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Premiere

31.10.2019

Eingeholt von der eigenen Vergangenheit

Dreimal Sam Kinsale: Verkörpert in seinen 60ern von Thomas Keller, in seinen 20ern von Christian Ritter und in seinen 80ern von Hans Oebels (von links).
Bild: Zoepf

Das Theater in der Frauentorstraße nähert sich in seiner Inszenierung von „Endspurt“ den großen Fragen des Lebens mit einer schelmischen Leichtigkeit. Warum der Regisseur das Stück von Peter Ustinov auswählte

Das Theater in der Frauentorstraße ist zurück in seiner Stammspielstätte. Sein aktuelles Stück „Endspurt“ war nicht nur eine Premiere für das Publikum, sondern zugleich auch die Premiere des Ensembles im frisch renovierten Kolpingsaal. Erst im September hatte die Gruppe diesen wieder beziehen können, ein Großteil der Proben fand in der St.-Thomas-Gemeinde im Kriegshaber statt.

Eine Herausforderung, die die Auswahl des Stückes maßgeblich beeinflusste. Möglichst geringen Aufwand musste der Aufbau des Bühnenbildes machen. Die Wahl des Regisseur Hans Oebels fiel auf das Stück „Endspurt“, ein biografisches Abenteuer von Peter Ustinov. Alle drei Akte teilen ein identisches Bühnenbild: das Arbeitszimmer des Schriftstellers Sam Kinsale, ausgestattet mit einem Schreibtisch, einigen Stühlen, einem Nachttisch sowie einem Bett.

In diesem liegt zum Auftakt des Stücks der altersschwache Sam (Hans Oebels). Der 16. November ist es, welchen Jahres, darüber herrscht Unklarheit. Denn als sich mit einem Schwung die Tür von Sams Arbeitszimmer öffnet, kommt niemand Geringeres hineingestürmt als eine zwanzig Jahre jüngere Version seiner selbst (Thomas Keller).

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Beide Charaktere leben in ihrer jeweils eigenen Gegenwart, sie eint ihre unglückliche Ehe zu Stella, (Susanne Ritter). Mit dieser im Zwist befindet sich auch der 40-jährige Sam (Christoph Oebels), der wenig später wüst auf sein Weib schimpfend das Zimmer betritt. Stella zu verlassen, dazu können ihn die beiden älteren Sams jedoch nicht bewegen.

Seinen eigenen Kopf hat auch der junge Sam (Christian Ritter), der bis über beide Ohren verliebt ist in seine Stella und gar nicht daran denkt, die Hochzeit mit ihr aufzuschieben. So tauschen sich die vier Sams zwar aus und lernen dabei viel über sich selbst. Die eigene Biografie rückwirkend zu ändern, das gelingt dem alten Schriftsteller jedoch nicht. Zu sehr in ihrer eigenen (Gefühls-)Welt gefangen sind die drei jüngeren Sams, um sich von ihrem Willen abbringen zu lassen.

Trotzdem gelingt es Sam einige Wirrungen und Zigarren später, seinen Frieden mit dem eigenen Leben zu schließen. Auch die Begegnung mit dem Vater, brillant gespielt von Walter Link, trägt ihren Teil dazu bei.

Sentimental mutet das Stück, in dem es auch immer wieder um große Fragen wie die wahre Liebe oder das Sterben geht, dennoch nicht an. Für ihre teils selbstironische, und immer authentische Darstellung ernteten die vier Sams viele Lacher im Publikum des voll besetzten Kolpingsaals.

Dass das Stück nach den Worten von Gesamtleiter Peter Resler „nicht die klassische Boulevardkomödie“ ist, tat der Unterhaltung keinen Abbruch. Den Akteuren ist es gelungen, schwere Kost leicht verdaulich zu machen.

Weitere Aufführungen von „Endspurt“ im Kolpingsaal, Frauentorstraße 29, sind am Sonntag, 3. November (18 Uhr), Sonntag, 10. November (18 Uhr), Samstag, 16. November (20 Uhr), Sonntag, 17. November (18 Uhr), Samstag, 23. November (20 Uhr), Sonntag, 24. November (18 Uhr). Karten gibt es telefonisch bei Familie Oswald unter 0821/657 90 (täglich ab 14 Uhr), per E-Mail: karten@tif-augburg.de, online unter www.tif-augsburg.de sowie an der Abendkasse.

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