Ausstellung

15.09.2019

Eine Grenze namens Stadtmauer

Heinrich Klonke hielt 1827 den Oblatterwall der Augsburger Stadtmauer fest. Militärisch spielte die Mauer zu dieser Zeit keine Rolle mehr.
Bild: Städtische Kunstsammlungen

Heute haben die Überreste der alten Stadtbefestigung einen touristischen Wert. Pittoresk erinnern sie an die reiche Geschichte. Früher war die Mauer nicht nur militärisch, sondern auch politisch wichtig.

Wer heute vor den Resten der Augsburger Stadtmauer steht, sieht da etwas Pittoreskes, aus der Zeit Gefallenes, Historisches. In Augsburg verlor die Stadtmauer 1805/06 ihre Bedeutung, als der Status als freie Reichsstadt verloren ging, als Augsburg ein Teil des Königreichs Bayern wurde und seine Unabhängigkeit verlor. 1866 ermöglichte es König Ludwig II. den Augsburgern, die Stadttore und Stadtmauern abzureißen.

Wer zurzeit im Grafischen Kabinett die aktuelle Ausstellung „Augsburgs Wehr und Zier – die Stadtmauer“ ansieht, bekommt einen Eindruck davon, was diese Mauer in den früheren Jahrhunderten tatsächlich war: eine Grenze. Im Mittelalter konnte Stadtluft zum Beispiel frei machen, nämlich nach Jahr und Tag. Wenn es einem Leibeigenen so lange gelang, sich in einer Stadt vor seinem Lehnsherrn zu verstecken, galt er als frei.

Die Ausstellung führt mit Stichen und Grafiken durch die Geschichte der Augsburger Stadtbefestigung, deren Ursprünge bis in die Römerzeit zurückreichen und archäologisch gesichert werden konnten. Im Frühmittelalter schützte sich die Stadt noch mit einem Graben und einer Palisade, an deren Stelle traten dann Graben, Stadtmauer, Türme, Tore und ein Schutzwall.

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Die Stadtgrenze zu passieren war nicht einfach

Notwendig machte den Ausbau der Stadtbefestigung der Fortschritt der Kriegstechnik. Die Kanonen wurden besser, also musste die Befestigung verstärkt werden. In der Ausstellung zu sehen sind Arbeiten, die Augsburgs Belagerung im Spanischen Erbfolgekrieg dokumentiert haben. Georg Philipp Rugendas der Ältere hat festgehalten, wie kurzerhand ein Stück der Befestigung gesprengt wurde – mit Erfolg. Nach wenigen Tagen im Dezember 1703 ergab sich Augsburg den belagernden französischen Truppen.

Ausgestellt sind auch Pläne, die festlegten, wie und zu welchen Zeiten die vielen Stadttore geöffnet wurden. Was wiederum zeigt, wie viel Unabhängigkeit die freie Reichsstadt Augsburg hatte. Sie bestimmte selbst, wann wer und zu welchem Preis hinein- und hinausdurfte. Die Stadtgrenze einfach passieren, so wie das heute möglich ist, das gab es damals nicht.

Das Problem der Stadtmauer war über die Jahrhunderte, dass die Stadt wuchs, die Mauer also periodisch erweitert werden musste. Und das führte dazu, dass es irgendwann auch Stadttore gab, die plötzlich innerhalb der Stadtmauer lagen und keine Wehrfunktion mehr erfüllten. Etwa das Barfüßertor in Nachbarschaft zur gleichnamigen Kirche, das 1825 als ein veritables Verkehrshindernis abgebrochen wurde, oder der Heilig-Kreuz-Turm, der dann als Gefängnis diente, um dort Götz von Berlichingen einzusperren, während ihm der Prozess in Augsburg gemacht wurde. Dem Ritter gelang sogar die Flucht aus dem Turm, nicht aber aus der Stadt.

Die Ansichten, die aus dem 19. Jahrhundert zu sehen sind, zeigen schließlich, wie sich der Blick auf die Stadtmauer gewandelt hat. Sie war jetzt nicht mehr eine Grenze, sondern für die Künstler ein romantischer Ort – etwa in einer Arbeit der Künstlerin Ottilie Girl. Kurze Zeit später kam die erste Bahnlinie von München nach Augsburg – und für den Bahnhof Augsburg und die Verbindung von dort in die Stadt wurden wiederum die Stadtmauer und deren Tore großflächig abgerissen, unter anderem der Alte Einlass, das ehemalige Nachttor der Stadt, das in der Sonderausstellung zu Kaiser Maximilian in einer beeindruckenden 3-D-Animation begeh- und erlebbar war.

Laufzeit der Ausstellung „Augsburgs Wehr und Zier“ ist bis zum 6. Oktober. Geöffnet ist die Ausstellung im Grafischen Kabinett (Maximilianstraße 48 in Augsburg) Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

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