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Architektur

18.09.2018

Eine Best-of-Parade herausragender Bauten

Ein markantes Firmengebäude konzipierte das Planungsbüro RSE Architekten für Deuter Sport in Gersthofen. <b>Foto: RSE Architekten, Kassel</b>
Bild: RSE Architekten, Kassel

Zwei Bücher und eine Ausstellung präsentieren Baukultur der letzten Jahre im Allgäu und in Nordschwaben

„Lust auf Baukultur?“ fragen der Schwäbische Architekten- und Ingenieurverein SAIV sowie das Allgäuer Architekturforum und laden ein in die Bucheggervilla an der Thelottstraße, das Museum, dessen zentrales Anliegen es ist, die Architektur Schwabens vorzustellen. Das ist nun mit den Projekten der beiden Vereine in großem Umfang möglich: Sowohl SAIV wie auch das Forum haben gesammelt, was zwischen Donau und Bodensee an Gutem und Qualitätvollem gebaut wurde. Etwa 200 Objekte – Wohnhäuser, Gewerbebauten, öffentliche Gebäude – sind zwischen Buchdeckel gepresst worden, werden in Foto und Text im Museum ausgestellt. Wer also Lust auf Baukultur hat und sich informieren will, wie es um die architektonische Qualität in Schwaben bestellt ist, kommt mit zwei Architekturführern und der gemeinsamen Ausstellung auf seine Kosten.

Fangen wir mit den Allgäuern an: Die präsentieren jetzt schon den zweiten regionalen Architekturführer, nach Bauten der 1990er und frühen 2000er Jahre sind jetzt Gebäude, die zwischen 2006 und 2015 entstanden, das Thema. Das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau von Staab, das Wasserkraftwerk an der Iller von Becker, das Landratsamt Ostallgäu in Marktoberdorf von Stadtmüller, Burkhart und Graf, das Naturhotel Chesa Valisa in Hirschegg von Hermann Kaufmann, die Fiderepasshütte bei Oberstdorf von Schmid – das sind Bauten von großer Bildkraft und in exponierter Lage, zum Teil schon mehrfach ausgezeichnet.

Auch mit Wohnhäusern wie dem eigensinnig an unwegsames Gelände angeklammerten Haus von Noichl & Blüml in Oberstdorf, den noblen Häusern von heilergeiger in kempten oder dem schlichten Ferienhaus in Fischen von Wulf erweist sich das Allgäu zum wiederholten Mal als eine Region der kreativen, mutigen Architekten und Bauherren. Vermutlich stimmt es: Die Nähe zu Vorarlberg und der Schweiz hat einen ermutigenden Einfluss aufs Allgäuer Baugeschehen. So konnte das Architekturforum Kempten, ein überaus rühriger Verein, reiche Ernte halten bei der Auswahl für den Guide und darin eine anspruchsvolle Best-of-Parade abhalten. 59 Objekte wählte die Jury (unter anderen mit der Münchner Landschaftsplanerin Ursula Hochrein und dem Innsbrucker Architekturtheoretiker Andreas Flora) aus, und alle gehen sie achtsam mit der Umgebung und dem Bestand um, bieten sie Mehrwert für die soziale Gemeinschaft.

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So hoch wollten die Aktiven vom SAIV die Messlatte nicht legen, als sie die 136 Objekte im nördlichen Schwaben auswählten. Wolfgang Weise, Peter Wossnig und der Jury (unter anderen mit Hans Engel und Walter Bachhuber) ging es um den breiten Überblick des Guten und Akzeptablen, nicht nur um die Spitze. So findet man aus Stadt und Landkreis Augsburg, aus den Kreisen Aichach-Friedberg, Dillingen und Donauwörth eine große Zahl von ansprechenden Wohnhäusern, die auch mal außergewöhnlich sein dürfen, es aber nicht müssen. Lobenswert nachhaltig ist dabei etwa die Umnutzung der ehemaligen Lammbrauerei in Dillingen zum Wohnen (Architekt Moser und Ziegelbauer).

Man findet Gebäude für Kultur, Gesundheit und Bildung – zum Beispiel die herausragend umgestaltete Moritzkirche Augsburg (John Pawson), die gründlich sanierte ehemalige Synagoge Hainsfarth (Obel) oder das Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf (Hermann Kaufmann) und solche für Infrastruktur (das Rathaus Pöttmes in der spätbarocken Schlossbrauerei von vabb Architekten) und Gewerbe (Deuter Sport in Gersthofen von RSE Architekten). Alles in allem ein großer Bogen an interessanten, eindrucksvollen Bauwerken unserer Zeit.

Im Architekturmuseum werden die Allgäuer und die nordschwäbischen Objekte unterschiedlich präsentiert: Aus dem Allgäu brachte Franz Schröck, der Vorsitzende des Architekturforums, große Banner mit Fotos und Modelle nach Augsburg. Für den SAIV konzipierte Nina Zeilhofer eine kompakte Ausstellungs“kiste“ aus Baugerüsten, in deren Mitte ein Bildschirm alle Objekte digital zeigt. Beide Ausstellungen werden nach der Augsburger Station auf Wanderschaft gehen – in die Architekturgalerie München zieht es die Allgäuer Schau, in den Landratsämtern und dem Augsburger Rathaus wird die SAIV-Präsentation zu sehen sein.

Auch die beiden Architektur-Guides in Buchform sind unterschiedlich: Der Allgäuer Guide ergänzt die Baubeschreibungen mit Essays und Landschaftsfotografien; das Augsburger Buch punktet trotz kleiner Fotos mit guter Gliederung und Übersichtlichkeit. Beide Bücher sind mit Karten versehen und damit als Reiseführer zur Architektur zu verwenden. Und beide sind im Buchhandel erhältlich und kosten dort gleich viel, nämlich 19,80 Euro.

Die Ausstellung ist im Architekturmuseum Schwaben bis 7. Oktober zu sehen, geöffnet Donnerstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr.

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