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Brechtforschung

14.06.2019

Ein Skizzenblatt von Caspar Neher für Augsburg

Dieses Skizzenblatt hat Helmut Hartmann der Stadt geschenkt.
Bild: Richard Mayr

Helmut Hartmann schenkt der Stadt ein Skizzenblatt von Brechts Freund und Bühnenbildner Caspar Neher. Es beschäftigt sich mit Brechts Dramentheorie.

Ein neues Blatt von Caspar Neher – darüber kann sich gerade Brechtforscher Prof. Jürgen Hillesheim freuen. Die Brechtsammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg bekommt einen Zuwachs, weil Helmut Hartmann, Friedenspreisträger der Stadt Augsburg und inzwischen 89 Jahre alt, sich von einem Stück Familienbesitz trennen konnte. Denn Hartmann ist mit dem Augsburger Brechtfreund Caspar Neher verwandt, wie Jürgen Hillesheim sagt.

Auf dem undatierten Skizzenblatt sind mehrere Entwürfe des Bühnenbildners Neher zu sehen. Zentral in der Mitte ist ein Motiv, auf dem eine Frau einen Kopf hält. Dieses Motiv wird dreimal wiederholt. Auf einem Teilbild ist ein Pegasus zu erkennen. Dazu hat Neher auch einen Text geschrieben: „Die Besonderheiten eines Gestus genau wiederzugeben, liegt darin, ihn immer wieder etwas übertrieben zu zeichnen, sodass die Achsen des Handelns immer mehr deutlich gemacht werden.“

Brechts Gestus-Begriff steht im Mittelpunkt

Für Hillesheim ist dieser Hinweis ein wichtiger Schlüssel, um das Alter des Blatts zu datieren. Er vermutet, dass es zwischen 1920 und 1933 entstanden ist. In dieser Zeit hat Brecht seinen Gestus-Begriff entwickelt, der für den Schriftsteller immer die Gesamtheit von Wort, Mimik und Gestik in einer bestimmten Situation bezogen auf einen anderen Menschen war. Was bedeutete, dass die Gesten und die Worte sich in einer Sprechsituation ändern konnten, nicht aber der zugrunde liegende Gestus des Sprechers.

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Hillesheim vermutet, dass sich Neher zentral auf dem Blatt mit dem Salome-Motiv auseinandersetzt, die Tochter des Herodias mit dem Kopf von Johannes dem Täufer. Die Wiederholung des Motivs lässt darauf schließen, dass Neher genau das auf dem Blatt ausprobiert hat, was er auf dem kurzen Textstück auch geschrieben hat. In welchem Zusammenhang dieses Salome-Motiv mit dem Pegasus steht, der links oben auf dem Blatt abgebildet ist, kann Hillesheim nicht erklären.

Helmut Hartmann wollte sich selbst zur Schenkung nicht äußern. Das Blatt ist vorerst nicht öffentlich zu sehen.

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