichert und Anette Urban von der Maxgalerie in Augsburg sagen. Die beiden sind es, die diese Präsentation in Augsburg zu Wege bringen. „Das geht nur, weil wir in der Arno-Buchegger-Stiftung einen Sponsor gefunden haben“, sagen sie. Drei Monaten sollen die Arbeiten dort zu sehen sein, als neunte Schau der Reihe Parknovellen.

Menschen mit der Kunst verwickeln

Noch ist nicht bekannt, wie die Figuren aussehen werden, ob es der junge oder der ältere Brecht wird. Da werde sich Hörl jetzt Gedanken machen, sagen Reichert und Urban. Auch können die beiden Galeristen noch nicht sagen, wie die Präsentation aussehen wird.

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Hörl hat viele Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg gearbeitet, als Professor und zwölf Jahre lang auch als Akademie-Präsident. Der 1950 in Nauheim geborene Künstler ist gefragt, in diesem Jahr ist er zur Biennale in Venedig eingeladen.

Über sein Kunstverständnis sagt Hörl: „Ich verstehe Kultur nicht als hierarchische Konzeption.“ Als Bildhauer geht es ihm nicht darum, mit großem materiellen Aufwand sich als Künstler selbst zu verwirklichen, sondern im Raum zu wirken und Menschen dort mit der Kunst zu verwickeln. „Die Idee des Originals wird im Allgemeinen überbewertet. Das Original ist eine Chimäre. Eine künstlerische Leistung liegt im Ausdruck der Wirkung, die sie auf eine Gesellschaft hat. Diese Wirkung ist nicht verhandelbar“, sagt Hörl.

Vergangenes Jahr hat der Künstler in Ulm 500 Albert-Einstein-Skulpturen unter dem Titel „Mensch Albert“ auf dem Münsterplatz aufgestellt. In Augsburg wird er mit einer großen Präsentation das erste Mal zu sehen sein. Reichert und Urban berichten, dass sie den Künstler nicht lange dazu überreden mussten, sie glauben, dass Ottmar Hörl selbst Bertolt Brecht für ein Skulpturenprojekt im Kopf gehabt hat.

Am 30. Juni wird Ottmar Hörl eine Brecht-Ausstellung im Park des Kurhaustheaters eröffnen.

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