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Leopold Mozart Zentrum

11.02.2019

Eine Begegnung mit jungen Ausnahmetalenten

Hyun-Jung und Julius Berger (Zweite und Dritter von links) im Kreis der Junior-Studenten Geon-Hyeok Lee (von links), Gustaw Bafeltowski, Clara Dietlin und Michael Wehrmeyer. Begleitet wurden sie am Flügel von Korrepetitorin Ayumi Janke.
Bild: Oliver Wolff

Hyun-Jung und Julius Berger fördern in einer Juniorakademie  junge Cellisten. Nicht nur die Musik ist dabei von Bedeutung.

Wenn man Prof. Julius Berger und seiner Frau Hyun-Jung beim Unterrichten zusieht, merkt man schnell, dass ihre Art von Unterricht etwas ganz Besonderes ist – kooperatives Lernen würde man neudeutsch dazu sagen. Am Samstagabend präsentierte die Juniorakademie für Violoncello am Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ) ihr Abschlusskonzert im Rokokosaal der Regierung von Schwaben. Im Vorgespräch erzählen die beiden Cello-Dozenten über die Hintergründe der Akademie und warum es die vier auserwählten Jungstudenten im Alter zwischen 14 und 17 für drei Tage nach Augsburg zog.

Hochbegabung ist ein Begriff, der heute oft inflationär gebraucht wird, und den man eher bedacht wählen sollte. Mit Fug und Recht kann man allerdings die vier jungen Cellisten Geon-Hyeok Lee aus Seoul, Clara Dietlin aus Paris, Gustaw Bafeltowski aus Warschau und Michael Wehrmeyer aus Regensburg in dieser Kategorie einordnen; alle vier gehören in ihren Heimatländern zur Spitze in der jeweiligen Altersklasse. Julius Berger, selbst ein Weltklasse-Cellist, schwärmt über seine Schützlinge: „Die Jugendlichen sind Ausnahmetalente, die das zukünftige Musikgeschehen mitbestimmen werden.“ Dass Julius Berger mit dieser Einschätzung nicht zu hoch gegriffen hat, deutete sich im Abschlusskonzert an.

Rundumversorgung mit Abendeinladung

Was kann man sich eigentlich unter einer Juniorakademie vorstellen? Das Ehepaar Berger holt weit aus, angefangen vom platonischen Gedanken einer Akademie, also der Begegnung, um der „Wahrheit“ näher zu kommen, bis hin zur Hospitanz der Jungstudenten während des regulären Hochschulbetriebs am LMZ. Dort schauen sie beim Unterricht den Bachelor- und Masterstudenten zu, auch die Studenten inspizieren den Unterricht der Jungstudenten. So können alle voneinander lernen, der Austausch wirkt bereichernd und motivierend. Die Bergers nehmen sich dabei nicht zu wichtig: „Wir sind nur älter, aber wir sind nicht unbedingt die Besseren.“ Eine bemerkenswerte, auch nicht selbstverständliche Haltung bei Musikprofessoren.

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Der zwischenmenschliche Gedanke steht mitunter im Vordergrund und das macht die Juniorakademie in Augsburg vielleicht einzigartig. Hyun-Jung Berger hat nämlich alles organisiert, nicht nur die künstlerische Konzeption, sondern auch die Rundumversorgung. Dass eine Dozentin ihre Studenten vom Flughafen abholt, ist ebenfalls keineswegs selbstverständlich. Der Jüngste ihrer Schützlinge ist mit 14 Jahren Geon-Hyeok Lee; der Südkoreaner wohnte sogar während des Zeitraums bei den Bergers.

Am Vorabend des Abschlusskonzerts wurden alle Studenten und Jungstudenten der beiden Berger-Celloklassen vom Professoren-Ehepaar zum Abendessen nach Hause eingeladen. Die Studenten sollen sich dabei nicht nur über die Musik ausgetauscht haben – ein internationaler und interkultureller Dialog, der, wie die Bergers sagen, in einer immer mehr zum Populismus und Nationalismus neigenden Welt Grund zur Hoffnung gebe.

Doch bei aller Freundschaftlichkeit im Umgang mit den Studierenden, dürfe die Erwartungshaltung an das Musikalische nicht gemindert werden, macht Julius Berger deutlich. Das Niveau der Celloklassen am Leopold-Mozart-Zentrum sei sehr hoch und genieße einen weltweiten Ruf. Michael Wehrmeyer, einer der talentiertesten Nachwuchscellisten in Deutschland, pendelt jede Woche einmal mit dem Zug von Regensburg nach Augsburg, um bei Berger und seiner Frau Unterricht zu nehmen. Der 16-Jährige erzählt: „Der Unterricht ist bei aller Freundschaftlichkeit notwendig streng, meine persönlichen Ziele lassen sich hier sehr gut verwirklichen.“ In drei Jahren möchte er nach seinem Abitur Cello am LMZ studieren.

Im Abschlusskonzert konnte man schon mal eine Kostprobe von ihm hören – eine, die bereits jetzt Vorfreude auf die kommenden Jahre macht. Michael Wehrmeyer spielte die Solosonate op.25/3 von Paul Hindemith, Musik, die für manchen Laien zwar verstörend klingen mag, aber äußerst anspruchsvoll für den Interpreten ist. Nach dieser reifen und professionellen Leistung legte er das „Capriccio per Siegfried Palm“ von Krzysztof Pernderecki, einem noch lebenden Avantgardisten, nach. Mancher Interpret hätte die Komposition, bei der man beim Blick in die Noten im wahrsten Sinne nur schwarz sieht, stur abgearbeitet. Nicht so Michael Wehrmeyer, jede noch so unscheinbare Note füllt der junge Cellist mit Leben und spielt dabei in höchster Perfektion.

Darüber hinaus spielte der 14-jährige Geon-Hyeok Lee die D-Dur-Sonate von Pietro Locatelli mit einer für sein Alter beachtlichen Ausstrahlung. Der 16-jährige Gustaw Bafeltowski interpretierte Beethovens C-Dur-Sonate beeindruckend feinfühlig, aber nicht zu sehr romantisiert. Und Clara Dietlin zeigte ihre ganze Virtuosität bei Tschaikowskys „Variationen über ein Rokoko-Thema“. Mit ihrer intelligenten Phrasierung ist die 17-jährige Französin bisher am weitesten. Begleitet wurden die vier jungen Musiker von Ayumi Janke, der Korrepetitorin der Cello-Klasse, defensiv und verlässlich.

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