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Konzert

24.11.2018

Eine Sternstunde der Kammermusik

Im Rokokosaal im Fronhof lieferte ein einmaliges Trio eine tadellose Meisterleistung.

Das Cello startet mit Obertönen auf der A-Saite. Allmählich setzt die Violine ein und spielt dazu eine Melodie, ganz sanft und fast ohne Vibrato. Nun stößt das Klavier mit einer prägnanten Basslinie hinzu. Das ist der Anfang des zweiten Klaviertrios von Dimitri Schostakowitsch, ein Werk, entstanden 1944 während der Belagerung Leningrads. Dieses Stück war am Donnerstagabend Teil eines ganz besonderen Konzerts.

Drei Ausnahmekünstler haben zum Kammerkonzert im Rokokosaal der Regierung im Fronhof eingeladen: Pianistin Lilian Akopova, Geiger Nicolas Koeckert und Cellist Julius Berger. Alle drei sind Musiker von Weltklasseformat, reisen für Konzerte mit renommierten Orchestern um den Globus. Sie haben zum ersten Mal in dieser Formation in Augsburg zusammen gefunden und zeigten dem Publikum ihre gemeinsame musikalische Sprache.

Den Zuhörern dürfte Julius Berger am ehesten bekannt sein – der 64-jährige gebürtige Augsburger ist Professor für Cello am Leopold-Mozart-Zentrum. Der Münchner Nicolas Koeckert stammt aus einer berühmten Musikerfamilie. Sohn Nicolas begann schon früh mit seiner Solo-Karriere. Mit 23 Jahren gewann er den Internationalen Tschaikowsky-Violinwettbewerb. Der 39-Jährige gastierte mittlerweile in so gut wie allen großen Konzerthäusern der Welt, mitunter bei den Berliner Philharmonikern. Lilian Akopova, die mit 35 Jahren Jüngste im Trio, legte ebenfalls eine steile Weltkarriere hin: Die Armenierin gewann sechs erste Preise bei internationalen Klavierwettbewerben und spielt ebenfalls mit berühmten Orchestern.

Atemberaubende Interpretation von Haydns zweitem Satz

Im Konzert konnten die drei Musiker ihre Höchstleistung abrufen: Ihr Zusammenspiel, präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, ihr musikalischer Ausdruck, ein expressiver Kraftakt, aber auch ihr sensibler und warmer Klang sind eine Klasse für sich.

Neben Schostakowitsch wurden auch die Klaviertrios Nr. 39 von Joseph Haydn, auch bekannt als „Zigeunertrio“, und Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy gespielt. Die Interpretation von Haydns zweitem Satz war atemberaubend, wie eine herzzerreißende Klage-Arie. In Mendelssohns viertem Satz konnten die Musiker ihre ganze Virtuosität zur Schau stellen: Der rasante Ritt endete in einer musikalischen Gefühlsexplosion.

Die Zuschauer waren euphorisiert, der ganze Saal erhob sich. Noch in der Garderobe war die Begeisterung über das Musik-Erlebnis zu spüren. Ein Zuschauer betitelte das Geschehene als „Sternstunde“. Es wäre falsch, einen hervorzuheben, alle drei Künstler boten eine tadellose Meisterleistung. Gerne mehr davon!

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