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Kirchenmusik

30.08.2019

Eine Messe für jedermann komponiert

Der Musiker und Theologe Johannes Steber hat eine 15-minütige Ulrichsmesse komponiert. Noch ist das Werk nicht uraufgeführt. Im Augenblick möchte Steber das Werk einspielen und bei einem Verlag veröffentlichen.
Bild: Oliver Wolff

Als Johannes Steber Musik studierte, fing er an, selbst zu komponieren. Dann ermutigte ihn Augsburgs Bischof Zdarsa, dies wieder aufzugreifen.

Denkt man an Messen aus der Musikgeschichte, fallen einem sofort die bekannten Werke wie Mozarts c-Moll-Messe (KV 427) oder die Messen von Anton Bruckner ein. Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie sind für einen großen Rahmen gedacht, dementsprechend sind sie arrangiert und teils gewaltig instrumentiert. „Meine Idee ist, eine Messe kurz zu halten und Modernes einfließen zu lassen“, sagt Komponist Johannes Steber. Der 33-Jährige hat im letzten Jahr seine erste Messe fertiggestellt. Sie trägt den Titel „Ulrichsmesse“.

Stebers Ordinarium hat circa 15 Minuten reine Spielzeit. Der Chor ist nur einstimmig gesetzt. „Mir war wichtig, dass auch Laien die Messe singen und spielen können.“ Die Besetzung besteht minimal aus Klavier und Chor, maximal mit Orchesterbegleitung. Kürzlich wurde die Ulrichsmesse im Tonstudio aufgenommen, eine offizielle Uraufführung gab es noch nicht. „Wir haben Teile daraus immer wieder intern gespielt.“ Derzeit sei eine Videoreihe geplant, die Messe unter anderem auf YouTube zu veröffentlichen. Später soll eine kleine CD-Auflage folgen und die Publikation der Noten bei einem Verlag.

Die Musik ist nicht seine einzige Berufung

Doch wie kommt ein junger Komponist überhaupt dazu, eine Ulrichsmesse zu komponieren? Der Hintergrund ist in Stebers Vita zu finden. Ursprünglich aus Mindelheim kommend, studierte er in Berlin Musik mit dem Hauptfach Trompete. „Ich habe in einem katholischen Studentenwohnheim gelebt und in dieser Zeit meinen Glauben neu entdeckt.“ Schnell wurde ihm klar, die Musik ist nicht seine einzige Berufung. Als 22-Jähriger zog es ihn nach Augsburg, um Theologie zu studieren. Sein damaliges Ziel, Priester zu werden, gab er jedoch während der Studienzeit auf. „Ich habe gemerkt, das ist nicht mein Weg.“

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Stebers Weg sollte ein anderer sein. „Musik und Theologie ergänzen sich gut.“ So kam die Idee, beides zu verbinden. Auch der Titel der Messe kommt nicht von ungefähr. Nach seinem Theologiestudium war der Komponist fast fünf Jahre lang Sekretär des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa, der dieses Jahr zurückgetreten ist. Dieser habe ihn ermutigt, eine moderne Messe zu schreiben. Zum Komponieren ist der gebürtige Mindelheimer während seines Musikstudiums gekommen. „Ich habe immer wieder neue Kompositionen anderer gespielt und festgestellt, dass viele Werke mich nicht berühren.“ So fing Steber an, es selbst zu probieren. Die Ulrichsmesse folgt auf seine ersten zwei Werke, ein „weltliches“, eher jazziges Stück für ein Bläserensemble und ein zeitgenössisches Werk für Trompete und Orgel.

Hinzu kommt eine Prise Popmusik

Die Ulrichsmesse beginnt mit einem lyrischen Vorspiel im Sechsachteltakt. In a-Moll singt der Chor auf Deutsch „Herr erbarme dich!“. Die Harmonik erinnert an den klassischen Choralsatz, hinzu kommt eine Prise Popmusik. Gloria ist in einem rockigen Fünfvierteltakt plus Taktwechsel. Die Komposition ist geprägt von immer wiederkehrenden rhythmischen Patterns. Agnus Dei wirkt im geraden Takt melancholisch. Die Melodie der begleitenden Violine besteht hauptsächlich aus kleinen Sexten und Quarten. Die Basslinie ist absteigend. Der Gesang enthält punktierte Noten und Synkopen – das verleiht der Musik nicht nur Frische, sondern auch einen voranschreitenden Charakter.

„Es gibt viele Messen, die nicht am Text bleiben“, meint Steber. Seine liturgischen Texte bleiben am Original. Durch das vorgegebene Versmaß sei zwar eine gewisse Beschränkung in der Melodieführung gegeben. Das müsse er hinnehmen, denn seine Musik diene dem Text. In der Instrumentierung zeigt sich der Komponist variabel. Die Ulrichsmesse könne auch in einer Bandbesetzung gespielt werden.

Fürs Komponieren verfolgt der 33-Jährige ein Motto: „Ein Bildhauer hat mir einmal gesagt, die Ideen seien alle schon da, es fehle nur der richtige Moment.“ So sehe das auch Steber. Ein weiteres Projekt verfolge er nicht. Aber wer weiß, vielleicht ist die Ulrichsmesse nur der Anfang seiner Komponistenkarriere? Ab September hat der Nachwuchskomponist eine neue Aufgabe: Dann wird er stellvertretender Kulturmanager der Augsburger Domsingknaben und dort in der Geschäftsführung und im Konzertmanagement arbeiten.

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